Donnerstag, 28. Februar 2013

Bilderbuch Deutschland: Paderborn - Lob der Provinz

Ein Filmbeitrag aus der Serie Bilderbuch Deutschland berichtet über Paderborn. Darin kommen die "üblichen Verdächtigen" wie  Karl der Große, Erzbischof Becker, Kleinkünstler Erwin Grosche, Libori und das Schützenfest vor. Aber auch die jüngere Vergangenheit ist mit der Universität Paderborn und dem weltweit größten Computermuseum vertreten. Alles in allem ein facettenreiches Bild einer alten und modernen Stadt, die weit mehr als nur katholisch und konservativ ist. 
Neueste Attraktion ist die Zukunftsmeile Fürstenallee

Wunderschön! Moderatorin Tamina Kallert streift mit Bernd Gieseking durch seine Heimatstadt Minden

Der Kabarettist Bernd Gieseking auf Streifzug mit Tamina Kallert durch seine Heimatstadt Minden. 


Angesprochen auf das preußische Erbe Mindens sagt Gieseking:
Der Mindener ist ein pflichtbewusster Anarchist
Als bedeutendste Persönlichkeit der Stadt Minden, die daran wahrlich nicht arm ist, nennt er Franz Boas, über den er auch ein Buch geschrieben hat. 

Dienstag, 26. Februar 2013

Logistikland Westfalen

Von Ralf Keuper

Die Logistik zählt zu den wichtigsten Branchen Deutschlands, was auch der zentralen Lage in Europa zu verdanken ist. Deutschland gilt als typisches Transitland. Das trifft in besonderer Weise auf Westfalen zu. 
Die Logistik teilt sich in verschiedene Bereiche auf. Die eher klassische Logistik mittels LKW, Bahn, Schiff und Flugzeug ist zwar nach wie vor von großer Bedeutung, deckt das Spektrum jedoch nur noch zum Teil ab. Daneben sind es die eher neuen Erscheinungen wie Kontraktlogistik, die Intralogistik bis hin zur Informationslogistik, die das Bild gewandelt haben.  Die Logistik ist damit nicht mehr nur an materielle Güter gebunden, sondern bezieht in immer größeren Umfang immaterielle Faktoren, wie Informationsflüsse mit ein.

Als Pionier im Bereich der Kontraktlogistik gilt die Fiege-Gruppe aus Greven. 
Die Nagel-Gruppe aus Versmold hat sich dagegen auf die temperaturgeführte Logstik, sprich Kühltransporte, spezialisiert. Ebenso wie Fiege hat Nagel seine Angebotspalette indes um weitere Bereiche ergänzt: "Nagel sieht sich als Komplettanbieter für seine Kunden: Neben der klassischen Stückgutdistribution, bei der  mehr als 95.000 Sendungen täglich ausgeliefert werden, bietet die Gruppe Handels- und Beschaffungslogistik, Ladungsverkehre, Kontraktlogistik sowie Tiefkühllogistik an." 
Eine besonders dynamische Entwicklung in den letzten Jahren verzeichnet die Duvenbeck-Gruppe aus Bocholt. Dabei setzt das Unternehmen, wie der Firmen-Slogan "The Culture Of Logistics" verdeutlichen soll, auf den Begriff der Kultur als Unterscheidungsmerkmal. So ist Duvenbeck auch im Beratungs- und IT-Geschäft engagiert. Erst kürzlich wurde der 1.000 LKW angeschafft.

Der mit Abstand größte Logistikdienstleister Westfalens ist die Bertelsmann-Tochter arvato

Ein weiterer Global Player mit breiter Angebotspalette ist die Rethmann-Tochter Rhenus in Holzwickede bei Dortmund. 

"Einer der größten europäischen Transporteure im Luftfrachtersatzverkehr" so bezeichnet sich Georgi Transporte aus Burbach im Kreis Siegen-Wittgenstein. 

Dortmund und Hamm sind, begünstigt durch ihre geographische Lage, die beiden führenden Logistik-Standorte in Westfalen. Der Logistik-Standort Dortmund verfügt sogar über eine eigene Homepage.

In Werne (Kreis Unna) errichtete Amazon ein großes Logistikzentrum. Spätestens seit den Vorkommnissen Ende 2011 , ganz zu schweigen von den aktuellen Vorwürfen, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt .

Die zweitgrößte Reederei Deutschlands, Hamburg Süd, gehört bereits seit Jahrzehnten zur Oetker-Gruppe in Bielefeld. Übrigens gehörte die seinerzeit größte Privat-Reederei der Welt ebenfalls einem gebürtigen Bielefelder - Carl Woermann.

Die Intralogistik hat in den letzten Jahren verstärkt auf sich aufmerksam gemacht. In Westfalen zählen SSI Schäfer aus Neunkirchen (Kreis Siegen-Wittgenstein) und die Beumer-Gruppe aus Beckum (Kreis Warendorf) weltweit zur Spitze.

Sonntag, 24. Februar 2013

Bartholomäuskapelle Paderborn - Älteste Hallenkirche Deutschlands



Ein Bruchsteinbau mit halbrunder Apsis, der die Funktion hatte, König und Kaiser als Raum zu dienen, wo sie sich vor dem Gottesdienst im Dom einkleiden konnten. Einzig für diese Zeremonie wurde die Bartholomäuskapelle ursprünglich gebaut. Die Architektur der Kapelle aus dem 11. Jahrhundert ist einzigartig. Es handelt sich um die erste vollständig gewölbte Hallenkirche mit der Technik der Hängekuppeln. Ein Sakralbau, der Leichtigkeit und Eleganz verstrahlt, und für den es kein Vorbild gibt. Entstanden aus der Begegnung byzantinischer und ottonischer Baumeister mit unvergleichlicher Akustik. 

Niklas Luhmann - Der Zettelkasten

Sein legendärer Zettelkasten war das wohl wichtigste "Werkzeug" für den Bielefelder Systemtheoretiker Niklas Luhmann. Soziologie hat für Luhmann die Aufgabe, eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie komplex die moderne Gesellschaft ist, bevor man hart und kritisch über sie urteilt. Der Theoretiker sieht mehr als die Menschen im praktischen leben. Wir brauchen daher mehr Theorie statt Moral. 

Weitere Informationen:

Der Zettelkasten von Niklas Luhmann. Der geheimnisvolle Streit um den Zettelkasten des Soziologen. 

Mittwoch, 20. Februar 2013

Forscher und Reisende: Die Eroberung Sibiriens (Gerhard Friedrich Müller und Johann Georg Gmelin)

Die sehenswerte Filmdokumentation Forscher und Reisende: Die Eroberung Sibiriens berichtet über die Eroberung Sibiriens durch zwei deutsche Wissenschaftler. Gerhard Friedrich Müller, aus Herford stammend, auch Vater der Sibirischen Geschichtsschreibung genannt, unternahm im 18. Jahrhundert zusammen mit dem gebürtigen Tübinger, Johann Georg Gmelin, im Auftrag der Zarin Anna Iwanowa eine Forschungsreise durch Sibirien, das damals noch so gut wie unerschlossen war. 

Den Forschungen von Müller und Gmelin ist es zu danken, dass Sibirien, der "8. Kontinent", ins Bewusstsein der russischen und europäischen Öffentlichkeit  rückte. Während Müller Landkarten zeichnete, die noch Generationen nach ihm Orientierung boten, fertigte Gmelin, beide mit Unterstützung von Illustratoren, eine Übersicht der sibirischen Flora an, die ebenfalls Maßstäbe setzte. Der Film spricht zu Beginn nicht zu Unrecht auch von der größten Landnahme der Menschheit. 

Die Filmdokumentation gibt einen Einblick in die Arbeit und die Strapazen, die beide Forscher und ihre Helfer zu überstehen hatten. In Deutschland fast völlig vergessen, hält man in Sibirien das Andenken an Müller und Gmelin in Ehren - zu Recht. 


Freitag, 15. Februar 2013

Josef Wirmer (1901-1944)

Josef Wirmer hat auch noch unter den wüsten und verunglimpfenden Beschimpfungen des damaligen sog. Präsidenten des Volksgerichtshofs, Roland Freisler und im Anblick des sicheren Todes eine wahrlich heroische Haltung bewiesen, die darin gipfelte, dass er Freisler für einen Moment zum Schweigen brachte. 


Heliand, Lord's Prayer - Old Saxon



Das altsächsische Großepos Heliand, das in Fulda, im Kloster Corvey bei Höxter oder im Kloster Werden an der Ruhr entstanden sein soll, gilt als eines der bedeutendsten Frühwerke deutscher Literatur überhaupt. Es richtete sich an Leser im Raum Westfalen. Sprachlich interessant ist das Werk nicht zuletzt auch wegen der Einflüsse der angelsächsischen Schreibtradition, wie sie durch das Video zum Ausdruck kommen. 

Mittwoch, 13. Februar 2013

Westfälische Mediziner

Von Ralf Keuper

Der Chirurg von der Weser, der vor allem in Corvey gewirkt hat, gilt als der bedeutendste Chirurg des Hochmittelalters in Deutschland.
Hermann von Höxter war erster regens doctor der medzinischen Fakultät der 1386 gegründeten Universität von Heidelberg. 
Im 17. Jahrhundert machte sich Johannes Wesling in Padua von sich reden, wo er an der dortigen Universität die vergleichende Anatomie und Embryologie begründete. Johannes Gigas war nicht nur Kartograph und Mathematiker, sondern auch Leibarzt des Kurfürsten Ferdinand I. von Bayern. Leibarzt eines venezianischen Dogen war Johann Conrad Barchusen. "Seine eigentliche Bedeutung liegt aber darin, dass er einer der ersten Vertreter des universitären Lehrfaches Chemie war, das bis dahin als Teilgebiet der Medizin aufgefasst wurde" (Wikipedia). Johann Bernhard Varnhagen war Leibmedicus von König Gustav Adolf II. und Christina I. von Schweden. Ferdinand von Ritgen hat sich vor allem um die Geburtskunde verdient gemacht. Abraham Jacobi gilt als der Begründer der Kinderheilkunde. Er eröffnete das erste Kinderkrankenhaus der USA. (Wikipedia). August Gärtner wurde als Verfasser der "Wassers-Bibel" bekannt. Das wichtigste Arzneibuch des 17. Jahrhunderts, den "Artzney-Schatz", verfasste Johann Schröder. Ein Pionier der Endokrinologie ist Arnold Adolf Berthold
Leonhard Ludwig Finke war der erste, der eine medizinische Geografie der Menschheit verfasste.

Ein berühmter Neurologe war Hermann OppenheimFriedrich Daniel von Recklinghausen hat wegweisende Forschungen in der Entzündungslehre durchgeführt, die u.a. zur Entdeckung der Wanderzellen und der Neurofibromatose Typ 1, auch Morbus Recklinghausen genannt, führten. 

Friedrich Hofmann erfand den Ohrenspiegel. 

Als Gerechter unter den Völkern wurde posthum der Chirurg Rudolf Bertram geehrt.

Willibald Pschyrembel ist der Namensgeber des Medizinischen Wörterbuchs, das in der Medizin eine ähnliche Bedeutung erlangt hat wie der Duden für die Sprache. Das Werk Anatomie des Menschen von Anton Johannes Waldeyer, Neffe des Anatomen Heinrich Wilhelm Waldeyer,  aus dem Jahr 1942 ist mittlerweile ein Standardwerk. Harald zu Hausen, geboren in Gelsenkirchen, erhielt im Jahr 2008 für seine Beiträge zur Krebsforschung den Nobelpreis für Medizin. 

Weitere Mediziner:












Dienstag, 12. Februar 2013

Eugen Schmalenbach - Begründer der Betriebswirtschaftslehre (Filmportrait)

Von Ralf Keuper

Eugen Schmalenbach, geboren 1873 in Halver im märkischen Sauerland, Erfinder der dynamischen Bilanz, des Kontenrahmens und des Profit Center - Prinzips hat die Betriebswirtschaftslehre, nicht nur in Deutschland, wie kaum ein anderer geprägt. Wegen seiner Verdienste um die Rechnungslegung gilt er darüber hinaus als "Vater" der Wirtschaftsprüfer. Dabei hat Schmalenbach, der über Jahrzehnte an der Handelshochschule Köln lehrte, weder promoviert noch habilitiert.

Die Idee, ein Studium aufzunehmen, kam ihm, als er im väterlichen Betrieb im märkischen Sauerland beschäftigt, große Defizite in der Buchhaltung feststellte, die keine exakte Zurechnung der Kosten kannte - ein generelles Problem der Buchhaltung der damaligen Zeit. Als dann in Leipzig die erste Handelshochschule Deutschlands ihre Tore öffnete, nahm Schmalenbach gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Vaters und ohne dessen Unterstützung das Studium auf. Dort entwickelte er bereits die theoretischen Grundzüge seiner Betriebslehre, die er als ernannter Professor an der Handelshochschule zu Köln ausbaute. Während seiner Zeit in Leipzig lernte er auch seine spätere Frau, die jüdischen Glaubens war, kennen, was zum endgültigen Bruch mit seinem Vater führte. In Köln entfaltete er eine ungewöhnliche Produktivität, die dazu führte, dass er mehrere Grundlagenwerke schuf, die seinen Ruf als Begründer der Betriebswirtschaftslehre festigten. Zur Erholung und zum Abschalten zog er sich immer wieder in sein Landhaus in Halver zurück. Bereits im Jahr 1925 warnte er in einer Rede, die für großes öffentliches Aufsehen sorgte, vor dem Ende der Marktwirtschaft und des Kapitalismus. 

Mit der Machübernahme der Nazis im Jahr 1933 zog sich Schmalenbach von allen seinen Ämtern und aus der Öffentlichkeit zurück, um seine Frau und sich nicht unnötig zu gefährden, was jedoch nur leidlich gelang. So stellte die Uni Köln ihre Zahlungen auf Druck des Nazi-Regimes ein. Als die Gefahr zunahm, flüchteten die Schmalenbachs zu einem seiner ehemaligen Assistenten nach Bad Godesberg, immer von der Angst vor der Deportation begleitet. Anders als viele andere Prominente seiner Zeit, hat Schmalenbach die Ehe mit seiner Frau nie aufgelöst oder auch sonst nur den geringsten Zweifel daran aufkommen lassen. Etwas, was seine ehemaligen Schüler zu Recht an ihrem Lehrer würdigen und was zudem zeigt, was gerade heute immer wieder und gerne übersehen wird, dass auch Ökonomen Haltung haben können. 

Unmittelbar nach dem Ende des Krieges nahm Schmalenbach seine Lehrtätigkeit an der Uni Köln wieder auf. Noch zu seinen Lebzeiten wurde die Schmalenbach-Vereinigung gegründet, aus der später die heutige Schmalenbach-Gesellschaft hervorgingDaneben schuf Schmalenbach das erste und noch heute führende Publikationsorgan der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland - die Zeitschrift für Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis.
Im Jahr 1955 starb Schmalenbach an Herzversagen nach einem erfüllten Leben im Alter von 82 Jahren.  




Samstag, 9. Februar 2013

Westfälische Verleger und Verlage

Von Ralf Keuper

Die Anzahl bedeutender Verleger und Verlage aus Westfalen bzw. mit westfälischen Wurzeln ist bemerkenswert. 
Zählt man die Buchdrucker zur Regie der Verleger, ist Johann van Gehlen so etwas wie ihr Ahnherr in Westfalen. Weitere Buchdrucker mit verlegerischer Ader waren Johann von Westfalen und Matthäus Pontanus. Nicolaus van Deer, der vom Stammhaus Zum Springbon der Michaelisbrüder in Münster nach Rostock kam, begründete dort im Jahr 1475 eine der ersten Druckereien im deutschsprachigen Raum. 

Die ersten Verleger Westfalens im heutigen Sinne waren wohl Friedrich Arnold Brockhaus, Arnold Andreas Mallinckrodt, Carl Bertelsmann, Johann Christoph Conrad Bruns und Ferdinand Schöningh

Die (wirtschaftlich) erfolgreichsten waren Reinhard Mohn, der sich übrigens nicht als Verleger, sondern als (Medien-) Unternehmer verstand, Gerd Bucerius, Gründer der Wochenzeitung "Die Zeit" und Georg von Holtzbrinck, Gründer der Holtzbrinck-Gruppe (Handelsblatt, Die Zeit, Wirtschaftswoche etc.) 

Verleger, die sich dagegen mehr der Literatur verschrieben hatten, waren Max Bruns, Gustav Kiepenheuer, Ferdinand Schöningh und mit Abstrichen Franz Cornelsen.  Als katholischer Zeitungs- und Buchverleger war Josef Habbel  in ganz Deutschland ein Begriff.  Georg D. Callwey gründete 1894 den Callwey Verlag

Der aus der Paderborner Verleger-Familie stammende Mitbegründer der Süddeutschen Zeitung, Franz Josef Schöningh, ist wegen seiner Vergangenheit während der NS-Zeit in die Kritik geraten.  

Ein weiterer Verleger aus unserer Zeit mit Bezug zu Westfalen ist der Zeitungs-Magnat und leidenschaftliche Anhänger der ökonomischen Gedanken von Milton Friedman, Dirk Ippen

Axel Diekmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Verlagsgruppe Passau. 

Die, wenn man so will, "Grand Dame" der westfälischen Verlagsszene war die ebenso resolute wie vermögende Anneliese Brost, Gesellschafterin der WAZ-Gruppe. 

Häufig unterschätzt, aber spätesten durch den Erfolg von "Landlust" bundesweit bekannt, ist der Landwirtschaftsverlag in Münster. Ebenfalls in Münster angesiedelt ist der Aschendorff-Verlag. Wegen seiner geschäftlichen Praktiken stand und steht das 1870 von den Brüdern Heinrich und Lambert Lensing gegründete Medienhaus Lensing aus Dortmund immer wieder in der Kritik.  Der 1768 gegründete Coppenrath Verlag aus Münster ist inzwischen eine feste Größe in der deutschen Jugend- und Kinderliteratur.  
"Europas größter Wassersportverlag" nennt sich Delius-Klasing aus Bielefeld. Ebenfalls in Bielefeld ansässig ist der wissenschaftliche Fachverlag transcript, dessen Schwerpunkte "in den Medien-, Sozial- und Kulturwissenschaften, in Geschichte und Philosophie sowie im Kultur- und Museumsmanagement" liegen. 

Im schwäbischen Gaildorf hält man die Erinnerung an Hans Kupczyk wach, dem die Stadt ihre Zeitung verdankt. Daneben war Kupczyk, der auch den Beinamen Farbenkönig trug, Herausgeber der Zeitschrift Farbe und Design

Der mit weitem Abstand größte Verlag Westfalens und derzeit sogar der Welt ist die zu Bertelsmann gehörende Randomhouse-Gruppe

Oscar von Forckenbeck gründete in Aachen das Internationale Zeitungsmuseum, das über die größte Zeitungssammlung der Welt verfügt. 

In Extertal verstarb der umstrittene Verleger Alfred Hugenberg

Weitere Verleger und Verlage:

Hermann Barckhusen

Johann Bergmann von Olpe

Friedrich Midellhauve

Carl Volckhausen

Norbert Beleke

Lieselotte Holzmeister

6. April 1848 - Gründung der Westfälischen Zeitung

Moritz Friedländer

Wilhelm Spemann

Heinrich Droste

Lambert Lensing

Jost Kalckhoven

Gottschalk Diedrich Baedeker

Jost Kalckhoven

August Klasing

August Velhagen

Buchdruckerei F. L. Wagener

Freitag, 8. Februar 2013

Westfälische Astronomen

Von Ralf Keuper

Westfalen haben der Astronomie einige wichtige Impulse gegeben. Der bekannteste dürfte Friedrich-Wilhelm Bessel sein, dessen größter astronomischer Erfolg die erste erfolgreiche Parallelaxenmessung zur Entfernungsmessung  eines Fixsterns war. Nach ihm wurden die Besselschen Elemente, ein Mondkrater und ein Asteroid benannt.  Nicht so bekannt, aber für seine Zeit vielseitig begabt, war David Gans, der persönlich Tycho Brahe und Johannes Kepler begegnet ist und in regem Austausch mit ihnen stand. Ebenfalls in Korrespondenz mit Tycho Brahe sowie mit Jost Bürgi stand Simon VI. zur Lippe

Walter Baade gilt als einer der bedeutendsten Astrophysiker des 20. Jahrhunderts. Friedrich Simon Archenhold ist der Gründer der ersten deutschen Volkssternwarte, der "Archenhold-Sternwarte". Wegen seiner Verdienste um die Astronomie wurde Eduard Heis u.a. in die Royal Astronomical Society in London aufgenommen. Nicht nur - aber auch - als Entdecker des Kometen C/1840 U1 hat Carl Bremiker ein Stück Astronomie-Geschichte geschrieben. Nach ihrem Entdecker Heinrich Kreutz wurde die Kreutz-Gruppe  benannt. 

Mit mehreren (internationalen) Preisen für seine Forschungen ausgezeichnet wurde Ludwig Biermann. Ihm zu Ehren wurde der Ludwig-Biermann-Förderpreis ins Leben gerufen. 

Ein herausragender Weltraumwissenschaftler war Frank Stadermann, der zuletzt an der Washington University in den USA lehrte.

Neben David Gans ragen aus der Zeit des Mittelalters noch Tilemann Stella und Caspar Vopelius hervor. 

In den letzten Jahren machten die Astrophysiker der Ruhr-Universität Bochum mit ihren Forschungen über Quasare international auf sich aufmerksam. Die Uni verfügt in Chile über die einzige Sternwarte der Welt, die mit regenerativer Energie betrieben wird

In Recklinghausen steht die Westfälische Volkssternwarte. Beliebt sind auch die Planetarien in Münster und Bochum. Weitere Volkssternwarten in Westfalen gibt es in Paderborn, Hagen, Ennepetal, Herne und Dortmund.   

Weitere Astronomen / Informationen:







Wilhelm Becker (Astronom)

Westfälische Theologen und Kleriker

Von Ralf Keuper

Mit Bischof Meinwerk von Paderborn, dessen Einfluss im Stadtbild noch heute präsent ist,  wird die katholische Kirche in Westfalen ein gewichtiger Machtfaktor. Durch die Reformation endete aber auch hierzulande die Vorherrschaft der katholischen Kirche. Einer der Wegbereiter war der auch in Westfalen aufkommende Humanismus, dessen bekannteste und einflussreichste Vertreter Alexander Hegius, einer der Lehrer des Erasmus von Rotterdam, Rudolf von Langen und Johannes Rivius waren. Von Erasmus von Rotterdam und Rudolf von Langen bewundert wurde Dietrich Coelde. Theologen wie der auch als "Reformator Westfalens" bezeichnete Hermann Hamelmann verhalfen der Reformation in unserer Region zum Durchbruch. In Lippe übernahmen diese Rolle Simon von Exter und Graf Bernhard III. . Ein weiterer wichtiger Reformator war Nikolaus Krage, der die meiste Zeit in Minden wirkte. 
Während der Zeit der Hexenprozesse gehörten Friedrich Spee von Langenfeld und Antonius Praetorius zu den wenigen Stimmen der Vernunft. Unter den Jesuiten ragen, neben Friedrich Spee, der Universalgelehrte Athanasius Kircher sowie Johann Ernst von Hanxleden und Vitus Georg Tönnemann hervor. Rötger Hundt ging als Märtyrer in die Kirchengeschichte ein. Heinrich von Köln war Gründer und erster Prior des Kölner Dominikanerkonvents. Bernhard Bischopinck wirkte als Missionar und Sprachwissenschaftler in Indien. Seine Priesterweihe erhielt Martin Luther im Erfurter Dom aus den Händen des hochangesehenen Weihbischofs und Theologen Johann Bonemilch. Leander van Eß trat als Übersetzer des alten und neuen Testaments hervor. Seiner intensiven Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus wegen, gilt Hugo Makibi Enomiya-Lassalle als Pionier des Zen für Christen. 

Die Erweckungsbewegung verdankt ihren Erfolg in Westfalen in hohem Maß Johann Heinrich Volkening. Der Name Friedrich von Bodelschwingh der Ältere ist eng mit den Bethelschen Anstalten in Bielefeld verbunden. "Die von ihm 1874 in Bethel (hebräisch: Haus Gottes) umbenannte Anstalt (inzwischen v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel) machte er zusammen mit dem Mutterhaus Sarepta und dem Bruderhaus Nazareth zu einer der bedeutendsten Einrichtungen der Inneren Mission". (Wikipedia) Ein bedeutender evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker war Johann Karl Ludwig Gieseler. Die hessische Kirchenordnung von 1657 trägt die Handschrift von Johannes Crocius. Anton Corvinus war niedersächsischer Reformator und Landessuperintendent im Fürstentum Calenberg-Göttingen. Martin Niemöller, in Lippstadt geborener evangelischer Theologe, war einer der entschiedensten Gegner seiner Kirche gegen den Nationalsozialismus. Zumindest in dieser Frage war er mit Kardinal Graf von Galen, dem "Löwen von Münster", weitgehend auf einer Linie. In Soest lebte und starb einer der wichtigsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts, Heinz ZahrntEiner der bis heute einflussreichsten amerikanischen Theologen (Präzeptor Amerikas) ist Reinhold Niebuhr, dessen Vater aus dem lippischen Lage stammte. 

Erster Abt des Klosters Corvey war der Karolinger Adalhard. Zusammen mit seinen direkten Nachfolgern WalaWarin I. und Adalgar sorgte er für die Verbreitung des Christentums in Nordwestdeutschland. Zu ihren bekanntesten Nachfolgern gehören Volkmar I,  Ludolf , Wibald von Stablo und Markward von Corvey. Der Heilige Waltger gründete in Herford das älteste Damenstift in Altsachsen. 

Unter den Frauen nehmen die Äbtissinnen des Frauenstifts Herford eine Sonderstellung ein. Zu den bekanntesten zählen Hedwig und Elisabeth von der Pfalz. Letztere stand in regem Gedankenaustausch mit René Descartes

Erster Rektor der Universität Köln und Kleriker war Hartlevus de Marca.

Die katholische Kirche wird heute in Westfalen durch das Erzbistum Paderborn und das Bistum Münster repräsentiert. Dabei hat sich Paderborn in den letzten Jahrzehnten den Ruf einer "Kaderschmiede für den Vatikan" erworben. 
Die Zahl katholischer Kleriker mit Paderborner Vergangenheit ist in der Tat beachtlich. Aus der Zeit des Mittelalters zählen dazu Altmann von Passau, ehemaliger Schüler und Leiter der Domschule Paderborn im 11. Jahrhundert,  der als Klostergründer, Bischof von Passau und als Heiliger in die Kirchengeschichte eingegangen ist. Weitere Bischöfe aus der Zeit mit Paderborner Wurzeln sind Oliver von PaderbornFriedrich I. (Münster) und Anno II.
Aus Marsberg stammte Ferdinand August von Spiegel, Erzbischof von Köln. Ebenfalls Erzbischof von Köln war Karl-Josef Schulte. Einen familiären Bezug zu Paderborn hatte  der Erzbischof von Chicago, George William Mundelein.
Der derzeit prominenteste Kleriker mit Paderborner Vergangenheit dürfte der Erzbischof von München, Kardinal Reinhard Marx sein. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ist Marx der mit Abstand einflussreichste Kleriker Deutschlands. Die Welt spricht gar vom "Europäischen Superbischof". Weitere Paderborner Kardinäle sind bzw. waren Lorenz Jäger, Franz Hengsbach, Johannes Joachim Degenhardt und Kurienkardinal Paul Josef Cordes, langjähriger Wohnungsnachbar und enger Vertrauter von Papst Benedikt XVI. Gleichfalls im Vatikan residiert Kurienbischof Clemens, lange Jahre persönlicher Sekretär von Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Bis nach Ozeanien trieb es Karl Hesse, emeritierter Erzbischof von Papua-Neuguinea. Damit trat er in gewisser Weise in die Fußstapfen von Heinrich Backhaus, den sein missionarischer Eifer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über Indien nach Australien zog. Norbert Strotmann ist seit 1996 erster Bischof des neugegründeten Bistums Chosica in Peru. 

Wo so viele hohe Würdenträger ihren Ausgang nehmen, wie in Paderborn, kann die Kritik nicht weit sein. So gilt Eugen Drewermann, um den es in den letzten Jahren merklich ruhiger geworden ist, zusammen mit Hans Küng und Karl-Heinz Deschner als der einflussreichste Kritiker der katholischen Kirche.
Weitere amtierende Bischöfe aus dem Erzbistum Paderborn sind der Bischof von Fulda, Algermissen, der Bischof von Speyer, Wiesemann und der Bischof von Osnabrück, Bode. Im Ruhestand befindet sich mittlerweile der ehemalige Bischof von Würzburg, Paul-Werner Scheele.

Clemens August Droste zu Vischering war als direkter Nachfolger des bereits erwähnten Ferdinand August von Spiegel , Erzbischof von Köln. Ebenfalls Erzbischof von Köln und Kardinal war Paul Melchers. Ein weiterer Erzbischof von Köln mit Münsteraner Wurzeln, war Felix Kardinal von Hartmann. Melchior von Diepenbrock aus Bocholt war Fürstbischof von Breslau und Kardinal. Aus dem Bistum Münster stammen weiterhin die Bischöfe von Trier, Spital, Limburg, Kamphaus, Hildesheim, Homeyer  sowie die amtierenden Bischöfe von Essen, Overbeck, und Hamburg, Werner Thissen
Von Hamburg bis München alles in westfälischer Hand ;-) 

Ein berühmter Forscher der jüdischen Religion war Leopold Zunz. Paul Spiegel war für mehrere Jahre Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. 

In Bielefeld residiert die Evangelische Landeskirche Westfalen. Seit 2011 steht mit Annette Kurschus zum ersten Mal eine Frau an der Spitze.

Weitere Theologen und Kleriker:

Hermann Alexander Roëll

Balthasar Menz der Ältere

Hermann Döring

Johannes Schallermann

Heinrich Klausing

Johann Moritz Schwager

Johannes Rosenthal

Theodor Fabricius

Melchior Cornäus

Rulemann Friedrich Eylert

Daniel Wilhelm Sommerwerck 

Johannes Gropper 

Theodor Lehmus

Dietrich Ebbracht

Heinrich von Werl 

Franz Hitze

Norbert Strotmann

Johannes Pollius

Gerhard von Berg

Johannes Dreyer

Missionsbischof Athanasius Klemens Wilhelm Götte

Hermann Busenbaum

Hermann Jürgens

Eberhard Hermann Röttger

Herbert Vorgrimler

Konrad VII. von Soest

Willi Marxsen

Walter Schmithals

Ernst Käsemann

Jochen Bohl

Hermann Dwerg

Heinrich von Werl

Gottfried de Hegghe

Hermann Serges

Johannes von Dorsten

Heinrich Vieter

Friedrich Deys

Zwei Theologen aus Westfalen

Donnerstag, 7. Februar 2013

Westfälische Revolutionäre des Vormärz

Von Ralf Keuper

Als Vormärz wird von vielen Historikern die Zeitspanne von 1830 bis 1848 bezeichnet. Während dieser Phase machten sich in  mehreren deutschen Landesteilen revolutionäre Gedanken breit, die die Einigung Deutschlands wie auch die Einführung der Demokratie zum Ziel hatten. Auch in Westfalen gab es eine Vielzahl, wie man heute sagen würde, politisch interessierer Personen und Intellektueller, die den Idealen der Französischen Revolution auch in Deutschland zum Sieg verhelfen wollten. Ferdinand Freiligrath trug den Beinamen "Trompeter der Revolution". Die fehlgeschlagene Revolution vom März 1848 führte dann dazu, dass viele Anhänger demokratischer Ideen Deutschland verlassen mussten. 

Während seiner Zeit in England machte Georg Weerth Bekanntschaft mit Karl Marx und Friedrich Engels, bevor er nach Havanna weiterzog, wo er später verstarb. Ebenfalls von revolutionären Gedanken getrieben war Hermann Kriege. Anders als Weerth wurde Kriege seine Begegnung mit Marx und Engels zum Verhängnis. Georg Bühren hielt das bewegte Leben Krieges in dem Roman Das Zirkular fest. Karl-Heinrich Brüggemann hielt auf dem legendären Hambacher Fest zwei flammende Reden für die Freiheit und Einheit Deutschlands. 

Friedrich Kapp ging 1848 als Journalist zur Nationalversammlung nach Frankfurt, wo er sich auch politisch auf Seiten der demokratischen-republikanischen Linken engagierte (Wikipedia). Wegen seiner Verstrickung in den sog. Septemberaufständen musste Kapp jedoch fliehen. Sein Weg führte bis in die USA, wo er sich in New York als Rechtsanwalt niederieß. In dieser Zeit wurde sein Sohn Wolfgang geboren, der als Anführer und Namensgeber des "Kapp-Putsches" zweifelhaften Ruhm erlangte. Zusammen mit Karl Marx, Friedrich Engels, Ferdinand Lassalle, Moses Hess und seiner Frau Mathilde Franziska Anneke gründete Fritz Anneke den Kölner Arbeiterverein, einen Vorläufer der SPD. In den Wirren nach 1848 floh Anneke mit seiner Frau nach Amerika, wo er Offizier wurde. Seine Frau stand ihm in ihrem revolutionären Eifer in nichts nach, ebenso wie sein Bruder Emil. Mathilde Franziska Anneke gilt als eine der führenden Gestalten der US-amerikanischen Frauenbewegung. Ebenfalls in die USA emigrierte Joseph Weydemeyer. Conrad von Rappard führte seine Flucht über mehrere Stationen in die Schweiz. 

Mit der Obrigkeit wegen seiner demokratischen Gesinnung in Konflikt geriet auch Franz von Löher, die im Jahr 1848 zu seiner Inhaftierung führte, aus der er jedoch bald wieder entlassen wurde. Karl Grün ist neben seiner Tätigkeit als Journalist und linksdemokratischer Politiker der Frankfurter Nationalversammlung in seiner Eigenschaft als Herausgeber der Werke von Ludwig Feuerbach bekannt geworden.

Weitere:

Alexander Friedländer

Caspar Butz

Carl Volckhausen

Weitere Informationen: