Montag, 30. Dezember 2013

Schach in Westfalen

Von Ralf Keuper

Das Schachspiel steht in dem Ruf, das strategische Denken zu befördern, weshalb es auch das bevorzugte (Gesellschafts-)Spiel vieler Militärs war und vielleicht auch noch ist. 
Gegenstand der Literatur war das Schachspiel u.a. in der Schachnovelle von Stefan Zweig. Emanuel Lasker, von Hause aus Mathematiker und Philosoph, und wohl einer der besten Schachspieler aller Zeiten, schrieb einige lesenswerte und noch heute aufgelegte Bücher über das Schachspiel. 

Heute wird die Szene von einer Vielzahl von Turnieren und Meistern des Schachs dominiert. Zur letzten Gruppe zählen u.a. der Internationale Schachmeister Sven Telljohann, der in Herdecke geborene Großmeister Sebastian Siebrecht und der in Bochum lebende Großmeister Daniel Friedman, dessen Ehefrau Anna Zatonskih ebenfalls eine herausragende Schachspielerin ist. 

Mit spielstrategischen Überlegungen befassen sich die Schachkomponisten, wie Werner Speckmann, der u.a. das erste deutsche Internet-Schachkompositionsbuch veröffentlichte. Ein weiterer Internationaler Meister der Schachkomposition war der gebürtige Herforder Erich Zepler. Oskar Wielgos erhielt für seine Schachkompositionen mehr als 100 Auszeichnungen. 

Louis Paulsen war einer der besten Schachspieler des 19. Jahrhunderts. 

Die Dortmunder Schachtage ist eines der weltweit renommiertesten Schachturniere. Ein bekanntes nationales Turnier ist das Turm-Open in Lippstadt. 
In Paderborn fand kürzlich der 10. Paderborner Schachtürken-Cup statt. 


Stimme Westfalens (Poesie und Prosa)

Von Ralf Keuper

Das Buch Die Stimme Westfalens enthält eine Auswahl von Texten, die in der Mehrzahl von westfälischen Dichtern verfasst wurden oder sich mit Westfalen beschäftigen. Die Reihe beginnt mit dem Heliand und reicht bis zu der Erzählung Die unsichtbare Pforte: Die Mauer von Paul Schallück
Ebenso vertreten sind Christophel von Grimmelshausen mit seinem Simplicissimus, dessen literarische Hauptfigur Das Jägerken von Soest ist, und  Johann Wolfgang von Goethe mit Campagne in Frankreich 1792.

Zu Wort kommen darin aber auch Dichter, die heute kaum noch bekannt sind, wie der Humanist Johannes Veghe, Daniel von Soest oder Gerhard von Minden. Letzterer übertrug im Jahr 1370 aus einer lateinischen Übersetzung der Fabelsammlung des griechischen Dichters Aesop 125 Fabeln in die westfälische Sprache seiner Zeit. 

Westfalen unter sich und über sich (hrsg. von Rainer Schepper)

Von Ralf Keuper

In dem von Rainer Schepper herausgegebenen Buch Westfalen unter sich und über sich kommen einige bekannte Westfälinnen und Westfalen zu Wort, darunter Norbert Johannimloh, Siegfried Kessemeier und Lieselotte Funcke
Die Beiträge schildern Westfalen aus der jeweiligen Perspektive des Verfassers, wobei einmal mehr deutlich wird, dass sich für Westfalen unterschiedliche Interpretationen anbieten, die jedoch in bestimmten Punkten zusammenlaufen, ohne ins Klischeehafte abzugleiten. 

Das Buch ist heute nur noch antiquarisch erhältlich. 

die warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter

Von Ralf Keuper

Erst vor kurzem wurde ich per Zufall auf die Zeitschrift die warte aufmerksam. Nach der Lektüre der Ausgabe Weihnachten 2013 kann ich sie nur jedem an der Geschichte Westfalens Interessierten wärmstens empfehlen. 
Anders als es vielleicht der Titel vermuten lässt, wird hier keineswegs plumpe Heimattümelei zelebriert. Auch beschränkt sich die Perspektive nicht auf das Hochstift Paderborn. 

Westfalenspiegel (Kulturzeitschrift)

Von Ralf Keuper

Die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe herausgegebene Kulturzeitschrift Westfalenspiegel widmet sich in ihren Ausgaben in den unterschiedlichsten Schwerpunktthemen Land und Leuten und zeichnet damit ein facettenreiches Bild von Westfalen. Auch mit der Geschichte und Kultur Westfalens vertraute Leser stoßen hier auf Überraschungen. 

Die Zeitschrift ist im Handel erhältlich. 

Die Westfalen. Volk, Geschichte, Kultur (Gustav Engel)

Von Ralf Keuper

Das Buch Die Westfalen von Gustav Engel bietet einen guten Einstieg in die Geschichte und Kultur Westfalens, wenngleich ich nicht alle Aussagen des Buches teile. 
Auf jeden Fall ist es übersichtlich gestaltet und informativ. Darüber hinaus regt es zu weiteren Nachforschungen an. 

Sonntag, 29. Dezember 2013

Westfälische Sinologen, Japanologen und Orientalisten

Von Ralf Keuper

Die Faszination, die Asien auf Europäer ausübt, ist bis heute ungebrochen. Als der wohl erste Westfale "erlag" Engelbert Kaempfer dem Reiz der asiatischen Länder. Seine History of Japan beeinflusste die Wissenschaft noch Jahrzehnte nach seinem Tod. Auch heute noch berufen sich viele Forscher auf seine Schriften.

Sein Forscherdrang führte Hermann Ulphilas u.a. bis nach Guinea und Indonesien, wo er sich vor allem mit der dortigen Pflanzenwelt beschäftigte. 

Helmut Martin war der wohl bedeutendste deutsche Sinologe der Nachkriegszeit. Er lehrte bis zu seinem Tod an der Ruhr-Universität Bochum. Ihm verdankt die Universität das Richard-Wilhelm-Übersetzungszentrum. Namensgeber ist der berühmte Sinologe Richard Wilhelm. Einen lesenswerten Nachruf auf Martin verfasste DER SPIEGEL.

Ebenfalls in Bochum lehrt Heiner Roetz, der sich immer wieder zur aktuellen Politik in der VR China äußert. Kürzlich erschien anlässlich seines 65. Geburtstages eine Festschrift, die seine herausragenden Verdienste um die Sinologie hervorhebt. 

Die Westfälische-Wilhelms-Universität Münster verfügt über ein Institut für Sinologie und Ostasienkunde. Dort kann man auch Sinologie studieren, wie der Film  Sinologie an WWU Münster zeigt. 
Tilemann Grimm wurde vor allem als ausgewiesener Experte des Maoismus bekannt. 

Der Technik und der "materiellen Kultur" Chinas geht Mareile Flitsch in ihren Forschungen nach. 

Von 1895 bis 1900 hatte Robert Löbbecke als Militärberater die Gelegenheit, China näher kennen zu lernen. Seine Eindrücke hielt er in zahlreichen Briefen und Fotographien fest. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe veröffentlichte die Dokumente in dem Buch Ein Westfale in China

Ebenfalls in Bochum lehrte der Japanologe Horst HammitzschDie Ruhr-Universität Bochum gilt darüber hinaus auch als führend in der Koreanistik. Ebenso verfügt die Ruhr-Universität über ein Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften
Ein weiterer berühmter Japanologe war Helmut Brinker
Hugo Makibi Enomiya-Lassalle war ein bedeutender ZEN-Lehrer und Kenner japanischen Kultur. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Japan.

Anton Deimel gilt als einer der Begründer der Sumerologie. Heinrich Adolph Grimm war im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert u.a. Professor für Orientalistik an der damaligen Universität Duisburg.

Weitere

Martin Trost

Navid Kermani

Theobald Diederich








Hölderlin in Westfalen

Von Ralf Keuper

Im Sommer 1796 weilte der Dichter Friedrich Hölderlin im Gefolge der Familie des Frankfurter Bankiers Gontard für einige Wochen in Bad Driburg. Als Hauslehrer der Kinder befand er sich in unmittelbarer Nähe zur Ehefrau des Bankiers, Susette Gontard
Hölderlin fühlte sich stark zu der Hausherrin hingezogen. Um seiner Sehnsucht auf literarischem Weg Ausdruck zu verleihen, richtete er fortan mehrere Briefe an Diotima, die stellvertretend für Susette Gontard stand. Diotima taucht als literarische Figur zum ersten Mal in Platons Symposium auf, in dem sie Sokrates das Wesen der Liebe erklärt. 

Wegen der engen Beziehung zu Bad Driburg residiert in dem Kurort die Diotima-Gesellschaft. Attraktionen des gräflichen Parks in Bad Driburg sind der Hölderlin-Hain und die Diotima-Insel.

Rückblickend betrachtete Hölderlin die Wochen in Bad Driburg als die glücklichsten seines Lebens. Und das, obwohl die Reise nach Westfalen bei ihm anfangs wenig Begeisterung auslöste

Leider hielt die Stimmung, die er von seinem Aufenthalt in Bad Driburg mitnahm, nicht lange an. Hölderlins Geist verdüsterte sich in den Jahren danach immer mehr. Letzte Zuflucht auf Erden war ein - inzwischen nach ihm benannter - Turm in Tübingen. 
Stefan Zweig beschrieb den Leidensweg Hölderlins in Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin, Kleist, Nietzsche

Hermann Hesse fand für Hölderlins Dichtung nur lobende Worte. Für ein Gedicht von Hölderlin, so sagte Hesse einmal, gebe er den ganzen Schiller hin. 
Damit steht Hermann Hesse gewiss nicht alleine ;-) 

Freitag, 27. Dezember 2013

Westfälische Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 und Parlamentarier im 19 Jhd.

Von Ralf Keuper

Die Frankfurter Nationalversammlung, die in den Jahren 1848 und 1849 in der Paulskirche in Frankfurt tagte, ist in die Geschichte als das >erste frei gewählte Parlament für die „deutschen“ Nachfolgestaaten des Heiligen Römischen Reichs< (Wikipedia) eingegangen. 
An dieser denkwürdigen Zusammenkunft nahmen auch einige Vertreter aus Westfalen teil, wie Jodocus TemmeJulius Ostendorf und Justin von Linde.  

Einer der führenden Köpfe, nicht nur unter den westfälischen Vertretern, war Benedikt Waldeck, der, nachdem die von der Nationalversammlung ausgearbeitete Verfassung von dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. abgelehnt wurde, einer der einflussreichsten innenpolitischen Gegenspieler Bismarcks war, so wie der gebürtig aus Osnabrück stammende Ludwig Windhorst, den Golo Mann einmal als "den genialsten Parlamentarier" bezeichnete, "den Deutschland je besaß".   

Mit kritischen Kommentaren begleitete der Journalist Friedrich Kapp die Arbeit der Nationalversammlung. Da er auch politisch engagiert war, übernahm er das Amt des ersten Schriftführers des Frankfurter Demokratenkongresses, bevor er in den Wirren des Septemberaufstands aus Deutschland floh. Die Flucht führte ihn u.a. in das Haus des (politischen) Schriftstellers Alexander Herzen. Dort arbeitete Kapp als Lehrer und Übersetzer. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte sein Sohn, Wolfgang Kapp, als Drahtzieher des nach ihm benannten Kapp-Putsches

Wilhelm Hasenclever war einer der führenden Köpfe der Vorläuferorganisationen der SPD. Zusammen mit Wilhelm Liebknecht gründete er die noch heute herausgegebene Zeitung der SPD, den Vorwärts. 


Rilke in Westfalen

Von Ralf Keuper

Rainer Maria Rilke stand über Jahre in engem Kontakt mit der Schriftstellerin und Mäzenin Hertha Koenig. Nachdem Hertha Koenig einige Jahre in Oberbayern verbrachte, wo sie in München u.a. einen literarischen Salon unterhielt, kehrte sie auf den Familienbesitz Gut Böckel in der Nähe von Herford zurück. Dort blieb sie bis an ihr Lebensende. 

Im Jahr 1917 verbrachte Rilke, der ständig unterwegs war und dabei bevorzugt bei seinen Förderern wohnte, einige Monate auf Gut Böckel. Hertha Koenig hielt ihre Erinnerung an diesen Besuch in Meine Erinnerung an Rilke fest.  Rilke selber schilderte seine Eindrücke in einem Brief

Vor einigen Jahren erschien im Pendragon Verlag das Buch Rainer Maria Rilke. Briefe an Hertha Koenig 1914-1921

Gut Böckel, das der Großvater von Hertha Koenig, der "Zuckerkönig von Russland", Leopold Koenig, für seinen Sohn erwarb, befindet sich heute im Besitz der Familie Leffers, die das Gut in ein kulturelles Kleinod verwandelt hat. 

Westfälische Rechtsgelehrte, Juristen und Rechtsgeschichte

Von Ralf Keuper

Die Rechtsprechung spielt in der kulturellen Entwicklung der Menschheit eine große Rolle. Eines der ältesten überlieferten "Gesetzesbücher" ist der Codex Hamurapi. In Deutschland entstanden die ersten Gesetzestexte deutlich später. Eine wichtige Rolle in der Rechtstradition der westlichen Welt übernahm im Mittelalter die katholische Kirche mit ihrem Kanonischen Recht, wie der amerikanische Rechtsphilosoph Harold Berman in seinem epochalen Werk Recht und Revolution. Die Bildung der westlichen Rechtstradition hervorhebt.  
Das älteste deutsche Rechtsbuch ist der aus dem Mittelalter stammende Sachsenspiegel. In Westfalen entstanden während des Mittelalters Rechtsbücher bzw. Rechtsregeln, die im ganzen deutschen Reich angewandt wurden, wie die Westfälischen Femegerichte oder das Soester Stadtrecht, das erste im deutschen Sprachraum nachweisbare Stadtrecht.  
Von daher hat Westfalen eine besondere Beziehung zum Rechtswesen, was auch die hohe Zahl herausragender Rechtsgelehrter belegt. 

Johann Stephan Pütter galt zu seiner Zeit als der bedeutendste Rechtsgelehrte Deutschlands. Daneben wird er als der erste Verfassungshistoriker betrachtet. Heinrich Eduard von Pape war federführend an der Ausarbeitung des noch heute gültigen Bürgerlichen Gesetzbuches beteiligt. 
Gustav von Ewers begründete das Fach der Rechtsgeschichte in Russland.  

Mit seinem Staats- und Naturrechtsverständnis schuf Johannes Althusius die erste normative und systematische Staatstheorie der ständischen Monarchie in der frühen Neuzeit (Wikipedia). Als sein wichtigstes Werk gilt Politica, das für einige Kommentatoren den Beginn des verfassungsrechtlichen Denkens markiert. 

Heinrich Bocer  "versuchte .. , die humanistische Jurisprudenz des 16. Jahrhunderts aufrechtzuerhalten". 

Justus Möser führte das germanische Recht in das römische Recht über. Das heutige deutsche Rechtssystem baut auf seinen Ideen auf (Wikipedia). 

Der Völkerrechtler Walther Schücking war als erster Deutscher ständiger Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Ihm zu Ehren benannte die Christian Albrechts-Universität Kiel im Jahr 1995 ihr renommiertes rechtswissenschaftliches Institut in Walther Schücking-Institut für Internationales Recht um. 

Einer der umstrittensten und wirkungsmächtigsten Staatsrechtler des vergangenen Jahrhunderts war Carl Schmitt

Wichtige Beiträge zum Verfassungsrecht leistete Karl August Bettermann.

Der erste Präsident des Bundesverfassungsgerichts war Hermann Höpker-Aschoff. Der derzeit amtierende Präsident Andreas Voßkuhle stammt gebürtig aus Detmold. 

Ungewöhnlich viele Staatsrechtler und Verfassungsrichter haben einige Zeit an der Universität Bielefeld gelehrt, wie Hans-Jürgen Papier. Aus Bielefeld stammt der vor allem als Schriftsteller einem größeren Publikum bekannt gewordene Bernhard Schlink

Mit seinem Projekt Die Medien des Rechts betritt Thomas Vesting Neuland. 

Theodor Rasehorn hat wohl nicht nur nach Ansicht von Klaus F. Röhl "das Denken über die Justiz stärker durcheinandergewirbelt als 1906 Gnaeus Flavius (Hermann Kantorowicz) mit dem »Kampf um die Rechtswissenschaft«" 

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Westfälisches Hausbuch. Von guter alter Zeit an Ruhr und Sieg, Lippe und Ems: Geschichten, Bilder und Gedichte

Von Ralf Keuper

Das Westfälische Hausbuch, erschienen 1997, möchte, wie es im Vorwort heißt, die Vergangenheit, vornehmlich die des 19. Jahrhunderts, lebendig machen. Hierfür hat der Herausgeber Diethard H. Klein verschiedene Beschreibungen, Geschichten und Gedichte vorwiegend westfälischer Autoren zusammengetragen, wie Fredinand Freiligrath, Levin Schücking, Karl Prümer, Eduard Duller, Annette von Droste-Hülshoff, Julius Hart und Josef Winckler. 
Zusammen ergeben die Beiträge ein facettenreiches Bild von Westfalen, worin jede Region mit ihren Besonderheiten zu ihrem Recht kommt. 

Wer sich für die Geschichte und Kultur Westfalens interessiert, ist mit diesem Hausbuch gut bedient. 

Westfälische MystikerInnen

Von Ralf Keuper

Die Mystiker wurden und werden von religiösen Dogmatikern mit einer gewissen Skepsis betrachtet, die auch schon mal in schroffe Ablehnung umschlagen kann. Häufig stehen Mystiker bei den Religionsführern im Verdacht, eine ausschließlich auf persönliche Erfahrungen gegründete Spiritualität einführen zu wollen - und das nicht nur in der christlichen Religion, wie das Beispiel der Derwische zeigt. 

In Westfalen wurden den Spökenkiekern neben wahrsagerischen auch mystische Fähigkeiten nachgesagt. Einige hatten ein sog. "Zweites Gesicht". 

Eine Mystikerin, die zu ihrer Zeit für großes Aufsehen sorgte, war Anna Katharina Emmerick, die "Mystikerin des Münsterlandes". Nachrichten über ihre mystischen Fähigkeiten gelangten bis nach Berlin, u.a. zu dem Romantiker Clements von Brentano, der sich nach Dülmen aufmachte, um ihre Visionen aufzuzeichnen. Die ARD verfilmte die Lebensgeschichte Anna Katharina Emmericks in Das Gelübde
Ebenfalls aus dem Münsterland stammte die als Mystikerin bekannte gewordene Maria Droste zu Vischering. Die Filmdokumentation Schwester Maria vom Göttlichen Herzen zeigt ihre wichtigsten Lebensstationen.

Hugo Makibi Ennommiya-Lassalle schlug die Brücke zwischen christlicher Mystik und dem ZEN-Buddhismus. Seither gilt er als Wegbereiter des christlich-buddhistischen Dialoges. 

Der derzeit wohl wirkungsmächtigste Mystiker bzw. spirituelle Lehrer in der westlichen Welt ist der in Lünen geborene Eckhart Tolle

Weitere:

Christina von Hamm

Montag, 23. Dezember 2013

Literarische Gesellschaften und Literaturpreise in Westfalen

Von Ralf Keuper

Die Literaturlandschaft in Westfalen wird durch zahlreiche Gesellschaften bereichert, die sich dem Werk berühmter Dichterinnen und Dichter verschrieben haben. Einige von ihnen vergeben in regelmäßigen Abständen Literaturpreise, die ein überregionales Publikum ansprechen, wie der Nelly Sachs-Preis der Stadt Dortmund. 
Weiterer bekannter Literaturpreis mit überregionaler Ausstrahlung war der Candide-Preis, der 2011 zum vorläufig letzten Mal in Minden verliehen wurde. Letzter Preisträger war Peter Handke. In Minden wird auch der Kogge-Preis vergeben. 
Bereits seit 1946 wird der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis verliehen, von dem bundesweit Notiz genommen wird. 

In Detmold wird seit 1994 von der Grabbe-Gesellschaft und der Stadt Detmold der Christian-Dietrich-Grabbe-Preis verliehen. Ebenfalls in Detmold residiert die Georg-Weerth-Gesellschaft. Die Peter-Hille-Gesellschaft vergab in diesem Jahr den Hille-Literaturpreis an den Satiriker und Schriftsteller Wiglaf Droste. Die Stadt Hagen und die Provinzial-Versicherung vergeben in Gedenken an den Lyriker und Büchnerpreisträger Ernst Meister den Ernst-Meister-Preis für Lyrik
In Ennigerloh im Kreis Warendorf wird seit Jahren der Ennigerloher Dichtungsring verlieren. 

Das Andenken an den Dichter Friedrich-Wilhelm Weber, der im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert mit seinem Buch Dreizehnlinden einen nach heutigen Maßstäben Bestseller verfasste, hält die Friedrich-Wilhelm-Weber-Gesellschaft in Bad Driburg wach. Ebenfalls in Bad Driburg befindet sich die Diotima-Gesellschaft, die an den mehrwöchigen Aufenthalt von Friedrich Hölderlin in dem Kurort erinnert. 

In Münster war die von Elise Rüdiger ins Leben gerufene Hecken-Schriftsteller-Gesellschaft ein Treffpunkt von Literaten wie Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking

Die Christine-Koch-Gesellschaft ist dem Werk der Lyrikerin sauerländischer Mundart Christine Koch gewidmet. Der münsterländer Mundart in seinen Dichtungen ein Denkmal gesetzt hat Augustin Wibbelt, dessen literarisches Erbe die Augustin-Wibbelt-Gesellschaft bewahrt. 

Inzwischen eine feste Größe im ostwestfälischen Kulturleben ist die Literarische Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe. Weitere literarische Gesellschaften in Westfalen bestehen in ArnsbergMünster und Bochum

In Unna hat das Westfälische Literaturbüro seinen Sitz. Eine weitere Einrichtung ist das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe. 

Lange vor unserer Zeit übernahmen häufig die literarischen Salons die Funktion unserer heutigen literarischen Gesellschaften. In Westfalen sind hier vor allem der Kreis von Münster um die Fürstin Gallitzin und der Romantikerkreis Bökendorf zu nennen. 

Samstag, 21. Dezember 2013

Hans Koeppen und das erste Autorennen der Welt 1908

Von Ralf Keuper

Dem in Minden geborenen Oberstleutnant der preußischen Armee, Hans Koeppen, gelang, wie die sehenswerte Filmdokumentation Hat der Motor eine Seele? zeigt, im Jahr 1908 im ersten Autorennen der Welt, das von New York nach Paris führte, eine Sensation. Mit vier Tagen Vorsprung vor dem amerikanischen Team traf er in Paris ein. Mit seinem Auto der Marke Protos durchquerte Koeppen die USA vom Startpunkt New York über Chicago bis nach Seattle, von wo er mit dem Schiff nach Wladiwostok übersetzte. Für die Teilstrecke nach Seattle benutzte er mit Einwilligung der französischen Rennleitung den Zug, was später auf Druck des amerikanischen Teams dazu führte, dass ihm der Sieg aberkannt wurde.
Koeppen und sein Team mussten auf ihrer wahrlich abenteuerlichen Reise viele Hindernisse überwinden, insbesondere auf dem Streckenabschnitt von Wladiwostok über Irkutsk bis nach Moskau. Durch Sibirien war bis zu dem Zeitpunkt noch nie ein Automobil gefahren. Danach lief es fast reibungslos über Berlin bis nach Paris, dem Endpunkt des Rennens. Seine Eindrücke von der Reise, auf der er fast drei Kontinente durchquerte wie auch die Begegnungen mit den Menschen der unterschiedlichsten ethnischen Gruppen, hielt er in dem Buch Im Auto um die Welt fest.
Das Rennen wurde später von Hollywood in dem Film Das große Rennen um die Welt aufgegriffen. 

Weitere Informationen:



Bökendorfer Romantikerkreis

Von Ralf Keuper

Schloss Bökerhof bei Brakel (Kreis Höxter) war im 19. Jahrhundert ein beliebter Treffpunkt einiger namhafter Vertreter der Deutschen Romantik. Annette von Droste-Hülshoff, deren Mutter Therese von Haxthausen in Bökendorf aufwuchs, verdankte dem Kreis u.a. die Anregung für ihren schriftstellerischen Erfolg Die Judenbuche.  Auf Wikipedia heißt es zum Bökendorfer Romantikerkreis:
Das Herrenhaus Bökerhof war im 19. Jahrhundert der Mittelpunkt des „Bökendorfer Romantikerkreises“ (1810 – 1834) mit den Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff, den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm, Clemens Brentano und Josef GörresSchöpfer dieses literarisch ambitionierten Kreises waren insbesondere die Brüder Werner und August von Haxthausen, aber auch deren Schwestern Anna, Ludowine und Ferdinandine gehörten zu dieser Gemeinschaft. Die Dichter Heinrich Straube, August von Arnswaldt, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Luise Hensel schlossen sich um 1820 diesem Kreise an. Die Brüder Grimm sammelten in Ostwestfalen Märchen, Sagen und Volkslieder. Annette von Droste-Hülshoff erfuhr durch Erzählungen am Bökerhof und aus den Aufzeichnungen ihres Onkels August Franz von Haxthausen, der „Geschichte eines Algierer Sklaven“ (1808), von einem authentischen Kriminalfall aus dem Raum Bökendorf zum Ende des 18. Jahrhunderts, den sie in ihrer Novelle „Die Judenbuche“ (1842) literarisch verarbeitete. Der Bökerhof und somit auch Bökendorf waren die Ausgangspunkte langjähriger persönlich-literarischer Beziehungen.[3]
Weitere Informationen:


Mittwoch, 18. Dezember 2013

"Westfälische Sagen" von Heinz Rölleke

Von Ralf Keuper

Wer sich für Sagen aus Westfalen interessiert, kommt mit dem Buch Westfälische Sagen von Heinz Rölleke ganz auf seine/ihre Kosten. Rölleke ist einer der führenden Kenner der Welt der Sagen und Märchen in Deutschland. 

Im Klappentext heisst es u.a.: 
350 urwüchsige Geschichten, nach den jeweils ältesten Überlieferungen wiedergegeben und sorgfältig dokumentiert, machen diese Sammlung zu einem Sagen-Standardwerk. 
Vor wenigen Wochen hielt Rölleke in Wewelsburg (Kreis Paderborn) einen Vortrag über die Märchen der Brüder Grimm. 

Sonntag, 15. Dezember 2013

Westfälische Numismatiker und Münzsammlungen

Von Ralf Keuper

Die Einführung des Münzgeldes eröffnete dem wirtschaftlichen Treiben der Menschen neue Dimensionen. Als abstraktes Zahlungsmittel hatte es mehrere entscheidende Vorteile, wie seine Wertaufbewahrungsfunktion, seine Wertmess- und Recheneinheitsfunktion sowie seine soziale Funktion. 
Insofern sagt das Münzwesen viel über die sozialen und wirtschaftlichen Umstände einer Zeit aus, weshalb Historiker wie Jacques Le Goff in Das Geld im Mittelalter und Soziologen wie Georg Simmel in seinem epochalen Werk Die Philosophie des Geldes dem Thema große Aufmerksamkeit schenkten. 

Die Numismatik, auch Münzkunde genannt, widmet sich ganz der Beschäftigung mit dem Geld und seiner Geschichte. 

Zu den ersten Numismatikern Westfalens gehört Joseph Niesert. Er hinterließ eine beeindruckende Münzsammlung. 

Ein herausragender Numismatiker war Peter Berghaus, der an der Universität Münster lehrte. Bereits 1951 beschäftigte er sich mit den Währungsgrenzen des westfälischen Oberwesergebietes im Spätmittelalter. Weitere bekannte Numismatiker sind Peter IllischPeter Robert Franke und Dieter Salzmann

Unter den Sammlungen alter Münzen aus Westfalen ragen die Münzsammlung des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm  und die Sammlung Kennepohl hervor. 

In Münster werden seit 2006 die Tage der Antiken Numismatik ausgerichtet. Ebenfalls in Münster residiert der Verein der Münzfreunde für Westfalen und Nachbargebiete
In Dortmund findet alljährlich die Westfälische Münz- und Sammler-Börse statt. 

Der Wert des Geldes und einer Währung ist, wie uns derzeit bewusst wird, nicht von politischen Fragen zu trennen. Um diese Bedeutung bzw. Brisanz wusste bereits der preußische Generalmünzdirektor Christian Friedrich Goedeking. So heisst es in der Allgemeinen Deutschen Biographie: 
Goedekings Verdienst war auch die Einführung eines gut funktionierenden Münzsystems in Preußen 1821. Alles dieses wurde die Grundlage für die Zoll- und Münzvereinsverhandlungen in ganz Deutschland, deren erstes Ergebnis, den Münzverein von 1838 mit der Einheitsmünze des Doppeltalers, Goedeking noch erlebte. Sein besonderes Verdienst lag darin, daß durch sein erfolgreiches Wirken im 19. Jahrhundert endlich eine deutsche Münzeinheit durchgeführt werden konnte.
Weitere Informationen:

Samstag, 14. Dezember 2013

Das Buch zum Lobe Westfalens des alten Sachsenlandes (Werner Rolevinck)

Von Ralf Keuper

Das Buch zum Lobe Westfalens, häufig auch verkürzt Westfalenlob genannt, von Werner Rolevinck ist die älteste Kulturgeschichte einer deutschen Landschaft. Rolevinck, der aus dem münsterländischen Laer stammte,  verbrachte die meiste Zeit seines Lebens als Kartäusermönch in Köln. Er war ein für seine Zeit ausgesprochen produktiver Verfasser, vorwiegend theologischer, Schriften. Auslöser für das Buch zum Lobe Westfalens war nach Aussage Rolevincks, das, wie man heute sagen würde, schlechte Image Westfalens im 15. Jahrhundert. Rolevinck sah sich daher genötigt, mit bestimmten Stereotypen aufzuräumen, jedoch nicht ohne seinerseits neue hinzuzufügen. 

Trotzdem handelt es sich bei dem Buch keinesfalls um bloße Lobhudelei. Rolevinck verfügte, gemessen an seiner Zeit, über ein recht differenziertes Bild der Zustände in Deutschland während des 15. Jahrhunderts. Das größte Problem Westfalens zu jener Zeit war, dass viele Bewohner gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, um anderswo ihr Glück zu versuchen. Daher konnte man Westfalen von Gotland bis nach Italien antreffen. Viele von ihnen wurden geachtete Bürger in ihrer neuen Heimat. Seiner Ansicht nach war es die Pflicht jedes Westfalen, sich fern der Heimat ganz zum Wohle des Gemeinwesens einzusetzen. Ein Phänomen, das man noch immer beobachten kann. So tauft Rolevinck ein Kapitel im Westfalenlob mit der Überschrift: Die hohe Sendung der Westfalen in der Welt. Die ersten Sätze lauten:
Wenn ich von der großen Rechtschaffenheit der Westfalen und ihrer in aller Welt bewährten Tüchtigkeit schreiben soll, weiß ich kaum, was ich zuerst erzählen soll. Das Beste wird sein, nach dem Vorbild anderer, zunächst die sprichwörtlich westfälische Treue hervorzuheben. Von meinen Kinderjahren an hörte ich nämlich immer und immer wieder von anderen Völkern den Aussprach: "Oh du treuer Westfale!".
Bis in unsere Zeit hinein kursiert der Spruch: Westfalen halten, was andere versprechen. 

Obschon Westfalen zu jener Zeit über keine eigene Universität verfügte, kannte der Bildungshunger der Westfalen keine geografischen und fachlichen Grenzen. 

Tatsächlich war es so, dass viele namhafte Forscher im Mittelalter aus Westfalen stammten, wie der erste regens doctor der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, Hermann von Höxter. Weitere Forscher des Mittelalters aus Westfalen waren u.a. Otto Tachenius, Johannes Wesling, David Gans, Johannes Althusius, Gobelin Person, Dietrich von Nieheim und Tilemann Stella. Aber auch in Westfalen wirkten einige herausragende Gelehrte, wie Reinher von Paderborn an der Domschule Paderborn. 

Ein weiteres Kapitel berichtet von der Zähigkeit und Ausdauer der Westfalen, ein anderes von der Verwandtschaft Westfalens mit anderen Ländern, wobei er auch hier nicht mit Lob spart. Der Lobgesang ist zumindest nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, wie u.a. die Beispiele der Westfälischen Kaufleute der Hanse und der Westfälischen Ordensritter und Landmeister zeigen. Später kamen, wie in anderen Regionen Deutschlands auch, die Auswanderer in die Neue Welt hinzu, worüber man sich auf Amerikanetz vollumfänglich informieren kann. 

Das Buch enthält im weiteren Verlauf einige Lebensweisheiten und philosophische Gedanken, die auch heute noch lesenswert sind. 
Natürlich ist das Buch nicht frei von Verzerrungen und Glorifizierungen, insbesondere was die Rolle der Kirche betrifft. Jedoch ist es für seine Zeit ein ausgesprochen informatives und gut lesbares Werk, welches das Wesen der Landschaft und ihrer Bewohner an einigen Stellen nach wie vor erstaunlich realitätsnah beschreibt. Kurzum: Die Lektüre lohnt noch immer - nicht nur für Westfalen. 

Freitag, 6. Dezember 2013

Westfälische Forst- und Agrarwissenschaftler/Ökologen

Von Ralf Keuper

Die Forst- und Agrarwissenschaft hat, beflügelt durch das wachsende Interesse an Fragen der Ökologie, in den letzten Jahrzehnten einen Aufschwung erlebt. Spätestens mit dem Bericht des Club of Rome stehen die Themen Rohstoffverknappung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda der internationalen Politik. Das Modewort der Nachhaltigkeit, das heute in vielen Zusammenhängen gebraucht wird, stammt von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz. 

Große Teile Westfalens sind noch heute Agrarflächen, die Waldbestände im Sauer- und Siegerland zählen zu den größten Deutschlands. Mit ca. 13.000 ha Fläche verfügt die Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg über den größten privaten Forstbetrieb in Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist der waldreichste Landreis Deutschlands, der Naturpark Rothaargebirge ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. 

Gute Voraussetzungen also für Forscher mit einem ausgeprägten Interesse für die Tier- und Pflanzenwelt. 

Bernhard Danckelmann war u.a Mitbegründer und zeitweiliger Vorsitzender des Deutschen Forstvereins. Er war langjähriger Leiter der Forstakadamie Eberswalde, die er grundlegend reformierte. 
Eine herausragender Lehrer und Forscher auf dem Gebiet des Pflanzenbaus war Kord Baeumer. Sein Lehrbuch Allgemeiner Pflanzenbau ist bereits ein Klassiker. Einer der Väter der Landschaftsökologie in Deutschland ist der gebürtig aus Datteln stammende Wolfgang Haber. Erwin Welte war geistiger Vater der Agrikulturchemie. 
Edmund Löns, jüngerer Bruder des Heide-Dichters Hermann Löns, war ein bekannter Forstmann und Züchter. Er stand lange Zeit in den Diensten der Familie Brenninkmeyer. Sein Interesse für die Zoologie wurde von Hermann Landois gefördert. 
Aus der bereits erwähnten ungewöhnlich waldreichen Region Siegen-Wittgenstein stammte der Agrarwissenschaftler Adolf Krämer

Einer der vielseitigsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts war Emil Werth. Wie kaum ein anderer verkörperte er die heute so stark propagierte Interdisziplinarität in der Wissenschaft. Seine ausgedehnten Forschungsreisen führten ihn bis nach Sansibar. Lore Steubing wurde für ihre Forschungen im Bereich der Pflanzenökologie mehrfach ausgezeichnet. Zu den herausragenden Fachvertretern auf dem Gebiet der Angewandten Genetik und Pflanzenzüchtung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte F. Wolfgang Schnell

Der ehemalige Fleischfabrikant Karl Ludwig Schweisfurt hat sich nach dem Verkauf seines Unternehmens Herta, zum Zeitpunkt des Verkaufs der größte fleischverarbeitende Betrieb Europas, ganz der ökologischen Lebensmittelherstellung zugewandt. 

Weitere:

Rüdiger Wittig

Karl Dickel

Hermann-Josef Rapp

Emil Woermann

Angelika Schwabe-Kratochwil

Joachim von Braun

August Franz von Haxthausen

Paul Rintelen

Julius Wortmann

Friedrich Griepenkerl

Freitag, 29. November 2013

Johann Georg Hamann - Magus des Nordens

Von Ralf Keuper

Lange Zeit galt Johann Georg Hamann als Irrlicht unter den deutschen Denkern. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Blick gewandelt. Seitdem stehen die häufig sprunghaften und nicht immer leicht zugänglichen Gedankengänge Hamanns in dem Ruf, zu einem bessern Verständnis einiger Entwicklungen der modernen Gesellschaft beitragen zu können, wie in Fragen des Glaubens und der Naturwissenschaft. Erwin Chargaff, der scharfzüngige Kritiker der modernen Naturwissenschaften bzw. der Genforschung, berief sich immer wieder auf Hamann:
Es ist natürlich nicht ungefährlich, einen alten Denker als Kronzeugen anzurufen gegen eine Richtung, welche die Wissenschaft unserer Tage eingeschlagen hat. Dennoch möchte ich sagen, dass es so etwas gibt wie eine umgekehrte Vogelperspektive: aus der fernen Distanz der Vergangenheit lässt sich unsere Gegenwart mit klareren Augen erblicken. (in: Warnungstafeln. Die Vergangenheit spricht zur Gegenwart)
Von Hamanns Denken beeinflusst, ja beeindruckt waren neben Dichtern wie Herder, Goethe und Ernst Jünger auch Philosophen wie Schelling und KierkegaardHegel dagegen tat sich, was nicht verwundert, schwer mit Hamanns Denken und Stil, während Wilhelm Dilthey dagegen schon aufgeschlossener war.

Der Philosophie seines Gönners Immanuel Kant stand Hamann kritisch gegenüber. Zu sehr vertraue Kant auf das Vermögen des abstrakten, reinen Denkens und vernachlässige dabei den Wert der Sprache:
Kant hat das Wort vergessen, ein Purismus der Vernunft von der Sprache aber ist unmöglich. Wer nicht in die Gebärmutter der Sprache, welche die Deipara [Gottesgebärerin] unserer Vernunft ist, eingeht, ist nicht geschickt zur Geistestaufe einer Kirchen- und Staatsreformation.
Martin Seils hat die Besonderheiten im Denken Hammans in seinem Buch Wirklichkeit und Wort bei Johann Georg Hamann besonders eindrücklich herausgearbeitet. (Vgl. dazu: Golgotha und Schiblimini)

Seine letzte irdische Zuflucht fand Hamann bei der Fürstin von Gallitzin, die mit dem Kreis von Münster einen Salon unterhielt, ähnlich dem berühmten der Rahel Varnhagen
Jedenfalls war der Kreis von Münster so bekannt, dass neben Hamann auch Goethe den weiten Weg nach Westfalen auf sich nahm. Goethe u.a. auch, um das Grab Hamanns zu besuchen. Hamanns letzte Stunden hielt die Fürstin von Gallitzin in ihrem Tagebuch fest. Seine letzte Ruhestätte fand Hamann in ihrem Garten. 

Friedrich Leopold zu Stolberg gibt dazu folgende Schilderung:
Im Garten der Fürstin liegt Hamann begraben. Inschrift und Urne bezeichnen die Ruhestätte des tiefen Denkers, dessen Geist sich oft aus Adlerschwingen poetischer Kraft erhob und in Gewölken sich verlor, wohin nur der schärfste Blick, und auch nicht der immer, ihm nachsieht. Mit einem Mann von seinem Geist, seinem Herzen, musste die Gallitzin sympathisieren. Beider kindliche Einfalt, im echt evangelischen Sinne, heiligte ihre Freundschaft und hob den protestantischen Weisen sowohl als die eifrige Katholikin über ihre ängstliche Bedenklichkeit ihres verschiedenen Bekenntnisses. (Besuch in Münster, in: Westfälisches Hausbuch)
In Münster hält man sein Andenken daher auch heute noch wach, wie mit den Magus-Tagen. In diesem Jahr erhielt der Berliner Philosoph Wilhelm Schmidt-Biggemann den Hamann-Forschungspreis. 

Samstag, 23. November 2013

Westfälische Kunstwerke und Kunstschätze

Von Ralf Keuper

Über die Jahrhunderte sind in Westfalen zahlreiche Kunstwerke und Kunstschätze von hohem Rang entstanden. 

Das älteste in Westfalen entstandene Kunstwerk sind die Karolingischen Malereien im Kloster Corvey
Gegen Mitte des 11. Jahrhunderts wurde in Paderborn die Imad-Madonna, ein Hauptwerk der ottonischen Kunst erschaffen. Als einer der größten Kunstschätze der Romanik in Deutschland gilt in Fachkreisen das Mindener Kreuz. Um dieselbe Zeit entstand das Bockhorster Triumphkreuz. Aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt das Soester Antependium, das älteste überlieferte Tafelbild des deutschen Sprachraums. Ebenfalls in Soest kann man in der Wiesenkirche das Westfälische Abendmahl bewundern, das um 1500 entstand. Der Beckumer Prudentia-Schrein aus dem 13. Jahrhundert ist ein Höhepunkt der Goldschmiedekunst nicht nur Westfalens. Ein Meisterwerk der Spätgotik ist der Marienaltar in Dortmund aus der Hand von Conrad von Soest
Der Cappenberger Barbarossakopf gilt als die erste unabhängige Porträtdarstellung der abendländischen Kunst seit der Zeit der Karolinger. 

Die Skulpturen von Heinrich Brabender sind weit über Westfalen und Norddeutschland verstreut. Das von Hermann tom Ring stammende Portrait der Familie Rietberg ist ein Meisterwerk der Malerei des Mittelalters. Hauptsächlich in Westfalen gewirkt haben die Kupferstecher Heinrich Aldegrever und Israhel van Meckenem.  

Viele aus Westfalen stammende Künstler haben fern der Heimat gewirkt wie Meister Bertram, Hinrik Funhof, Peter Lely, Caspar von Zumbusch und Erhart Küng.   

Daneben wäre noch über weitere Kunstwerke und Kunstschätze zu berichten, was an dieser Stelle aber zu weit führen würde. Hierfür sei auf das Buch 100 Meisterwerke westfälischer Kunst verwiesen. 

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Scheibenfibel