Mittwoch, 26. August 2015

Hanseatische Prinzipien übertragen auf Wirtschaft 4.0: Hanse²

Von Ralf Keuper

Die Idee der Hanse erfreut sich in letzter Zeit wachsender Beliebtheit: Zu Recht, wenn man die vielfältigen Herausforderungen, vor denen Europa steht, berücksichtigt. Das betrifft natürlich auch den Bereich Wirtschaft. 

Gerade hier kann uns die die Idee der Hanse, wie sie von den Hansekaufleuten im Mittelalter in die Praxis überführt wurde, viele Anhaltspunkte liefern, wie wir in der Digitalmoderne, wenn also die Geräte selbständig miteinander kommunizieren werden, das dazu passende Wirtschaftsmodell finden können. 

Bei der Hanse handelte es sich um einen Kaufmannsverbund; heute würde man wohl Netzwerk dazu sagen. Der Zusammenschluss erfolgte weniger aus einem Bedürfnis nach Gesellschaft, sondern war geleitet von der Annahme, dass man zusammen besser gegen die diversen Gefahren auf hoher See, wie z.B. vor Piratenüberfällen, geschützt ist. Weiterhin war man sich einig, dass die Einführung verbindlicher Prinzipien, sogar mit eigenem Schiedsgericht, für das Gedeihen des Verbundes unabdingbar waren. Gemeinsam unterhielten die Kaufleute im Ausland die sog. Hansekontore, wie in Brügge und London

Nachdem die Hanse im späten Mittelalter von der Bildfläche verschwand, kam es bereits im 18. Jahrhundert zur ersten Rückbesinnung, wie bei dem Osnabrücker Staatsmann Justus Möser. Möser führte den schlechten Zustand der Wirtschaft jener Zeit u.a. auf das Fehlen eines eigenen Handels zurück. Daher plädierte er für die gezielte politische Maßnahmen, um an die Erfolge aus der Zeit der Hanse anknüpfen zu können.


Zwar ist die heutige Lage in Deutschland und Europa nicht mehr mit der von damals vergleichbar; dennoch können wir seit einiger Zeit feststellen, dass im Internet große monopolartige Gebilde, die sog. Digitalen Ökosysteme wie Apple, Amazon und Alibaba entstanden sind, die immer größere Teiles des Handels auf ihre Plattformen ziehen. Problematisch daran ist auch, dass diese Plattformen häufig Zugang zu Daten bekommen, die sie in den Stand versetzen können, ihrerseits in die Produktion einzusteigen oder andere Unternehmen damit zu beauftragen. 

Vor diesem Hintergrund ist es alles andere als abwegig, die Forderung nach einer europäischen Antwort auf die großen Internetkonzerne zu finden, wie mit Hanse², einer verschlüsselten, digitalen Plattform, die sich an den Prinzipien der alten Hanse orientiert, also: 
Ein starker Wirtschaftsverband politisch selbstbestimmter Bürger und Unternehmen über sprachliche Grenzen hinweg, der geprägt ist von gemeinsamen Wertvorstellungen.
Keiner der Partner hat demnach eine dominierende Stellung, keine aggregierte Sicht auf die Daten. Jeder sieht nur die Daten, die der andere zuvor für diesen Fall freigegeben hat. Dennoch besteht die Möglichkeit, Erfahrungen und Informationen miteinander in einer geschützten Umgebung zu teilen. Hierzu können auch Forschungsinstitute zählen. 

Westfalen mit seinem engen Bezug zur Hanse sowie seiner mittelständischen Wirtschaftsstruktur erscheint besonders geeignet, die Segel für den Aufbruch in die neue Zeit zu setzen. 

Eine Plattform wie Hanse² kann hier als Startrampe dienen.


P.S.

Ich bin an der Konzeption von Hanse² beteiligt. 

Weitere Informationen:



Die neue Plattform-Logik im B2B

"Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa" von Bernhard Gurk

Die westfälischen Kaufleute der Hanse

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