Samstag, 1. Oktober 2016

Glaubte Friedrich Spee an Hexen?

Friedrich Spee war ein Kind seiner Zeit. Für ihn war es - entgegen allen anachronistischen Verzerrungen unserer Tage - kein Widerspruch, an die Vernunft der Zeitgenossen zu appellieren und gleichzeitig an die Existenz von Hexen zu glauben. Der populäre Mythos, Spees Vernunftverständnis sei der Ausfluss einer aufklärerischen Rationalität, kann in ihrer Pauschalität nicht aufrecht erhalten werden. Daher stellt sich die Frage, was an Spees Werk bemerkenswert bleibt, wenn die wegweisende Radikalität seiner Kritik so stark zu relativieren ist? Die Antwort liegt einerseits in seiner Person und andererseits in dem Aufbau seiner Cautio Criminalis. ...

Zu seiner Cautio Criminalis: Friedrich Spee ist an vielen Stellen seines Buches nicht originär, sondern nutzt Argumente, die teilweise schon von seinen Vorgängern verwendet worden sind. Allerdings liegt das Spezifikum seiner Schrift in der gewählten Ich-Form. Dank ihres Gebrauchs kann der Leser sich mit dem Geschriebenen identifizieren, d.h. sich in die Situation einer angeblichen Hexe hineinversetzen, ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit, sogar die Schmerzen der Folter nachempfinden. Der Rezipient wird förmlich gezwungen, sich selbst zu fragen, ob er die gleichen Qualen ertragen könnte oder doch dem physischen und psychischen Druck der Tortur nachgäbe, dem Inquisitor beliebige Namen angeblicher Teufelsbündnerinnen nennen und sich selbst als Hexe bezichtigen würde. Die Darstellungsform ist das Einmalige an der Cautio Criminalis, weil sie eine Identifikation mit den Opfern ermöglicht und gleichzeitig die Funktion des Gewissens übernimmt, das den Leser an das Gebot der Nächstenliebe erinnert. 

Vor allem dieser moralische Impetus, verbunden mit einer humanistischen Ernsthaftigkeit ist dafür verantwortlich, dass die Persönlichkeit Friedrich Spees nach wie vor beeindruckt und sein Hauptwerk Cautio Criminalis, seit Leibniz über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu einer kritischen Auseinandersetzung einlädt. 
Quelle: Glaubte Friedrich Spee an Hexen? Einige kritische Gedanken zur Cautio Criminalis von Sarah Masiak, in: Paderborner Historische Mitteilungen, Jg. 24, 2011

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Westfalen News #38

Von Ralf Keuper

Wiederum eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Samstag, 24. September 2016

Holger Berens: Ein fabelhaft finessenreicher Koch

Von Ralf Keuper

In Heldentaten nach Heinrich Heines Geschmack portraitiert Jakob Strobel Y Serra den aus Westfalen stammenden Koch Holger Berens, der im Medienhafen Düsseldorf mit seinen Menüs womöglich nicht nur den FAZ-Kolumnisten zum Schwärmen bringt. 

Die Urlaubs-Gurus aus Holzwickede

Von Ralf Keuper

In Holzwickede im Kreis Unna haben Daniel Krahn und Daniel Marx in den vergangenen Jahren ihr Startup Uniq zu einer beachtlichen Größe entwickelt. Mittlerweile zählt das Startup 140 Mitarbeiter. Über seine Internetseite Urlaubsguru.de vermittelt das Unternehmen pro Jahr Reisen im Wert von 200 Millionen Euro, wie die FAZ vom 19.09.2016 in Die Gurus haben mehr Fans als die TUI berichtet. 

Außergewöhnlich an dem Unternehmen ist auch die Heimatverbundenheit der Gründer. Obwohl der Schritt nach Dortmund von Holzwickede aus eigentlich nur ein kleiner ist, sei die Wahl bewusst auf Holzwickede gefallen:
Wir mögen Dortmund und sind auch Fans des BVB. Aber wir sind stolz, unser Unternehmen in unserer Heimat, im Kreis Unna, aufgebaut zu haben.
Die FAZ fügt dem noch hinzu: 
Dort wollen sie nicht weg. Stattdessen holten sie ausländische Mitarbeiter nach Holzwickede, die die niederländische, portugiesische, englische und französische Guru-Seite befüllen. Jüngst kam das dänische Angebot dazu. 

Freitag, 23. September 2016

Die C&A Story (Dokumentationsfilm)

Das Wagner-Wunder von Minden

Von Ralf Keuper

Im Jahr 2002 begann mit Der fliegende Holländer das sog. Wagner-Wunder von Minden. In diesem Jahr setzt sich das Wunder mit der Aufführung der Walküre fort, wie die FAZ in Wagner-Fans, bitte hier lang! schreibt.

Auf der Seite Der Ring in Minden kann man sich über die Aufführungen und deren Aufnahme in den Medien informieren.

Im Jahr 2012, zum hundertjährigen Bestehen des Wagner-Verbandes Minden, wurde Tristan und Isolde aufgeführt.