Samstag, 15. April 2017

Westfalen News #44

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Donnerstag, 13. April 2017

Helmut Claas mit dem Erfinder-Oscar ausgezeichnet

Von Ralf Keuper

Wie u.a. die Tageszeitung Die Glocke berichtet, erhielt Helmut Claas bei einem Festakt in München für sein Lebenswerk und seine Erfindungen die Dieselmedaille, die auch als "Erfinder-Oscar" bezeichnet wird. 
Die Liste der Erfindungen, oder wie man heute häufig stattdessen sagt: Innovationen von Helmut Claas ist ebenso lang wie beeindruckend. Die Glocke schreibt: 
Eine ganze Reihe von Innovationen sind von Helmut Claas initiiert oder mitgestaltet worden. So wurde Anfang der 70er-Jahre die Dominator-Baureihe entwickelt, deren Grundidee die Modulbauweise beziehungsweise der Plattformbau waren. Der Dominator wurde zu einem der erfolgreichsten Mähdreschermodelle weltweit, heißt es in einer Mitteilung aus dem Hause Claas. In seine Ära fiel später auch die Entwicklung des Nachfolgemodells Lexion. Dieser gelte bis heute als modernster und leistungsfähigster Mähdrescher weltweit. Zu einer Erfolgsstory sei auch die Entwicklung des Selbstfahrenden Feldhäckslers, dem Jaguar, mit dem Claas die Weltmarktführerschaft erreichte, gewesen.
Im Jahr 2013 wurde Helmut Claas von dem amerikanischen Maschinenbauerverband in die "Hall of Fame" aufgenommen. Damit reiht Helmut Claas sich, wie das Wochenblatt schrieb, ein "in viele bekannte Namen wie den Caterpillar-Gründer Benjamin Holt, den Gründer des britischen Bau- und Landmaschinenkonzerns JCB, Joseph Cyril Bamford, oder Jerome Increase Case, Gründer von J. I. Case Threshing Machine Company". 


Samstag, 8. April 2017

Alt Iserlohn (Film)

FactoryHack 2017 in Lemgo (Film)

Von Ralf Keuper

In Ostwestfalen wird an mehreren Orten eifrig am Industriellen Internet gearbeitet und geforscht - wie in der Smart Factory in Lemgo. Es war daher nur eine Frage der Zeit, wann der erste Factory Hack stattfinden würde. Vor wenigen Tagen war es so weit. 

Neue Bücher über Franz von Papen und Franz Pfeffer von Salomon

Von Ralf Keuper

In der FAZ vom 4.04.17 werden zwei Bücher besprochen, die von zwei Persönlichkeiten handeln, die aus Westfalen stammten und zu zweifelhaftem Ruhm gelangten. Dabei geht es um Franz von Papen und Franz Pfeffer von Salomon. Franz von Papen dürfte vielen ein Begriff sein, bei Franz Pfeffer von Salomon gilt das wohl weniger. Mir selbst war er bisher nicht bekannt.

Franz von Papen war nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten für einige Zeit der offizielle Stellvertreter des Reichskanzlers Adolf Hitler.  Von Papens Rolle ist, gelinde gesagt, tragisch. Joachim Petzold hat das Wirken von Papens in seinem Buch Franz von Papen. Ein deutsches Verhängnis beschrieben. 
Ein neues Buch mit dem Titel "Der Amtssitz der Opposition"?. Politik und Staatsumbaupläne im Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers in den Jahren 1933-1934 beleuchtet eine weitere, bislang wenig beachtete Facette von Papens. Um von Papen versammelte sich in den Jahren 1933 und 1934 eine Gruppe von Männern, deren Ziel der Sturz des Hitlerregimes war. Möglich wurde das durch den Umstand, dass von Papen zunächst über ein eigenes Ressort mit rund 50 Mitarbeitern frei verfügen konnte. In seiner Rezension Vizekanzlei-Gruppe gegen Hitler schreibt Daniel Körfer:
Seine Mitarbeiter, fünf von Adel, vier großbürgerlich, waren wie ihre nationalsozialistischen Gegenspieler von SD und SS jung - um die dreißig. Die wichtigsten waren Hermann von Bose, der Ghostwriter Edgar Jung, Wilhelm von Ketteler und der persönliche Adjutant Fritz Günther von Tschirsky, die meisten nach der Weltkriegsniederlage früh antirepublikanisch aufgeladen mit Erfahrung in Freikorps und Nachrichtendiensten.  ... 
Die Gruppe machte die Vizekanzlei zur "Klagemauer des Dritten Reiches", half diskret Bedrängten und Verfolgten mit Hinweisen, Pässen, Geld, rettete zwischen 900 und 1600 Menschen aus Gestapo-Kellern und KZ. Hinter dem Tarnmantel der Vizekanzlei begannen sie ein weitverzweigtes oppositionelles Netzwerk zu knüpfen, um potentielle Mitstreiter gegen Hitler zu gewinnen, das am Ende über 60 Personen in Militär, Verwaltung, Wirtschaft umfasste. 
Im Zuge der Niederschlagung des vermeintlichen "Röhm-Putsches" wurde der Kreis der Mitarbeiter von Papens zerschlagen. Einige Mitarbeiter wurden dabei erschossen. Auch den Überlebenden erging es nicht viel besser. Nur einer von ihnen - Fritz Günther von Tschirsky - überlebte. Die Vizekanzlei würde umgehend aufgelöst. Von Papen jedoch überstand die Krise weitestgehend unbeschadet. Er war zuletzt Botschafter in der Türkei. Von Papen ließ seine Mitarbeiter gewähren - nicht mehr und nicht weniger.

Im Vergleich zu von Papen ist über die Rolle und Person von Franz Pfeffer von Salomon vor und während des Dritten Reiches kaum etwas bekannt. Dem verschafft Mark A. Fraschka mit Franz Pfeffer von Salomon. Hitlers vergessener Helfer Abhilfe. 
Nicht Röhm, sondern von Salomon war derjenige, der die SA zu einer im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertigen Organisation formte. Dabei kam ihm seine Erfahrung als Stabsoffizier während des 1. Weltkrieges zu gute. In seiner Rezension Begabt zu sein macht's nicht allein schreibt Wolfram Pyta:
Hier zeigte sich die Handschrift des Generalstäblers Pfeffer, der durch ein System verbindlicher schriftlicher Anweisungen nicht nur eine schließlich 80.000 Mann zählende "Sturmabteilung" aufbaute, sondern sich mit demselben Stil von 1924 bis 1926 als einer der frühen Gauleiter der NSDAP und ihrer Vorläuferorganisationen in Westfalen profilierte. 
Später war von Salomon vor allem kirchenpolitischer Mission für den NS-Staat unterwegs. Danach war er noch als Sonderbeauftragter, als eine Art "Allzweckwaffe" Hitlers aktiv. Es sei daher eine verkürzte Sich, von Salomon fast ausschließlich auf seine Rolle beim Aufbau der SA zu reduzieren, wie Pyta moniert:
Man wird also konstatieren können, dass Franz Pfeffer von Salomon weit mehr war als ein typischer SA-Führer und dass eine systematischere Ausleuchtung seines politischen Lebenswegs, als sie in dem gedanklich zu engen Buch Fraschkas vorgenommen wird, tiefe Einblicke in die Herrschaftstechnik Hitlers generiert. 

Sonntag, 2. April 2017

Westfälische Bankiers und Banker

Von Ralf Keuper

Westfalen ist bis heute als Bankplatz kaum in Erscheinung getreten, was aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss, wenn man die aktuellen Umwälzungen der Branche, genannt seien die Schlagworte Fintech und Blockhain, berücksichtigt. Die großen Finanzzentren Deutschlands waren dort, wo auch die Handelsströme zusammenliefen und eine vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte gegeben war, wie im Rheinland, Berlin und Frankfurt. Heute streiten sich Berlin und Frankfurt darum, wer die neue "Fintech-Hauptstadt" Deutschlands ist. 

Trotz der genannten wirtschaftsgeographischen und demografischen Nachteile sind einige namhafte Bankiers und Finanzinstitutionen aus Westfalen hervorgegangen. Die bekanntesten Bankiers mit westfälischen Wurzeln sind zweifelsohne die Warburgs, die noch heute in Hamburg die Privatbank M.M. Warburg & CO betreiben. Ihren Familiennamen verdanken sie der Stadt Warburg im heutigen Kreis Höxter. Inzwischen sind die Familie Warburg und die Stadt Warburg dabei, ihre Beziehungen zu vertiefen bzw. wieder aufzunehmen, wie es in Warburgs besuchen Warburg heisst. 

Ein weiterer wichtiger Bankier war Hermann Paderstein, der in Paderborn die Firma Paderstein & Söhne gründete. Als sich abzeichnete, dass der Aufschwung der Industrie im benachbarten Bielefeld einen entsprechenden Kapitalbedarf bei den Unternehmen hervorrufen würde, gründete Paderstein das Bankhaus Paderstein, das, wie Hartmut Wixforth in Aufstieg und Niedergang des Bankhauses Paderstein in Ostwestfalen darlegt, für lange Zeit die erste Bank am Platze bleiben sollte.
In Paderborner Geldinstitute vom 18. Jahrhundert bis 1945 erwähnt Gerhard Hohmann neben Paderstein noch weitere Händler und Geldwechsler, die später zu Bankiers wurden. Hohmann nennt u.a. Bartholomäus Craß: 
Ein bedeutender Paderborner Bankier des 18. Jahrhunderts war Bartholomäus Craß, 1676 geboren als Sohn des Johann Craß aus Wiedenbrück und der Anna Maria Gleseker aus Paderborn. Er heiratete 1709 Anna Maria Wilkotte aus Paderborn. Craß handelte mit Waren verschiedenster Art, in der Hauptsache mit Wolle, und beschickte jährlich die großen Messen in Frankfurt am Main und Leipzig. Mit seinem eigenen Vermögen von 6000 Reichstalern und dem ebenso großen seiner Frau errichtete er 1716 nahe dem Paderborner Rathaus das Haus Schildern Nr. 5, das heute der Sparkasse dient. ... Craß hatte 54 446 Reichstaler ausgeliehen, vor allem an den Adel des Landes, aber auch an das Hochstift 9346 Reichstaler, an die Stadt Paderborn 1550, an Offiziere und Beamte, Domherren, Weltgeistliche, Bürger, Handwerker und Bauern aus Paderborn und seiner Umgebung.
Aus Minden stammt ein weiteres bedeutendes Bankhaus, das seinen Sitz später nach Bielefeld verlegte und zu den größten Privatbanken Deutschlands zählt: Das Bankhaus Lampe, das sich heute im Besitz der Familie Oetker befindet. Auf Wikipedia erfahren wir über die Gründung:
Am 1. Oktober 1852 gründete der 24-jährige Hermann Lampe das Unternehmen als Bank- und Speditionsgeschäft in Minden. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Gründungen von Aktiengesellschaften begleitet, Obligationen platziert und erste Kontakte ins Ausland geknüpft. Lampe verunglückte 1877 tödlich. Das Bankhaus wird daraufhin von seinem angestellten Mitarbeiter Carl Siebe und dessen Vetter Wilhelm Wegener übernommen. Deren Söhne Wilhelm Siebe und Karl Wegener übernahmen die Firma im Jahr 1917.
Keine Bankiers im eigentlichen Sinne, gleichwohl im Geldgeschäft tätig, waren die Kaufleute der Hanse, wie Tidemann Lemberg aus Dortmund: 
Er vergab Kredite an den Papst in Avignon, er belieferte die englische Festung Bordeaux mit Lebensmitteln. Lemberg galt einerseits als skrupellos und gewinnsüchtig, machte aber andererseits, so wie die Kölner Patrizierfamilien Scherffgin, Lyskirchen und Overstolz, den Kartäusern große Schenkungen. Deren Kirche in Köln war der heiligen St.Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, geweiht (Quelle: Wikipedia)
Ein bedeutender Bankier war Johann Heinrich von Olfers, der u.a. Oberbürgermeister von Münster war.  Er führte am Prinzipalmarkt das Bankhaus Lindenkampff & Olfers. Weiterhin erfahren wir:
Er gehörte 1835 zu den maßgeblichen Gründern und zum Vorstand des Vereins der Kaufmannschaft von Münster. Der Verein trat auch kommunalpolitisch als Interessenvertretung der Kaufmannschaft auf. Darüber hinaus vertrat er gemäßigt bürgerliche Reformvorstellungen [Anm. 4]. Auch dem Civilclub, einer weiteren Schnittstelle der Kommunalpolitik, gehörte Olfers an [Anm. 5]. Er war über die Stadt hinaus einer der einflussreichsten Politiker Westfalens in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er war Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags. Als solcher gehörte er 1847 und 1848 dem Vereinigten Landtag an.
In Die Famillien Olfers und Lindenkampf schreibt Wilfried Reininghaus:
Das Bankhaus wurde vom Juristen Franz Hermann Lindenkampf um 1780 unter der Firma F. H. Lindenkampf & Co. gegründet. Sein Hauptzweck war zunächst der Handel mit Wechseln im Hinterland von Amsterdam und Nordsee. Stiller Teilhaber und Kompagnon war der spätere Bankier Niedick. 1798 trat Lindenkampfs Schwager Franz Theodor Olfers gleichberechtigt in das Bankhaus ein .. Das Bankhaus F. H. Lindenkampf & Co. bzw. Lindenkampf & Olfers hatte seine größte überregionale Bedeutung in den letzten Jahren des Ancien Regime. Insbesondere Fürstbischof Max Franz bediente sich der Fähigkeiten der Inhaber Lindenkampf bzw. Olfers, Kapitalien zu sammeln, um seinen enormen Kreditbedarf zu decken.
Im 20. Jahrhundert wurden die Privatbanken zunehmend von Aktienbanken und Universalbanken an den Rand gedrängt, wie von der Disconto Bank und der Deutschen Bank. Der Gründer der Disconto Bank, David Hansemann, verbrachte seine Lehrzeit im Handelsgeschäft von Ferdinand und Johann Daniel Schwenger in Rheda. Ein Lehrling des erwähnten Bankhauses Paderstein in Bielefeld, sollte später Direktor und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank werden: Max Steinthal. Der Deutschen Bank zeitlebens auf engste verbunden und mit dem Titel "Mister Deutsche Bank" ausgezeichnet, war F. Wilhelm Christians aus Paderborn. Christians war zunächst zusammen mit Wilfried Guth und später dann mit Alfred Herrhausen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Danach übte er noch mehrere Jahre das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank aus. Bis vor einiger Zeit im Vorstand der Deutschen Bank war Rainer Neske aus Münster, der heute Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg ist. Ellen-Ruth Schneider-Lenné, die erste Frau im Vorstand der Deutschen Bank, machte einen wichtigen Karriereschritt während ihrer Zeit in der Filiale Hamm. In Münster wohnte bis zu seinem Lebensende Ludwig Poullain, der langjährige Vorstandschef der WestLB. Für Aufsehen sorgte Poullain mit seiner noch immer lesenswerten Ungehaltenen Rede. Alfred Herrhausen, der legendäre Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der wie keiner vor und nach ihm die gesellschaftspolitische Debatte in Deutschland beeinflusst hat, stammte aus Essen und war einige Jahre, während seiner Zeit als Vorstand der VEW, in Dortmund wohnhaft. 

Lange Zeit galt die Westfalenbank in Bochum als eine der ersten Adressen der deutschen Wirtschaft, bis sie in den 1970er Jahren aufgrund geschäftspolitischer Fehlentscheidungen an den Rand des Ruins geriet. 

Für eine der größten Bankenpleiten in Deutschland der letzten Jahrzehnte war Ferdinand-Josef Graf von Galen (mit-)verantwortlich. 

Höchst umstritten ist ein weiterer Banker aus Westfalen: Georg Funke, der letzte Chef der Hypo Real Estate Holding AG. 

Aus Iserlohn stammt der Chef der Postbank, Frank Strauß

Weitere Informationen:

Geschichte des Bankplatzes Bielefeld