Freitag, 31. Januar 2014

Westfälische Informatiker

Von Ralf Keuper

Die Informatik ist aus dem heutigen Wissenschaftsbetrieb nicht mehr wegzudenken. Zu wichtig scheint diese Disziplin für das Wohl der Volks- und Weltwirtschaft zu sein, als dass man es sich leisten könnte, auf ihre Dienste zu verzichten. Friedrich L. Bauer verfasste dazu eine zwar sperrige, jedoch informative Kurze Geschichte der Informatik

Nach dem 2. Weltkrieg begann der langsame, aber stetige Siegeszug der Informatik - auch in Westfalen. An den Universitäten Dortmund und Paderborn entstanden in diesem Zeitraum die ersten und nach wie vor größten Informatik-Fakultäten Westfalens. Das erklärt in weiten Teilen die außergwöhnlich hohe Anzahl an IT-Unternehmen beider Städte. Seitdem sind aus Westfalen einige namhafte Informatiker hervorgegangen, von denen nicht wenige den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben. 

Für ihre Forschungen zur Theoretischen Informatik erhielten im Jahr 1992 Burkhard Monien und Friedhelm Meyer auf der Heide von der Universität Paderborn den Leibniz-Preis. Weitere bekannte Informatiker der Uni Paderborn sind Gregor Engels und Reinhard Keil

Der aus Dortmund stammende Heinz Gumin leitete die Softwareentwicklung für den ersten serienmäßig gefertigten Digitalrechner von Siemens. Später  war er als Vorstand der Siemens AG für den Unternehmensbereich Datentechnik zuständig. 

Im Jahr 1997 gründete Volker Gruhn in Dortmund die adesso AG, die heute über 1.200 Mitarbeiter zählt. Derzeit lehrt Prof. Dr. Gruhn Informatik an der Universität Duisburg-Essen. 
Kai Krause hat mit seinen Grafikprogrammen ein Stück Informatik-Geschichte geschrieben. Im Jahr 2005 zeichnete ihn die DEMO-Konferenz als einen der Top-Innovatoren der letzten 15 Jahre aus. 

Erich Hüttenhain war ein bedeutender Kryptoanalytiker. Hans-Wilhelm Schüßler hat sich große Verdienste in der digitalen Signaltechik erworben. 

Peter Liggesmeyer ist ein führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Softwaretests und der Softwareverifikation. Darüber hinaus ist er wissenschaftlicher Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern. Außerdem ist der Präsident der Gesellschaft für Informatik. 

Nach Ansicht von Achim Clausing hielt Heinrich Scholz, der in engem Kontakt zu Alan Turing stand, an der Universität Münster die weltweit erste Informatik-Vorlesung. 

Mit seinem Lehrbuch der Softwaretechnik hat Helmut Balzert, der seit Jahren an der Ruhr-Universität Bochum lehrt, ein Standardwerk der Informatik geschaffen. 
Ein bekannter Wirtschaftsinformatiker ist Matthias Schumann

Anja Feldmann ist seit 2010 Dekanin der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik an der TU Berlin. Seit 2012 ist sie Mitglied im Aufsichtsrat der SAP AG. 

Bernhard Korte gründete das Arithmeum in Bonn, wofür er selbst zahlreiche Rechenmaschinen als Ausstellungsstücke zur Verfügung stellte. 

Der derzeit wohl mit Abstand bekannteste Informatiker und IT-Unternehmer aus Westfalen ist August-Wilhlem Scheer, Gründer der IDS Scheer AG. 

Weitere Informationen:



Donnerstag, 30. Januar 2014

Westfalenparlament

Von Ralf Keuper

Heute wurde in der Landschaftsversammlung in Münster, im sog. Westfalenparlament, der neue Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gewählt. Der neue Chef Matthias Löb war bzw. ist noch Kämmerer des LWL. 

Die Geschichte des Westfalenparlaments reicht zurück bis ins Jahr 1826. Damals hieß das Parlament noch Westfälischer Provinziallandtag. Erster Präsident und Landtagskommissar war Ludwig von Vincke

Das Parlament war nicht unumstritten. Nicht ganz zu Unrecht sah beispielsweise Annette von Droste-Hülshoff darin lediglich ein von ständischen Interessen dominiertes Haus. Dieser Vorwurf trifft vor allem auf den Freiherrn vom Stein zu, der zwar für seine Zeit vergleichsweise liberale Positionen vertrat, in Sachen der Gesellschaftsordnung jedoch noch vornehmlich in feudalen Kategorien dachte. 

Landeshauptmann und erster Direktor des Landschaftsverbandes nach dem 2. Weltkrieg war Bernhard Salzmann. 

Samstag, 25. Januar 2014

Der Westfälische Expressionismus (hrsg. von Jutta Hülsewig-Johnen und Thomas Kellein)

Von Ralf Keuper

Anlässlich der Ausstellung Der Westfälische Expressionismus, die vom 31.10.2010 - 20.02.2011 in der Kunsthalle Bielefeld ausgerichtet wurde, erschien das gleichnamige Begleitbuch
Vorgestellt werden darin die aus Westfalen stammenden Maler, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Expressionismus zugerechnet wurden, wie Peter August Böckstiegel, August Macke, Wilhelm Morgner, Christian Rohlfs und Hermann Stenner.

Jutta Hülsewig-Johnen weist in der Einleitung darauf hin, dass von einem genuinen Westfälischen Expressionismus nicht die Rede sein kann, da in Westfalen - mit Ausnahme von Hagen mit seinem Museum Folkwang - die moderne Kunst über kein Zentrum mit zumindest regionaler Ausstrahlungskraft verfügte, weder in Münster noch in Soest oder im Ruhrgebiet. Die Künstler waren daher zu ihrer Weiterentwicklung auf sich selbst und den Austausch mit den Kunstzentren der damaligen Zeit angewiesen. Förderung oder gar Anerkennung für ihr Schaffen konnten sie in Westfalen nicht erwarten. 

Für Eberhard Viegener  galt das Motto: >Westfale sein, heisst Weltsinn haben<. Dieser Gedanke scheint auch für die anderen Vertreter des Westfälischen Expressionismus leitend gewesen zu sein, den man vielleicht auf die Formel bringen könnte: "Die Welt im Blick und die Heimat im Herzen". 

In dieser Hinsicht lässt sich auch die Schlussbemerkung von Hülsewig-Johnen verstehen:
Die westfälischen Expressionisten sind eher Einzelgänger. Sie ziehen ihre eigenen Schlüsse aus dem Erlebnis der modernen Kunst und folgen dem "Himmelslicht" und ihrem "Weltsinn" einsam auf individuellen Pfaden. .. Die durchaus selbstbewusste, künstlerische Wertschätzung des eigenen, ländlichen Lebensraumes ist vielleicht das vorrangige Kennzeichen des westfälischen Expressionismus. 

Freitag, 24. Januar 2014

Westfälische FotografInnen

Von Ralf Keuper

Die Fotografie musste lange um die Anerkennung in der Kunstwelt kämpfen. Als einer der ersten namhaften Kulturphilosophen setzte sich Walther Benjamin mit der ästhetischen Dimension der Fotografie auseinander. Fotografen wie Henri Cartier-Bresson oder Gisèle Freund sorgten dafür, dass auch Museen und Galerien sich für diese Kunstform zu interessieren begannen. 

Auch an Westfalen ging diese Entwicklung nicht vorbei, wie das Beispiel von Bernd und Hilla Becher zeigt, das berühmteste Fotografen-Ehepaar der Welt. Zusammen begründeten sie die Düsseldorfer Photoschule. Mit ihren Industriefotografien schufen sie nicht nur eine eigene Grammatik, sondern bewahrten die "Kathedralen der Technik" auch vor dem Vergessen. Eine gute Einführung in ihre Fotografie liefert der Film Bernd und Hilla Becher  - Ein Portrait. Bernd Becher bezog seine Inspiration in den Anfangsjahren aus seiner Siegerländer Heimat. 

Ein weiterer Pionier der Fotografie in Westfalen war Friedrich Hundt, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts vornehmlich als Portrait-Fotograf tätig war. Ihm zu Ehren wurde 1991 in Münster die Friedrich-Hundt-Gesellschaft gegründet.

Der Bestand des Fotoateliers Kuper diente u.a. dem LWL-Museum für die Ausstellung "Bitte recht freundlich".  

Für ihre Fotografien mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde bisher Brigitte Kraemer. Weitere bekannte Fotografinnen aus Westfalen waren bzw. sind Anneliese Kretschmer, Simone Demandt und Simone Nieweg

Als Fotojournalistin mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Pulitzerpreis, wurde Anja Niedringhaus, die im April 2014 in Afghanistan von einem Polizisten erschossen wurde.

Heinrich Brocksieper gilt heute als einer der Pioniere der Medienkunst. 

Friz Pitz war als Fotograf und Maler weit über die Grenzen der Region ein Begriff. 

Im letzten Jahr wurde Hermann Hirsch aus Dortmund für seine Tierfotografien von der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen ausgezeichnet. Für seine Tier- und Naturfotografien bereits mehrfach ausgezeichnet wurde Klaus Nigge. Fritz Pölking gilt als einer der Wegbereiter der modernen Tierfotografie in Europa. 
Atemberaubend sind die Fotos von Uwe Skrzypczak über die Tierwelt der Serengeti

Mit seinem Buch Formen des Mikrokosmos begründete Carl Strüwe die Kunst der Mikrofotografie als eigenes bildnerisches Fach (Wikipedia). 

Fritz Henle wurde wegen seiner Vorliebe für Rolleiflex-Kameras auch Mr. Rollei genannt (Wikipedia). 

Personen, die ihren Lebensunterhalt mit Fotografie bestreiten, sind im Verband der Berufsfotografen Westfalen organisiert. 

Eine wahre Fundgrube ist das Bildarchiv Westfalen

Was wäre ein Fotograf ohne sein Werkzeug - die Kamera? Legendär ist die Leica M. So kann es auch nicht verwundern, dass einige Fotografen von der Sammelleidenschaft gepackt werden, wie Gernot Monzen aus Schloss Holte - Stukenbrock, dessen Sammlung aus mehr als 1.000 analogen Kameras besteht. Seine besondere Liebe gilt dabei den Kameras der Firma Leidolf. Die Firma stammt ebenfalls wie Leica aus Wetzlar.

Das Maschinenbuch des Konrad Gruter aus dem Jahr 1424

Von Ralf Keuper

Erst im Jahr 2006 konnte das Geheimnis um die Identität des Verfassers der Schrift DE AQUARUM CONDUCTIBUS; MOLENDINIS ALIISQUE MACHINIS ET AEDIFICIIS, des ältesten Mechanik-Buches Westeuropas, zweifelsfrei geklärt werden. 

Es stammte aus der Feder von Konrad Gruter, der im Jahr 1370 in Werden an der Ruhr geboren wurde. 

Die Schrift räumt (indirekt) mit dem noch weit verbreiteten Vorurteil auf, das Mittelalter hätte keine nennenswerten technischen Innovationen hervorgebracht. 

Weitere Informationen: 

Das Maschinenbuch des Konrad Gruter für Erich VII., König von Dänemark (1424)

Sonntag, 19. Januar 2014

Westfälisches Staatensystem

Von Ralf Keuper

In der internationalen Staatstheorie hat sich der Begriff des Westfälischen Staatensystems etabliert. Geschichts- und Politikwissenschaftler streiten unterdessen darüber, ob und inwieweit dieses Forschungsparadigma noch Gültigkeit für sich beanspruchen kann.

Seinen Ursprung hat das Westfälische Staatensystem in dem Westfälischen Frieden von 1648 und den darin getroffenen Vereinbarungen zur staatlichen Autonomie. Für viele Forscher fällt der Westfälische Friede mit der Geburt des Nationalstaats und der Machtpolitik zusammen, für die letztlich jedes Mittel recht ist, um die "Interessen" der Nation zu wahren. So ist u.a. von dem Westfailure System die Rede. 
Andere wiederum halten das Forschungsmodell des Westfälischen Systems nach wie vor für praktikabel, ja gestehen ihm sogar zu, mit Blick auf die Europäische Einigung bis hin zur Globalisierung weiterhin wertvolle Dienste leisten zu können. 

Inzwischen gehen die Überlegungen hin zu einer Post-Westfälischen Staatenwelt

Weitere Informationen:

Mittwoch, 15. Januar 2014

Das Lippiflorium, ein westfälisches Heldengedicht aus dem 13. Jahrhundert

Von Ralf Keuper

Um der Nachwelt die Heldentaten von Bernhard II. zur Lippe, Gründer der Städte Lippstadt und Lemgo sowie des Fürstentums Lippe, zu überliefern, verfasste der Lippstädter Schulmeister Justinus Lippiensis im 13. Jahrhundert einen Lobgesang in lateinischer Sprache - das sog. Lippiflorium, das erst sehr viel später ins Deutsche übersetzt wurde

Die Allgemeine Deutsche Biografie stellt fest, dass sich das Werk "in Bezug auf Formvollendung den besten gleichartigen Produkten des 12. und 13. Jahrhunderts an die Seite stellen läßt".

Samstag, 11. Januar 2014

Das Jägerken von Soest - Westfalen als Schauplatz der Weltliteratur

Nach wie vor wenig begannt ist, dass eine der Hauptfiguren des wichtigsten Prosawerks in deutscher Sprache aus der Zeit des Barock, Simplicius Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, aus Westfalen stammt - gemeint ist Das Jägerken von Soest. 

In den letzten Jahren haben sich mehrere Publikationen näher mit der Verbindung zwischen Soest/Westfalen und dem Simplicissimus beschäftigt, wie Grimmelshausen und Simplicissimus in Westfalen oder Der Dreißigjährige Krieg in Stadt und Land, zum Beispiel in Soest und der Soester Börde
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ließ Grimmelshausen seinen Romanhelden Simplicius Simplicissimus, den „Jäger von Soest“, die Wintermonate 1636/37 im Kloster (Paradiese) verbringen. (Quelle: Wikipedia)

Westfalium. Gutes Leben in Westfalen

Seit einigen Jahren berichtet das Magazin Westfalium über die typisch westfälische Lebensart. Bestimmte Themen werden in Sonderausgaben vertiefend behandelt. 

Insgesamt erhält man als Leser ein umfassendes Bild über die vielfältigen kulturellen und künstlerischen Aktivitäten in Westfalen. 

Deutschland deine Westfalen. In Gottes eigenem Pumpernickelland (Josef Müller-Marein)

Von Ralf Keuper

Der ehemalige Chefredakteur der ZEIT, Josef Müller-Marein,  zeichnet in dem Buch Deutschland deine Westfalen ein farbiges Bild von Westfalen und seinen Menschen. Darin kam er u.a. zu dem Schluss:
Die Westfalen sind so sehr westfälisch wie die Bayern bayrisch sind (die Deutschen anderer Stämme sind nicht in so hohem Maße sie selber und wollen es nicht sein).
Obschon das Buch in die Jahre gekommen ist (es erschien 1972) und der Autor an einigen Stellen zu recht eigenwilligen Urteilen gelangt, lohnt es auch heute noch die Lektüre.  

Westfälische Musikinstrumentenbauer

Von Ralf Keuper

Die Hersteller von Musikinstrumenten haben es derzeit nicht leicht. Selbst namhafte Unternehmen wie Steinway & Sons haben schwer mit der zunehmenden Konkurrenz aus Fernost zu kämpfen.

Große Musiker und Komponisten wussten schon immer um die Bedeutung der Instrumente für ihr Spiel bzw. ihre Kompositionen; ein Punkt, auf den Peter Gradenwitz in seinem Buch Kleine Kulturgeschichte der Klaviermusik hinweist:
Zu jeder Zeit verlangten die Kompositionen für Klavierinstrumente eine der Technik und dem Stil des Spielers und der Musik angepasste Bauart und ein entsprechendes Klangvolumen; ebenso inspirierten die von Meisterbauern angefertigten Instrumente die Komponisten zu einer dieser Klavierinstrumente kongenial ausnützenden Musik. 
Ähnliches berichtet Joseph Wechsberg in Zauber der Geige. Für den Klang einer Geige ist die Verwendung des richtigen Lacks von großer Bedeutung, wie schon der legendäre Antonio Stradivari wusste. 

Ein bedeutender aus Westfalen stammender Klavierbauer war Johann Bernhard Klems, der als ausgesprochen experimentierfreudig galt. Durch die enge Zusammenarbeit mit Robert Schumann konnte Klems dem Klavierbau ebenso wie der Klaviermusik wichtige Impulse geben.

Wilhelm Busch verdankt seinen Ruf als Instrumentenbauer auch seinen berühmten Kindern, Fritz, Adolf, Hermann und Heinrich.

Der gemessen an der Anzahl der Instrumente größte Wirtschaftszweig war in Westfalen der Orgelbau. Der bekannteste westfälische Orgelbauer dürfte Johann Patroclus Möller sein. In der Musikwelt besonders beliebt ist die Johann Patroclus Möller - Orgel in Marienmünster. Seit 1889 werden bei den Gebrüder Stockmann in Werl Orgeln gebaut. 

Daneben waren und sind in Westfalen noch weitere regional und überregional bekannte Orgelbauer tätig, wie auf der Seite Die Orgellandschaft Westfalen und Ostwestfalen-Lippe nachzulesen ist. Eine weitere wichtige Informationsquelle ist Orgellandschaft Westfalen und Lippe, die auch einen Hinweis auf die älteste bespielbare Orgel Deutschlands in Osttönnen  (Ortsteil von Soest) enthält.  

Ein heute noch erfolgreich am Markt agierendes Unternehmen aus der Musikalienbranche ist Sonor aus Bad Berleburg. Die Schlaginstrumente des Unternehmens haben unter Musikern einen herausragenden Ruf. Ebenfalls ein Begriff unter Musikern ist die Instrumenten-Schmiede Finke aus Herford. 

Leonhard und Viktor Müller aus Minden sind seit 1997 als Geigenbauer tätig. 
Bereits seit 1919 ist die Familie Gläsel aus Gelsenkirchen eine feste Größe im Geigenbau. 

Ein Meister seines Fachs ist der Gitarrenbaumeister Hartmut Hegewald aus Bönen. 

Weitere:

Hans Peter Mebold

Helmut Finke

Johann Heinrich Brinkmann

Hans Reichel

Christian Klausing

Stephan Oppel

Johann Georg Alberti

Weitere Informationen:

Sonntag, 5. Januar 2014

Westfälische Galeristen, Kuratoren und Kunsthistoriker

Von Ralf Keuper

Der Kunstbetrieb unterliegt inzwischen denselben ökonomischen Spielregeln wie Film, Sport und Showbusiness. Um am Markt Erfolg zu haben, benötigen die Künstler heutzutage mehr denn je die richtigen Kontakte. Die Vermittlerfunktion übernehmen hierbei Galeristen und Kuratoren. Häufig arbeiten sie eng mit Kunsthistorikern und Museumsleitern zusammen. Nicht selten fallen die Rollen in einer Person zusammen. 

Ein gut vernetzter Kurator ist der in Mettingen geborene Kaspar König, von 2000 bis 2012 auch Direktor des Museums Ludwig in Köln. Als Mit-Gründer des Kulturbahnhofs Rolandseck wurde Johannes Wasmuth international bekannt. Ein weiterer bekannter Kurator ist Gerhard Charles Rump. Otto van de Loo gründete 1957 in der Münchener Maximilianstraße die renommierte Kunstgalerie van de Loo. 

Der nach wie vor bekannteste Galerist aus Westfalen ist Alfred Flechtheim

Mittlerweile bundesweit ein Begriff ist die Samuelis Baumgarte Galerie in Bielefeld, die 1986 von Ruth Baumgarte und ihrem Sohn  Alexander gegründet wurde. Eine weitere bekannte Kunstgalerie in Westfalen ist Ostendorff in Münster. 

Zu den größten Kunsthäusern Europas zählt mittlerweile die Galerie Mensing, deren Stammhaus in Hamm-Rhynern ist. 

Paul Pieper hatte während seiner Zeit als Direktor des Westfälischen Landesmuseums in Münster maßgeblichen Anteil daran, dass sich das Haus heute mit Werken so herausragender Künstler wie Otto Dix, Max Ernst und Paul Klee schmücken kann. Hochbetagt verstarb im Jahr 2012 Thomas Grochowiak, der nicht nur ein bekannter Museumsdirektor, sondern auch ein Maler war. Zusammen mit anderen Mitstreitern rief er im Jahr 1948  die Gruppe junger westen ins Leben. 
Harald Seiler hat das Niedersächsische Landesmuseum in Hannover zu einer bekannten Adresse in der internationalen Kunstwelt gemacht. 

Max Imdahl war einer der streitbarsten und originellsten Kunsthistoriker der Nachkriegszeit in Deutschland. 
Wilhelm Lübke war zu seiner Zeit ein vielzitierter Kunsthistoriker, der  u.a. ein Buch über die westfälische Kunst des Mittelalters veröffentlich hat. Florentine Mütherich, von Willibald Sauerländer als "Hüterin der Miniaturen" bezeichnet, hat sich mit ihren Forschungen, vor allem über die Karolingischen Miniaturen, bleibende Verdienste erworben. 

Seit 2009 ist Roland Nachtigäller künstlerischer Direktor des Museums MARTa in Herford. Er ist Nachfolger des sendungsbewussten Jan Hoet

Friedrich Meschede, seit einigen Jahren Leiter der Kunsthalle Bielefeld, wurde kürzlich mit dem Justus Bieber Preis für Kuratoren ausgezeichnet. 

Weitere Informationen:






Westfalen Magazin - Genießen & Lebensart

Das Westfalen Magazin beschäftigt sich in seinen Ausgaben neben kulinarischen auch mit kulturellen Themen. In den letzten Jahren hat sich die Zeitschrift zu einem wichtigen Fenster der Region entwickelt. 

Mein Herz für Westfalen. Bilder einer Landschaft

Das Buch Mein Herz für Westfalen ist eine Mischung aus Texten und Bildern, die dem Leser bzw. Betrachter die häufig verborgene Schönheit der Landschaft nahe bringen. 
Zu Wort kommen darin u.a. Augustin Wibbelt, Annette von Droste-Hülshoff und Friedrich Wilhelm Weber

Westfalen. Landschaftliche Ordnung und Bindung eines Landes (Wilhelm Müller-Wille)

Von Ralf Keuper

Das Buch Westfalen. Landschaftliche Ordnung und Bindung eines Landes von Wilhelm Müller-Wille ist inzwischen ein Standardwerk. Wenngleich einige der Formulierungen und Begriffe aus heutiger Sicht ein wenig antiquiert wirken, ist die Essenz des Werkes, nach menschlichem Ermessen, nahezu zeitlos. 

Über die Individualität  des Landes Westfalen:
Im Grunde genommen kann man die Individualität des Landes Westfalen einzig und allein ableiten aus seiner Lage im küsten- und stromfernen gebirgigen Binnenwinkel des Nordsee-Sektors am getrappten Nordwesthang des mitteleuropäischen Gebirgsdaches. 
Westfalen als anthropogeografischer Raum:
Das Land Westfalen als anthropogeografischer Raum ist somit nur als ein bestimmtes Geflecht von Kulturlandschaften zu verstehen. Dieses ist natürlich nicht für alle Zeiten festgelegt; es ist - wie alles Menschliche - historisch wandelbar. Inhalt, Form, Beziehung und Umfang eines Landes müssen daher jeweils neu bestimmt und gedeutet werden; dabei sind vor allem jene kulturlandschaftlichen Elemente ausfindig zu machen, die die einzelnen Landschaften verknüpfen und das jeweilige Beziehungsgeflecht  tragen. Schließlich gewinnt man durch das Studium der Kulturlandschaft eine konkretere Vorstellung vom Menschen selbst. .. Dem Einzelnen oft unbewusst, prägt sie den Bewohner und macht ihn zum >Kind seiner Heimat<. Wer also den Menschen in Westfalen verstehen will, muss seine Kulturlandschaften kennen: nur von ihnen und mit ihnen sind die Bewohner in ihrer Eigenart zu begreifen.  

Mittwoch, 1. Januar 2014

Westfälische Zoologen

Von Ralf Keuper

Die Zoologie als Wissenschaft ist mittlerweile ein weites Feld. Zu ihren bekanntesten Zweigen gehören u.a. die Ornithologie, die Entomologie und die Verhaltensforschung (Ethologie). 

Zu den ersten und bekanntesten Zoologen Westfalens zählt der legendäre Hermann Landois, auf dessen Betreiben hin am 26. Juni 1875 in Münster der erste westfälische zoologische Garten gegründet wurde, aus dem später der Allwetterzoo Münster hervorging. Unterstützt wurde Landois dabei von Ferdinand  von Droste zu Hülshoff, der ein bekannter Ornithologe war. 

Bernard Altum war zu seiner Zeit einer der führenden Ornithologen Deutschlands. So brachte er als erster eine Theorie zur Revierbildung bei Vögeln vor, worin er auch die Funktion des Vogelgesangs einschloss. (Wikipedia). Weitere bekannte Ornithologen sind Friedrich Westhoff und Joseph PeitzmeierJoachim Steinbacher war über 67 Jahre Herausgeber der ältesten und bedeutendsten Vogelliebhaber-Zeitschrift im deutschsprachigen Raum

Alexander Koenig, Sohn des "Zuckerkönigs" Leopold Koenig und Onkel der Schriftstellerin und Mäzenin Hertha Koenig, besuchte u.a. das Arnoldinum in Burgsteinfurt. In dieser Zeit begann er mit dem Sammeln von Vogeleiern und Tierpräperaten. Rückblickend bezeichnete er diese Zeit als prägend für seine berufliche Laufbahn. Er ist der Begründer des Koenig-Museums in Bonn. 

Horst Mester galt zu Lebzeiten als der beste Kenner der Vogelwelt der Balearen und der Pityusen. Ebenso hat er die heimatliche Vogelkunde mit zahlreichen Arbeiten bereichert. Sein wohl bekanntestes Werk ist Über den Kranichzug im mittleren Westfalen

Michael Speckmann und Gerd Harengerd haben das EU-Vogelschutzgebiet Rieselfelder Münster zu einem Paradies für Vögel gemacht, das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist.

Zwischen 1961 und 1973 erschien die Ornithologische Zeitschrift Anthus, die sich der Vogelwelt Westfalens widmete. 

Im September vergangenen Jahres erschien der erste Brutvogelatlas Nordrhein-Westfalen.

Unter den Ornithologischen Gesellschaften in Westfalen ist die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft im Kreis Unna besonders aktiv. Informativ ist auch die Seite Paderborner Natur Schule.

Ein spannendes Forschungsgebiet der Ornithologie ist die auf Günter Tembrock zurückgehende Biokommunikation und Bioakustik. Einer der bekanntesten Vertreter dieser relativ neuen Forschungsrichtung in Deutschland ist Andreas Wessel, der u.a an den Universitäten Münster und Siegen gearbeitet hat.

Ein bekannter Zoologe war  Hermann Wurmbach. Sein herausragender Ruf gründete vor allem auf seinem "Lehrbuch der Zoologie". 

Das Schloss Buldern im Münsterland beherbergte in den 1950er Jahren die Forschungsstelle für vergleichende Verhaltensforschung, in der Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld ihre Forschungen an Gänsen betrieben, für die sie später weltberühmt wurden.
Hanna-Maria Zippelius übte gegen Ende ihres Lebens in ihrem Buch Die vermessene Theorie Kritik an der von Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen vertretenen Instinkttheorie.  

Werner Schröder war langjähriger Direktor des Berliner Aquariums, das unter seiner Leitung die weltweit artenreichste Sammlung aufbauen konnte. 

Klaus-Jürgen Sucker war zuletzt als Verhaltensforscher mit dem Schwerpunkt Berggorillas in Uganda tätig, wo er unter mysteriösen Umständen 1994 verstarb.

Ein berühmter Verhaltensforscher war der gebürtig aus Bochum stammende und in den USA lehrende und lebende Eckhard Hess.

Wilfried Westheide gilt als einer der führenden Systematiker in der Biologie/Zoologie. Er hat einige Standardwerke verfasst. 

In Münster gibt es die bundesweit erste und bis dato einzige Forschungseinrichtung, die sich mit Fragen der Theologie und der Zoologie beschäftigt.