Sonntag, 28. Dezember 2014

Westfalen - einige Gründe, dieses Land zu lieben

Von Ralf Keuper

Im kommenden Jahr feiert die Provinz Westfalen ihren 200. Geburtstag. Die Welt am Sonntag nahm dies zum Anlass, 15 Gründe anzuführen, weshalb man Westfalen lieben müsse. Gegen die Aufzählung ist an sich nichts einzuwenden; jedoch ist sie, wie bei einer journalistischen Sichtweise nicht unüblich, von Stereotypen und einigen Verzerrungen geprägt, weshalb ich an dieser Stelle meine persönliche "Bestenliste" präsentieren möchte, ohne nun meinerseits den Anspruch auf Vollständigkeit oder Ausgewogenheit zu erheben.

Arminius - Befreier Germaniens und die Schlacht am Teutoburger Wald 

Wohl kaum ein Ereignis hat den Lauf der (deutschen) Geschichte so beeinflusst wie die Schlacht am Teutoburger Wald, in welcher der Cherusker-Fürst Arminius drei römische Legionen in einen Hinterhalt lockte und sie vollständig auslöschte. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bezeichnete Arminius nicht umsonst als den "Befreier Germaniens". In der Nähe von Detmold wurde zu Ehren des Arminius das Hermanns-Denkmal errichtet. 

Widukind - härtester Widersacher Karls des Großen

Der Grund dafür, weshalb die Christianisierung im alten Sachsen, wozu weite Teile des heutigen Westfalens zählen, deutlich später als in den anderen deutschen Regionen vollzogen wurde, liegt an dem erbitterten Widerstand des Sachsenherzogs Widukind. Erst nach einigen Feldzügen gelang es Karl dem Großen in den Sachsenkriegen Widukind zu bezwingen und zum christlichen Glauben zu bekehren. Aus dieser Zeit stammt auch das sächsische Taufgelöbnis

Heliand - Old Saxon Prayer

Das altsächsische Großepos Heliand, das vermutlich in Corvey entstand, gilt als das bedeutendste Frühwerk deutsche Literatur. 

Westfälischer Friede / Westfälisches Staatensystem

Mit dem Westfälischen Frieden endete der Dreißigjährige Krieg. Zugleich veränderte der Vertragsschluss die Landkarte Europas mit Auswirkungen, die noch bis heute reichen, wie in dem sog. Westfälischen Staatensystem.

Westfälische Kunstwerke und Kunstschätze

In Westfalen und von Westfalen sind über die Jahrhunderte zahlreiche Kunstwerke von hohem Wert entstanden, wie die karlolingischen Malereien im Kloster Corvey, das Mindener Kreuz oder das Bockhorster Triumpfkreuz. 

Pumpernickel 

Wohl kaum ein Nahrungsmittel ist so eng mit Westfalen verbunden wie das Schwarze Brot der Westfalen - der Pumpernickel

Westfälischer Schinken

Was für den Pumpernickel zutrifft, gilt auch für den Westfälischen Schinken. Ende vergangenen Jahres wurde der Westfälische Knochenschinken in das europäische Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten geografischen Angaben eingetragen.

Westfälisches Bier- und Brauwesen

Das Bierbrauen hat in Westfalen eine lange Tradition, die bis in die heutige Zeit reicht. Dortmund war gegen Mitte des 20. Jahrhunderts Europas Bierstadt Nr. 1. Die größten Privatbrauereien Deutschland, wie Veltins, Krombacher und Warsteiner haben ihren Sitz in Westfalen. 

Westfälischer Humor

Er mag trocken sein, verfehlt aber selten seine Wirkung: Der westfälische Humor. Auffallend viele Satiriker, Kabarettisten und Comedians, wie Rüdiger Hoffmann, stammen aus Westfalen

Westfalen - Land des Pferdes

Das Pferd hat in Westfalen einen besonderen Stellenwert. Nicht nur deshalb ist das Westfalen- oder Sachsenross das Wappentier Westfalens. Heute ist Westfalen die wohl unbestrittene Hochburg des Pferdesports in Deutschland mit seiner Metropole Warendorf. 

Die Hanse 

Die Hanse und Westfalen gehören eng zusammen. Dafür spricht neben der hohen Anzahl der Hansestädte in Westfalen auch die Riege der westfälischen Kaufleute der Hanse

Design-Hochburg Westfalen

Westfälische Produkte werden über alle Produktkategorien hinweg mit Design-Preisen ausgezeichnet

Wirtschaftsregion Westfalen

So vielfältig wie das Land, so ist auch die Wirtschaft in Westfalen. Die Region Südwestfalen ist die drittgrößte Industrieregion Deutschlands, Ostwestfalen-Lippe Deutschlands Hochburg der Möbelherstellung, des Maschinenbaus (nach der Region Stuttgart) und der elektronischen Verbindungstechnik (Weltmarktanteil 75%), das Münsterland mit einer gesunden Wirtschaftsstruktur und der Dienstleistungsmetropole Münster und das gebeutelte (westfälische) Ruhrgebiet mit seiner Metropole Dortmund.

Sport in Westfalen

Neben dem Pferdesport hat in Westfalen der Fussball eine herausragende Bedeutung. Vereine wie Borussia Dortmund und Schalke 04 sprechen für sich. Aber auch sonst hat die Sportlandschaft Westfalens einige Highlights zu bieten.

Die Menschen in Westfalen 

Westfalen und Westfälinnen haben in den verschiedensten gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen große Leistungen vollbracht. Beispielhaft dafür stehen einige herausragende Persönlichkeiten

Datenverarbeitung und Informatik in Westfalen

Die Datenverarbeitung in Westfalen reicht bereits in das 10. Jahrhundert zurück und geht über die Gründung des ersten Softwarehauses Europas bis zum weltweit größten Computermuseum in Paderborn.

Westfalen - Land der Burgen und Schlösser

Westfalen ist wohl "das" Land der Burgen und Schlösser in Deutschland. Die Zahl der Schlösser, Burgen und Adelssitze ist beeindruckend. In Westfalen hat es sogar die meisten Schlösser in Europa gegeben. 

Westfälische Mundart - Plattdeutsch

Das Plattdeutsche gehört, wenngleich die Zahl derer, die es beherrschen über die Jahre deutlich geringer geworden ist, fest zur Kultur Westfalens. Mittlerweile nimmt das Interesse am Plattdeutsch wieder zu. 

Westfälische Bau- und Naturdenkmäler

Zu den markantesten und bekanntesten Bau- und Naturdenkmälern Westfalens zählen der wohl zu den schönsten innerstädtischen Marktplätzen der Welt zählende Prinzipalmarkt in Münster, die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg, das Westfälische Freilichtmuseum in Detmold, der St. Patrokli Dom zu Soest, die Wiesenkirche in Soest, die Kaiserpfalz in Paderborn, das Weltkulturerbe Kloster Corvey und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica.  


Samstag, 27. Dezember 2014

Paderborn - Der Dokufilm

Von Ralf Keuper

Der im November offiziell vorgestellte Paderborn - Der Dokufilm wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Ein Urteil, dem ich mich nur anschließen kann. 


Hier einige Eindrücke von der Premiere:


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Kindelein Zart (Franz Wüllner)

Von Ralf Keuper

Das Lied Kindelein Zart von Franz Wüllner zählt für mich zu den schönsten Weihnachtsliedern überhaupt, und das nicht nur, weil der Komponist Westfale ist. 

Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest!




Samstag, 20. Dezember 2014

Westfalen - Wiege der mehrstimmigen Musik?

Von Ralf Keuper

Eher zufällig wurde ich auf eine musikgeschichtliche Besonderheit aufmerksam, die - für mich jedenfalls - ein neues Licht auf die Rolle der Musik in Westfalen wirft. 
Und zwar berichtet die SZ in ihrer gestrigen Ausgabe in dem Beitrag Ein Terz früher davon, dass in England womöglich die früheste bekannte mehrstimmige Komposition der abendländischen Musikgeschichte gefunden wurde. Die Handschrift stammt aus dem 10. Jahrhundert. 

Auf YouTube kann man sich bereits die erste Vertonung ansehen/anhören. 


Dem Beitrag nach könnte die Handschrift aus dem rheinisch-westfälischen Raum stammen. In dem Artikel taucht auch der Hinweis auf das Handbuch zur Musiklehre (Musica Enchiriadis) auf, das vermutlich im Kloster Werden im 9. Jahrhundert entstanden ist und als das älteste Werk seiner Art gilt. 
Auch hierzu steht auf YouTube ein Video zur Verfügung. 



Bisher galt das Winchester Tropar als älteste handschriftlich festgehaltene mehrstimmige Komposition.

Weitere Informationen:

Ältestes mehrstimmiges Musikstück entdeckt

Das älteste zweistimmige Stück entdeckt

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Ruhrparlament: Dreiteilung des Landes durch die Hintertür?

Von Ralf Keuper

Die von der rot-grünen Mehrheitsfraktion im Landtag ins Auge gefasste Aufwertung des Regionalverbands Ruhr, weckt, wie das Westfalen-Blatt berichtet, wohl nicht nur in Ostwestfalen-Lippe, bei mir jedenfalls,  die Befürchtung, dass hier die vor einigen Jahren abgeblasene Verwaltungsstrukturreform durch die Hintertür wieder Eingang in den politischen Alltag findet und damit zu einer Dreiteilung des Landes führt (Bin mir bewusst, dass der Vergleich hinkt). Demnach soll ein eigens geplantes Gesetz den Sonderstatus für den Regionalverband Ruhr (RVR) festlegen. Damit soll die direkte Wahl eines Ruhrparlements ermöglicht werden. 

Bereits vor einigen Jahren plante die damalige Landesregierung die Zusammenlegung der Regierungsbezirke in NRW. Sitz der für Westfalen zuständigen Bezirksregierung wäre Münster gewesen. Für den rheinischen Landesteil hätte diese Rolle Köln übernommen. Zusätzlich aber wäre noch ein Regierungsbezirk für das Ruhrgebiet mit Sitz, sofern ich mich recht entsinne, Essen, installiert worden.

Schon damals regte sich gegen dieses Vorhaben, vor allem in Westfalen, parteiübergreifender Widerstand. Die Rede war von einem "Restfalen", da der westfälische Teil des Ruhrgebiets nicht mehr unter die Verwaltungshoheit des bis dahin vorwiegend zuständigen Regierungsbezirks Arnsberg, aber auch nicht unter die des neuen Regierungsbezirks Münster gefallen wäre. 
Selbst die Vertreter der Stadt Dortmund stemmten sich gegen diese Pläne, da sie die verwaltungstechnische und politische Verbindung zu Westfalen nicht verlieren wollten. 

Eine ähnliche Entwicklung wie damals zeichnet sich bereits ab. In Ostwestfalen-Lippe kann man, wie das WB berichtet, dem Plan über die Parteigrenzen hinweg nicht viel abgewinnen. Die Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) spricht gar von einem Popanz um das Ruhrgebiet

Damals nahm die Landesregierung von dem Vorhaben auch Abstand, da man befürchtete bei der nächsten Wahl dafür abgestraft zu werden. Das wird auch die aktuelle Landesregierung in ihren Überlegungen sicherlich berücksichtigen ... 

Wie Landesinnenminister Ralf Jäger bereits einräumen musste, wird das neue Ruhrparlament doppelt so groß und doppelt so teuer wie bisher. So, so. Erst noch ein Mammutparlement installieren, und dann auch noch Anspruch auf einen Soli-West anmelden. Es scheint so, als hätte man im Ruhrgebiet an einigen Stellen noch nicht so richtig realisiert, dass die Gründe für die anhaltenden Probleme des Ruhrgebiets auch in einem Anspruchsdenken gründen, das es immer schwieriger macht, in den anderen Landesteilen das gewünschte Verständnis zu erzeugen.  

Weitere Informationen:



Montag, 15. Dezember 2014

Neuer Blog "200 Jahre Westfalen. Jetzt!"

Von Ralf Keuper

Seit kurzem ist der Blog 200 Jahre Westfalen. Jetzt! live im Netz. Anlass für die Lancierung ist die Gründung der Provinz Westfalen im Jahr 1815. Im kommenden Jahr wird diesem historischen Ereignis auf mehreren Veranstaltungen gedacht. 
Der Blog hat sich daneben zum Ziel gesetzt, der Frage nachzugehen, was es heute heisst, Westfale oder Westfälin zu sein oder was typisch westfälisch ist. 

Gewichtige Fragen also, denen sich der Blog widmet, und die auch auf diesem Blog immer wieder aufgegriffen werden wie in:

Westfalen - einige Gründe, dieses Land zu lieben




Mein Herz für Westfalen. Bilder einer Landschaft

Westfalen. Landschaftliche Ordnung und Bindung eines Landes (Wilhelm Müller-Wille)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Wissenschaftskommunikation: Universität Paderborn in den sozialen Medien - Ein Realitätscheck

Von Ralf Keuper

Das Thema Wissenschaftskommunikation ist derzeit "schwer angesagt". Kaum eine Universität, die nicht betont, wie dialogbereit und der Digitalisierung zugewandt sie doch sei. 

In Westfalen hat sich vor allem die Universität Paderborn als Universität der Informationsgesellschaft positioniert. Wie verhält es sich mit diesem Anspruch mit Blick auf die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf twitter?

Schon der erste Eindruck sorgt für Ernüchterung. 

Sucht man bei twitter nach der Universität Paderborn bekommt man zwar einige Accounts angezeigt, jedoch keines, das man auf den ersten Blick als das offizielle der Uni identifizieren könnte. Einzig die Universitätsbibliothek ist gleich zu erkennen. 329 Follower sind jedoch alles andere als überwältigend. 6 (!) Tweets seit März 2010 zeugen auch nicht gerade von übertriebenem Engagement. 

Die Universität selbst hält es dagegen nicht für angebracht, auf twitter mit einem eigenen Account vertreten zu sein. Zumindest mit keinem, das man ohne großen Zeitaufwand finden kann. 

Wenn auf twitter Informationen über die Universität Paderborn auftauchen, dann stammen die tweets in den allermeisten Fällen von Privatpersonen, die der Uni in irgendeiner Weise nahe stehen. 
Selber aktiv am Dialog teilnehmen zu müssen, darauf scheint man bei der Universität Paderborn verzichten zu können.

Dafür verfügt die Uni aber immerhin über einen RSS-Feed und ein facebook-Account.

Der Uniblog macht dagegen einen guten Eindruck. Allerdings muss man schon gezielt danach suchen. Im Vergleich zu früher ist der Internet-Auftritt der Uni schon wesentlich besser geworden. 

Dennoch: Gemessen am eigenen Anspruch ist das zu wenig. Es ist, für mich jedenfalls, keine klare Kommunikationsstrategie erkennbar. Während die benachbarten Universitäten munter twittern, glänzt man bei der Universität der Informationsgesellschaft mit Abwesenheit.

Freilich: Man kann das Kommunikationsverhalten einer Institution wie einer Universität nicht allein an twitter festmachen. Das wäre übertrieben. twitter ist für Wissenschaftler nicht gerade der bevorzugte Kanal

Indes wäre es vielleicht nicht allzu verkehrt, einen Blick in die Empfehlungen für Social Media der Universität Freiburg (Schweiz) zu werfen. Es interessieren sich ja nicht nur Wissenschaftler für das, was in einer Uni so alles passiert. 

Noch ein weiterer Gedanke: Warum nutzt man nicht die Kreativität der Studenten - nicht nur aus der in Paderborn stark vertretenen Informatik-Fakultät - um die Wissenschaftskommunikation den Realitäten des Web 2.0 , der Digitalmoderne anzupassen? Im Zeitalter von Co-Creation, Open Innovation etc. sollte das für eine Universität der Informationsgesellschaft zumindest eine Überlegung wert sein. Hier könnte man bundesweit eine Vorreiterrolle übernehmen, sofern ... 

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Freitag, 5. Dezember 2014

Musik und nicht-textuelle Objekte im Kontext digitaler Editionen (Zentrum Musik - Edition - Medien)

Von Ralf Keuper

Gestern wurde das Zentrum für Musik - Edition - Medien während eines Festakts in Paderborn in den Räumlichkeiten der Zukunftsmeile Fürstenallee offiziell eröffnet. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt ostwestfälischer Hochschulen - der Universität Paderborn, der Hochschule für Musik in Detmold sowie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.

Wie die Redner unisono hervorhoben, betritt das Zentrum für Musik - Edition - Medien im noch relativ jungen Forschungsgebiet der Digital Humanities Neuland. 

Besonders deutlich wurde das in dem Festvortrag "Going digital. Vom Einzug des Computers in die Geistes- und Kulturwissenschaften" von Jan Christoph Meister von der Universität Hamburg, zugleich Vorsitzender des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, und , sofern ich es richtig verstanden habe, in vergleichbarer Funktion auf europäischer Ebene. 

Zunächst gab Meister einen Einstieg in das mittlerweile weite Feld der Digital Humanities. Dabei zog er eine Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Signalverarbeitung bzw. -darstellung, um den fast schon paradigmatischen Wandel greifbar zu machen, der sich derzeit in den Geisteswissenschaften, ausgelöst durch die Digital Humanities, vollzieht. 
Während die analoge Darstellung Näherungswerte liefert, kann die digitale Repräsentation mit exakten, eindeutigen Ergebnissen aufwarten.  
Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, die analoge, ganzheitliche Erfahrung und die digitale, in Einzelergebnisse zerfallenden Beobachtung anzunähern, also sie füreinander zu übersetzen. Am Ende des Weges winkt die, wissenschaftstheoretisch nicht zu unterschätzende, Auflösung des sog. hermeneutischen Zirkels durch eine gemeinsame Sprache, eine Lingua Franca, der Wissenschaften. Mehr noch: Der Traum bzw. die Vision einer, wissenschaftlicher Methodik folgenden digitalen Synästhesie, eines neuen Stilelements in den Medien, scheint in greifbare Nähe gerückt, ohne sich dabei dem Verdacht, esoterische Glasspielereien zu betreiben, auszusetzen. 

Dadurch, dass die Methoden und bisher gewonnenen Erkenntnisse der Digital Humanities zum ersten Mal auf nicht-textuelle Objekte angewandt werden, betritt die Forschung - nicht nur bezogen auf die digitalen Musikeditionen - eine neue Stufe. Die Möglichkeiten, die sich daraus für die Musik, die Informatik, die Musik- und Medienwissenschaften ergeben, sind noch nicht absehbar. Es könnten uns also demnächst noch einige Meldungen von Durchbrüchen aus Paderborn und Detmold erreichen. 

Erkennbar wurde in den Vorträgen auch, dass das Projekt auf die Erfahrungen voran gegangener und z.T. noch laufender Projekte aufsetzen kann, was mit ein Grund für den positiven Bescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war, welche das Projekt in der ersten Phase mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. Danach, so Hans Nierlich von Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, beginne jedoch die Kür, indem eine nachhaltige Strategie/Finanzierung sichergestellt werden muss, wobei er sich zuversichtlich gab, dass dies den Beteiligten gelingen werde.

Zu den angesprochenen Projekten zählen u.a. das Edirom-Projekt sowie Freischütz Digital

Großen Raum nimmt die Modellierung von Softwarewerkzeugen ein, mit denen die digitale Darstellung nicht-textueller Objekte möglich ist. Dabei kommt u.a. die kontextuelle Informatik, wie sie von Prof. Reinhard Keil am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn gelehrt wird, zum Einsatz. 

Insgesamt also ein spannendes Projekt bisher vorwiegend getrennt voneinander arbeitender Wissenschaftsdisziplinen, wie es derzeit wohl in Deutschland einmalig ist. 

Crosspost von Medienstil 

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Google’s Process for Translating Pictures into Words

Sonntag, 16. November 2014

Die Chronik Bruder Göbels

Von Ralf Keuper

Der Laienbruder Göbel Schickenberges, der die meiste Zeit seines Lebens im Kloster Böddeken bei Paderborn gewirkt hat, ist in der Forschung vor allem als Chronist hervorgetreten. Seine Aufzeichnungen der Lebensverhältnisse zu seiner Zeit gelten unter Historikern für besonders aufschlussreich. Heinrich Rüthing hat sich über Jahrzehnte intensiv mit der Lebensgeschichte Bruder Göbels beschäftigt und seine Forschungen in dem Buch Die Chronik Bruder Göbels. Aufzeichnungen eines Laienbruders aus dem Kloster Böddeken 1502 bis 1543 dokumentiert. 
Auf großes Interesse unter Historikern stoßen die Notizen, die Bruder Göbel während einer Fastenreise durch Norddeutschland angefertigt hat. 

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Sonntag, 9. November 2014

Westfalen News - Ein Blick auf die vergangenen Wochen #1

Von Ralf Keuper

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus - so auch in Westfalen. Im August kommenden Jahres beginnt die Jubiläumsausstellung "200 Jahre Westfalen" im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Dortmund. 

Gleich zwei 400jährige Jubiläen konnten in den letzten Wochen in Westfalen-Lippe gefeiert werden: Zum einen in Paderborn bei der Feier zum 400jährigen Bestehen der Ältesten Universität Westfalens, und zum anderen in Detmold, wo es 400 Jahre Lippische Landesbibliothek zu würdigen galt. 

Für Aufsehen sorgte die Verlagsgruppe Aschendorff mit der Ankündigung, die Hälfte der Belegschaft bei der Münsterschen Zeitung einsparen zu wollen. 

In Münster hat die Ausstellung „Studio apparatus for Kunsthalle Münster“ des britischen Installationskünstlers Mike Nelson begonnen. Das Jazzfestival Münster gab die Vergabe des Westfalen-Jazz-Preises 2015 an den gebürtigen Münsteraner Michael Schiefel bekannt. Vom 08.11.2014 bis zum 22.02.2015 zeigt das LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster die Ausstellung "Das nackte Leben" mit Werken von Freud, Bacon und Hockney. 

Mit den Zukunftschancen des Bergbaus beschäftige sich das 14. Altbergbaukolloquium, das zum ersten Mal im Ruhrgebiet, in der Technischen Hochschule Agricola in Bochum stattfand. Unterdessen kam die Meldung, dass in vier Wochen der letzte Opel in Bochum vom Band läuft

In Meschede stellte die Historische Kommission für Westfalen ihr aktuelles Buch “Rechte, Güter und Lehen der Kölner Erzbischöfe in Westfalen” vor.

Dass Südwestfalen die (heimliche) Licht-Metropole Deutschlands ist, wurde erst kürzlich wieder deutlich. Der weltweit führende Hersteller für Lichtsysteme in der Automobilindustrie, Hella aus Lippstadt, gab sein Debüt an der Börse, der Lichthersteller Erco investiert kräftig in die LED-Technologie und in Lüdenscheid feiert DIAL sein 25jähriges Bestehen

In Soest hat derweil die größte Innenstadtkirmes Deutschlands, die Allerheiligenkirmes, begonnen. 

Am 15. November sendet der WDR einen Beitrag über das WDR-Kabarettfest Paderborn

Einen Blick in die IT-Zukunft Westfalens gab der dritte Westfalen-Kongress in den Dortmunder Westfalenhallen. 
Auf der #cnight im Konrad Adenauer - Haus in Bonn wurde Paderborn als Modell für Kommunen für die Etablierung einer Startup-Kultur vorgestellt. 

Als "Kreativpiloten 2014" wurden Peter Dahmen aus Dortmund und das Wittener Startup "Room in a Box" ausgezeichnet. 

Samstag, 1. November 2014

400jähriges Jubiläum der Theologischen Fakultät Paderborn - der ältesten Universität Westfalens



In diesem Jahr feiert die Theologische Fakultät Paderborn ihr 400jähriges Jubiläum. Damit ist sie die älteste Universität Westfalens. 
Aus diesem Anlass finden in der Stadt eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, deren Höhepunkt der Festgottesdienst in der Marktkirche war, der vom ZDF live übertragen wurde. Wie nicht nur die Neue Westfälische berichtet, war das Publikum begeistert. 

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Samstag, 27. September 2014

Neueröffnung des Landesmuseums für Kunst und Kultur in Münster - Ein großer Gewinn für Westfalen

Von Ralf Keuper

Seit dem 19.09.2014 sind Münster und Westfalen um eine Attraktion reicher. An diesem Tag nämlich wurde das Landesmuseum für Kunst und Kultur nach einer mehrjährigen Umbauphase wiedereröffnet.
Das Ereignis bzw. das Ergebnis lösten nicht nicht nur bei den regionalen, sondern auch bei den überregionalen Medien ein ausgesprochen positives Echo aus. 

Der WDR widmete der Neueröffnung den lesens-, hörens- und sehenswerten multimedialen Beitrag (Text, Video und Radio) Museum für Kunst und Kultur in Münster. Werke in neuem Licht.

Vor allem die Architektur des Museums sowie das Arrangement der Sammlung werden mit Lob fast schon überhäuft, wie von Christiane Hoffmann in Das neue Kunstmuseum wird Münster guttun. Für besonders gelungen halte ich die Besprechung Eine neue Straße für die Kunst von Gottfried Knapp in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 23.09.2014. 

Darin schreibt Knapp u.a.:
Die zur Stadt hin gerichteten Außenwände sind allesamt mit dem ortstypischen beige-grauen Sandstein verkleidet. Die Wände entlang der Mittelstraße aber leuchten in makellos weißem Beton. Vor allem im Foyer, wo die Absätze und Schrägen der in die Obergeschosse hinaufführenden seitlichen Treppen wie aus dem Weiß der Seitenwände herausgestanzt wirken, fühlt man sich an die schönen Eingangs- und Treppenhallen in anderen Staabschen Musuemsbauten erinnert. Aber auch mit den riesigen Glasscheiben, die an bestimmten Stellen den Blick in die Höfe freigeben oder aber gezielt auf ein korrespondierendes Element in der Umgebung gerichtet sind, hat sich Staab (gemeint ist der Berliner Architekt Volker Staab) höchst sinnvoll selber zitiert. So schiebt sich beim Blick hinunter auf die Rothenburg die "Granit"-Stele von Ulrich Rückriem eindrucksvoll ins Bild. Ein anderes Fenster ist auf den gegenüberliegenden Hof der Landsberg'schen Kurie gerichtet, in der bald das Geo-Museum der Universität Münster seine Arbeit aufnehmen wird. 
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Westfälische Kunstwerke und Kunstschätze

Sonntag, 20. Juli 2014

Baumberger Sandstein - Marmor des Münsterlandes

Von Ralf Keuper

Er ist auch als Marmor des Münsterlandes bekannt - der Baumberger Sandstein. Ebenso in der Vergangenheit wie heute verleiht diese Sandsteinart den Häusern der Region eine bestimmte, persönliche Note. Im besten Sinne stilprägend. Für mich der schönste Sandstein überhaupt. Mit ein Grund, warum ich die Skulpturen von Heinrich Brabender, wie im Dom zu Münster, so ansprechend finde. 

Von seiner Wirkung und Verwendbarkeit her ist der Baumberger Sandstein mit dem Grünen Sandstein im Soester Raum vergleichbar. 

Wer mehr erfahren und erleben möchte, kann sich mit dem virtuellen Rundgang im Baumberger Sandsteinmuseum in Havixbeck schon mal einstimmen.  

Weitere Informationen:




Donnerstag, 26. Juni 2014

Florenz-Ludwig Heidsieck - der Champagner-König aus Borgholzhausen

Von Ralf Keuper

Was alkoholische Getränke angeht, bringt man Westfalen eher mit Bier und Korn in Verbindung, als mit Champagner. Um so bemerkenswerter daher, dass der Gründer einer der bekanntesten Champagner-Dynastien Frankreichs, Florenz-Ludwig Heidsieck, aus Westfalen, und zwar aus Borgholzhausen (heute Kreis Gütersloh) stammt. 

John McCabe liefert eine informative und lesenswerte Beschreibung des Werdegangs von Florenz-Ludwig Heidsieck, seiner Nachkommen und seines Unternehmens Heidsieck & Co. , das noch heute als Heidsieck & Co Monopole besteht.  

Weitere Informationen: 

Samstag, 21. Juni 2014

Westwerk des Kloster Corvey und die "Civitas Corey" Weltkulturerbe

Das sind wahrlich großartige Neuigkeiten: Wie die Neue Westfälische berichtet, erklärte das UNESCO-Welterbekommittee auf seiner Jahrestagung in Doha/Katar das Westwerk des Klosters Corvey und die "Civitas Corvey" zum Weltkulturerbe. Ein großer Erfolg für die Region Westfalen im Allgemeinen und für Ostwestfalen-Lippe im Besonderen. 

Weitere Informationen:

Schloss Corvey

Marktprivileg Ottos I. für das Kloster Corvey, 946

Odysseus in der Kirche: Karolingische Malereien im Kloster Corvey

Heliand, Lord's Prayer - Old Saxon

Nova Corbeia - die virtuelle Bibliothek Corvey

Widukind von Corvey

Weltkultur in Ostwestfalen

Samstag, 14. Juni 2014

Westfälische SchauspielerInnen

Von Ralf Keuper

Die Ursprünge der (westlichen) Schauspielkunst liegen im alten Griechenland. Die Tragödien von Sophokles, Aischylos und Euripides werden noch heute an den Theatern der Welt aufgeführt.

Nach Westfalen gelangte die Schauspielkunst über die Gründung der ersten Theater. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Rolle der Volksschauspiele und Freilichtbühnen. In gewisser Hinsicht knüpfen die Ruhrfestspiele Recklinghausen an diese Tradition an. Neben dem Theater hat in den letzten Jahrzehnten der Film das öffentliche Bild des Schauspielerberufes geprägt. Westfälische SchauspielerInnen sind in beiden Sparten prominent vertreten.

Carl Ludwig Constenoble war ein Charakterdarsteller und bis zu seinem Tod Mitglied des Ensembles des Burgtheaters in Wien. August Junkermann war ein Hofschauspieler und berühmter Rezitator der Werke Fritz Reuters. In Wanne aufgewachsen ist Heinz RühmannFranka Potente hat es als eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen geschafft, sich im internationalen Filmgeschäft zu etablieren. Bekannt wurde sie durch ihre Rollen in den Filmen Lola rennt und Die Bourne Identität. In Münster zur Schule gegangen ist Ruth Leuwerik, die ihre ersten Engagements am Westfälischen Landestheater in Paderborn und den Städtischen Bühnen in Münster hatte. 
Herbert Grönemeyer und Klaus Wennemann feierten mit dem Film Das Boot ihren größten schauspielerischen Erfolg. Unvergessen sind Walter Giller und Dieter Pfaff. Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär sind vor allem als Tatort-Kommissare bekannt. 
Michael Mendl gilt als einer der gefragtesten Charakterdarsteller seiner Generation (Wikipedia). Leonard Lasnik kehrt in seiner Rolle als Privatdetektiv Wilsberg immer wieder in seine westfälische Heimat zurück.
Ralf Möller lebt und arbeitet als Schauspieler in Kalifornien. Seine bekannteste Rolle spielte er in dem Hollywood-Film Gladiator. Armin Rhode aus Gladbeck hat in mehreren Filmen, u.a. als Hauptdarsteller, mitgewirkt. Kaum bekannt sein dürfte, dass Iris Berben in Detmold geboren wurde. Joachim Król wurde vor allem in seiner Rolle als Commissario Brunetti eine feste Größe im deutschen Filmgeschäft. 

Schauspieler alter Schule waren bzw. sind Rudolf PlatteErwin Kohlund und Carmen-Renate Köper

Übrigens: Rolf Boysen, einer der profiliertesten Schauspieler der letzten Jahrzehnte, begann seine Karriere am Stadttheater Dortmund. Auf die Idee zum Schauspielerberuf brachte ihn in der Kriegsgefangenenschaft ein Schauspieler aus Hagen. Und auch ein anderer "Titan" des deutschen Theaters, Gert Voss, hat einige Zeit in Westfalen gewirkt, und zwar am Schauspielhaus Bochum. 

Weitere SchauspielerInnen:












Weitere Informationen:



Samstag, 31. Mai 2014

Startup-Verzeichnis NRW - Gesonderter Blick auf Westfalen

Von Ralf Keuper

Seit einigen Tagen steht das Startup-Verzeichnis NRW online zur Verfügung. Es enthält eine Aufstellung der Startups in Nordrhein-Westfalen, aufgeteilt in die Regionen Aachen, Bergisches Städtedreieck, Münsterland, Niederrhein, Ostwestfalen-Lippe, Rheinschiene, Ruhrgebiet und Südwestfalen. 
Der Bericht kommt auf insgesamt 412 Startups. Die meisten stammen aus dem rheinischen Landesteil. Alleine Köln verfügt über deutlich mehr Startups als ganz Westfalen. 

Das überrascht nicht weiterhin, da Köln, und mit Abstrichen auch Düsseldorf, zu den attraktivsten Standorten für Startups in Deutschland zählen; allerdings deutlich hinter Berlin. Startups, vor allem aus dem Bereich IT, siedeln sich bevorzugt in urbanen Zentren, wie Köln, an. Das Rheinland hat hier gegenüber Westfalen einen klaren Standortvorteil. In Städten wie Köln haben sich in den letzten Jahren Startup-Ökosysteme gebildet, die eine hohe Anziehungskraft auf junge Unternehmer, Investoren und Talente/Mitarbeiter ausüben, wie u.a. die Studie Die FinTech Startup-Ökosysteme in Deutschland zeigt.
Westfalen mit seiner vergleichsweise starken industriellen Basis bietet hier zunächst nur wenig Anknüpfungspunkte. 
Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Internet-Startups meistens an Orten niederlassen, wo die sog. Information Centric Industries wie Medien, Werbung, Beratung, Banken, Versicherungen und IT-Unternehmen überdurchschnittlich stark vertreten sind. In Westfalen erfüllt bei Licht gesehen keine Stadt diese Anforderungen.

Das ist allerdings kein Grund zur Resignation, wie nicht nur das Beispiel it's OWL zeigt. Die Stärke der westfälischen Industrie liegt derzeit ganz klar im Bereich Produktionstechnologie bzw. im Maschinenbau. Die Industrie 4.0 könnte hier für weiteren Auftrieb sorgen. 
Bedeutende IT-Standorte in Westfalen sind Dortmund, Paderborn und mit Abstrichen, Münster und Bielefeld. In Dortmund machen seit einiger Zeit einige Startups wie RapidMinder auf sich aufmerksam. Paderborn ist prädestiniert für Startups aus dem Bereich der Industrial IT bzw. Embedded Systems. Ein bekanntes und ausgesprochen erfolgreiches "Startup" ist dSpace. Münster und das Münsterland (hier setze ich mich bewusst über die aktuelle Datenlage hinweg) bietet sich für Startups aus dem Umfeld Geoinformatik, Bionik und Biotechnologie/Pharma an. Die größten Impulse könnten in den nächsten Jahren aus Bielefeld kommen, genannt sei nur die Robotik. 

Bei allen Vorzügen, die urbane Zentren gegenüber eher ländlichen Regionen genießen - eine Voraussetzung, eine conditio sine qua non, für "nachhaltigen" Erfolg sind sie nicht, wie das Beispiel Boulder (Colorado) zeigt. Brad Feld vertritt in in seinem Buch Startup Communities die These, dass für den Erfolg einer Startup-Community die handelnden Personen, Leader entscheidend sind. Im Vergleich dazu sind Universitäten, Investoren und Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung von nachgeordneter Bedeutung. 

Donnerstag, 29. Mai 2014

Heinrich Backhaus: Ein Priester aus Westfalen in Australien

Von Ralf Keuper

Die Lebensgeschichte von Heinrich Backhaus, 1812 in Paderborn geboren und 1882 in Australien gestorben, hat John Hussey in dem Buch Unter Goldsuchern festgehalten. Backhaus war über dreißig Jahre als katholischer Priester missionarisch in Australien tätig. Davor wirkte er zehn Jahre in gleicher Funktion in Bengalen. Überhaupt war Backhaus ein für seine Zeit außerordentlich weit gereister Mann. Sein Weg führte ihn nicht nur nach Rom, Kalkutta, Singapur, Perth, Melbourne und Sydney, sondern auch nach Irland und Malta. Daneben besuchte er auch seine alte Heimat, sprich Paderborn. 

Sein Engagement und ausgeprägter Geschäftssinn kommen dem australischen Bistum Sandhurst bis heute zu Gute. Backhaus war auch Generalvikar des Bistums. 

Im Klappentext heisst es u.a.:
Backhaus starb als wohlhabender Mann. Er lebte selbst jedoch sehr bescheiden und anspruchslos. Bemerkenswert war neben seiner fruchtbaren Seelsorge sein Engagement für das öffentliche Leben und sein Geschick, sein Geld und Vermögen zugunsten der Armen und zum Wohl der Kirche klug einzusetzen, so dass bis heute seine Pfarrei und Diözese Sandhurst aus den Erträgen seiner Stiftung Unterstützung erfahren. 
Bis heute wird die Erinnerung an Backhaus in Sandhurst wach gehalten. In seiner Geburtsstadt Paderborn dagegen findet man keine Hinweise. Ohne das Buch wäre Backhaus hierzulande wohl völlig in Vergessenheit geraten. Seine Lebensgeschichte ist die eines echten Pioniers, wie sie heute in dieser Form wohl nicht mehr möglich ist. Überhaupt war er recht eigenwillig, worunter seine Beliebtheit zuweilen litt. 

Noch einmal aus dem Klappentext:
Dieses Buch ist das Lebensbild dieses westfälischen Priesters, der in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts als Missionar nach Australien ging und über 30 Jahre lang unter Goldsuchern am Bendigo-Fluss auf weiten Gebieten ausgesprochene Pionierarbeit leistete und dort bis heute unvergessen ist.  

Samstag, 24. Mai 2014

Leisure: The Basis of Culture by Josef Pieper

Von Ralf Keuper

Josef Pieper hat mit Muße und Kult 1947 ein Buch geschrieben, dessen Aussagen heute aktueller denn je sind. In einem Radiobeitrag geht es um die Interpretation der Freizeit in unserer Gesellschaft. Für Pieper hatte Freizeit eine andere Bedeutung als heute üblich ist. Für ihn ging es in der Freizeit nicht darum, Zeit mit Unterhaltung und Ablenkung totzuschlagen, sondern wirklich kreativ zu sein. Heute, da wir scheinbar Zeit im Überfluss haben, ein Problem, das in dem Radiointerview diskutiert wird. 

Für Pieper galt der Satz: Arbeiten, um Muße zu haben. Oder in seinen Worten:
Gegen die Ausschließlichkeit des Richtbildes der Arbeit als Aktivität .. steht die Muße als die Haltung der Nicht-Aktitviät, der inneren Ungeschäftigkeit, der Ruhe, des Geschehen-Lassens, des Schweigens. (in: Muße und Kult)

Freitag, 23. Mai 2014

Fünf Franziskanerinnen aus Salzkotten und der Schiffbruch der „Deutschland“

Von Ralf Keuper

Der Untergang des Dampfseglers Deutschland vor der Küste Großbritanniens im Jahr 1875 machte fünf Ordensschwestern  der Franziskanerinnen von Salzkotten berühmt. Als Folge des sog. Kulturkampfes waren die Schwestern von ihrer Ordensgründerin in die USA gesandt worden, um dort unter günstigeren Bedingungen ihre missionarische Arbeit fortsetzen zu können.

Nach menschlichen Maßstäben unsterblich wurden die Schwestern dadurch, dass sie angesichts des Untergangs und des sicheren Todes, anderen Reisenden nicht nur den Vortritt bei der Rettung ließen, sondern den Verbliebenen bis zum Schluss Trost spendeten

Gerad Manley Hopkins veranlasste das Schicksal der Schwestern und der Reisenden zur Niederschrift seines Gedichts The Wreck of the Deutschland, das ihm als Schriftsteller zum Durchbruch verhalf. 

Samstag, 17. Mai 2014

Startup-Wegweiser NRW - Gesonderter Blick auf Westfalen

Von Ralf Keuper

Vor einigen Tagen wurde der Startup-Wegweiser NRW veröffentlicht, der eine Übersicht der wachsenden Startup-Ökosysteme zwischen Rhein und Weserbergland liefert. 
Die verschiedenen Startup-Regionen (Aachen, Bergisches Städtedreieck, Münsterland, Niederrhein, Ostwestfalen-Lippe, Rheinschiene, Ruhrgebiet und Südwestfalen) werden darin mit ihrer Infrastruktur vorgestellt (Coworking Spaces, Hochschulen, Inkubatoren, IHKs, und Startercentern).

Alles in allem eine gelungene Übersicht, die angehenden Gründern eine wichtige Orientierungshilfe gibt. 

Startups sind, wie u.a Christoph Giesa und Lena Schiller-Clausen in ihrem Buch New Business Order schreiben, derzeit dabei, das Gesicht von Wirtschaft und Gesellschaft zu verwandeln. 
In Deutschland haben sich bereits einige lebhafte Startup-Ökosysteme gebildet, allen voran Berlin. Aber auch in Hamburg, Köln/Düsseldorf, Frankfurt und München hat sich ein dynamisches Startup-Ökosystem gebildet. 

Seit dieser Woche liegt auch eine Studie über die FinTech-Startup Ökosysteme in Deutschland vor. 

In Nordrhein-Westfalen ist die Startup-Szene, mit Ausnahme von Köln/Düsseldorf, noch in den Anfängen. Vor allem in Westfalen sind bisher kaum Startup-Ökosysteme entstanden, die eine Eigendynamik entwickelt haben, die Gründer, Talente und Investoren anziehen. 
Jedoch sind erste Ansätze zu erkennen, wie in Dortmund mit der tu startup lounge und der Initiative start2grow oder in Bochum mit der merkur-startup Gründerberatung Bochum
Inzwischen gibt es für Startups im Ruhrgebiet mit Ruhrpott Start-ups ein eigenes Online-Magazin. 

Erste Erfolge sind zu verzeichnen, wie mit der Analyse Asia UG und dem Big Data - Startup Bitbuckler an der RUB oder eve aus Dortmund. Mittlerweile hat das Startup-Ökosystem in Dortmund mit dem Verkauf von svh24 an die Würth-Gruppe seinen ersten größeren Exit zu verzeichnen. Das wohl bekannteste und international erfolgreichste Startup aus Dortmund ist RapidMiner

In der Wirtschaftspresse herrscht dagegen noch Skepsis, was die Erfolgschancen junger IT-Startups im Ruhrgebiet betrifft

In Ostwestfalen-Lippe wurde der Gründerwettbewerb startklar ins Leben gerufen. Daneben bietet der Gründerfonds Bielefeld-Ostwestfalen Unterstützung bei der Finanzierung an. 

Dass Startups für ihr Gedeihen nicht zwangsläufig auf das Flair internationaler Metropolen wie Berlin angewiesen ist, zeigt das Beispiel von Boulder in Colorado, wie der Autor Brad Feld es in seinem Buch Startup Community beschreibt. Auch die Lage an der Peripherie bzw. in der Provinz muss nicht von Nachteil sein, wie die zahlreichen IT-Startups in Skandinavien zeigen. 

Da der Anteil der Industrie bzw. des verarbeitenden Gewerbes in Westfalen deutlich höher ist als im Rheinland, ist die Wahrscheinlichkeit für die Ansiedlung von IT-Startups im Rheinland derzeit größer. In Westfalen werden, so meine Einschätzung, die meisten Startups im Umfeld der Industrial-IT entstehen. 

Weitere Informationen:

Venture Capital für IKT-Startups in Nordrhein-Westfalen (NRW) - Zahlen, Fakten, Bedeutung