Samstag, 14. März 2015

Cybersecurity "Made in Westfalen"

Von Ralf Keuper

Die wachsende Durchdringung unseres Alltags durch das Internet bringt Fragen der Sicherheit im Netz, der Cybersecurity, automatisch auf die Tagesordnung. Nicht erst durch den NSA-Skandal ist einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden, wie gläsern der Einzelne im Internet inzwischen geworden ist. Der Hunger der sog. Datenkraken nach Informationen über das Nutzerverhalten, um daraus Profit zu erzielen, scheint unstillbar zu sein. Daten sind das neue Öl der Gesellschaft. Inzwischen nimmt die Zahl der Initiativen, die den Nutzer wieder zum Souverän über seine Daten machen wollen, zu, wie der in Bielefeld ansässige Verein Digitalcourage, das Projekt "Free Your Data" oder der Verein Data Assistance Europe

Hinzu kommt, ähnlich wie in der analogen Welt, die Bedrohung durch Betrugsfälle. 

Das alles bietet für Unternehmen und wissenschaftliche Institute ein großes Betätigungsfeld. Als ein besonders fruchtbarer Boden für das Thema Cybersecurity hat sich in den letzten Jahren Westfalen entwickelt. 

Unter den wissenschaftlichen Einrichtungen ragen die RuhrUni Bochum und die Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen hervor. Aus Bochumer Sicht sind dabei vor allem das Horst Götz Institut für IT-Sicherheit, das iseclab sowie das Gemeinschaftsprojekt unter Beteiligung der RuhrUni Bochum,  K3112, zu erwähnen, während in Gelsenkirchen das Institut für Internet-Sicherheit eine führende Rolle spielt. 

Bochum ist auch Sitz von G-Data, das nach eigener Aussage die weltweit erste Antiviren-Software auf den Markt gebracht hat. 

Eng mit dem Thema Cybersecurity verbunden ist die Kryptografie (Verschlüsselung), als dessen Vater gemeinhin Alan Turing gilt. Eng mit Turing in Austausch stand Heinrich Scholz, der währen der 1930er Jahre an der Uni Münster lehrte, und nach Ansicht von Achim Clausing dort auch die weltweit erste Informatik-Vorlesung abhielt. 

Ein bekannter Kryptoanalytiker war Erich Hüttenhain, ein, wenn man so will, Gegenspieler Alan Turings während des 2. Weltkrieges. Ein international anerkannter Kryptoforscher ist Eike Kiltz, der an der RuhrUni Bochum lehrt. 

Kaum ein Thema  wird derzeit so häufig in einem Atemzug mit der Kryptografie und der Cybersecurity genannt, wie die Digitalen Währungen sowie die Blockchain-Technologie. Von besonderer Bedeutung ist dabei die sog. Kurze Weierstraß-Gleichung, die auf den Mathematiker Karl Weierstraß, gebürtig aus Ostenfelde im Kreis Warendorf, zurückgeht. 

Wer sich mehr für den Zusammenhang interessiert, sei auf den Vortrag von Rüdiger Weis hingewiesen:


Lesenswert auch der Beitrag Bitcoin: Geldverkehr ohne Banken. Kryptografie wird Währung vom Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, der im Netz zum Download zur Verfügung steht. 

In Herford residiert übrigens die Bitcoin Deutschland AG, der erste und größte Handelsplatz für Bitcoins in Deutschland. 

Nicht die schlechtesten Voraussetzungen also, um bei einem der zentralen Zukunftsthemen vorne dabei zu sein. 

Weitere Informationen:

10 Jahre "Das Labor" in Bochum



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