Dienstag, 30. Juni 2015

B64 - die unendliche Geschichte

Von Ralf Keuper

Eine Reise mit dem Auto über die B64, etwa von Höxter nach Münster, verlangt dem Fahrer bzw. der Fahrerin Geduld ab. Von einer durchgängigen Strecke kann nur bedingt die Rede sein, die Möglichkeiten zu überholen sind spätestens ab Warendorf stark eingeschränkt und die Zahl der Ampeln geht - gefühlt - in die Hunderte. Wer es bis Neuwarendorf geschafft hat, wird auf eine besondere Geduldsprobe gestellt: Ein einzelner LKW, ein Traktor gar, kann die Zeitplanung schnell ad absurdum führen und die Lust am Fahren starken Belastungen aussetzen. Spätestens dann stellt sich die Frage: Wäre es nicht besser, umzukehren und einen Feiertag für die erneute Reise einzuplanen? Bei privaten Terminen machbar, weniger jedoch bei geschäftlichen. Wer sich also auf die B64 begibt, signalisiert damit ein hohes Maß an Unerschrockenheit und Frustrationstoleranz. Nicht umsonst genießt die Fahrt von Münster nach Bielefeld unter Kennern den Ruf, eines der letzten Abenteuer zu sein, wie der Beitrag Westfälisches Abenteuer: Bielefeld - So nah und doch so fern feststellt. 

Die Verbindung zwischen Ostwestfalen und dem Münsterland über die B64 als der Hauptverkehrsachse, ist, gelinde gesagt, suboptimal. Das haben die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bereits vor Jahrzehnten erkannt, ohne dass von einem nennenswerten Fortschritt die Rede sein kann. Von dem Gedanken, der Vision, einer Bundesautobahn 43 hat man sich schon vor Jahren verabschiedet. Heute wäre man schon mit dem Ausbau der B64 vollauf zufrieden. Das Zukunftsprojekt trägt den Namen B64 Plus. 

Angeblich sollen 95 Prozent für den Ausbau der B64 sein. 

Ob das was hilft?

Da kann man nur von Glück reden, dass wenigstens die A33 demnächst fertiggestellt wird. Damit verkürzt sich die Fahrt zwischen Ostwestfalen und Niedersachsen bzw. dem Raum Osnabrück erheblich. 

Vielleicht überlegt sich der eine oder andere aus Ostwestfalen, ob es vielleicht nicht genauso gut ist, statt nach Münster nach Osnabrück oder weiter zu fahren ... Wer allerdings die Herausforderung sucht ... ;-)


Westfalen ohne Dortmund

Von Ralf Keuper

Auf einer vom Verein der Westfalen-Initiative ausgerichteten Veranstaltung aus Anlass des 200. Geburtstages der Provinz Westfalen hat der Chef der NRW-Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense, seine Gedanken zu einer Metropolregion Westfalen mit den Oberzentren Münster und Bielefeld sowie dem gefühlten westfälischen Osnabrück vorgestellt. 

Die mit Abstand größte Stadt Westfalens, Dortmund, kommt in den Überlegungen nicht vor. Diese wäre dann Bestandteil der Metropolregion Ruhrgebiet.

Damit hätten wir dann ja die Region Restfalen, die alle Jahre wieder durch die Gazetten geistert und scheinbar in der NRW-Staatskanzlei als Zukunftsmodell gilt, was bei der Landesregierung nicht viel heißen muss. 

Erstaunlich nur, dass aus den Reihen des Publikums und vor allem der Westfalen-Initiative kein Widerspruch kam. Zumindest berichteten die Westfälischen Nachrichten nicht davon. 

Ist in der Feierstimmung sicher untergegangen ;-)

Sonntag, 28. Juni 2015

Kornbrennereien in Westfalen

Von Ralf Keuper 

In Westfalen war gebrannter Korn lange Zeit das bevorzugte alkoholische Getränk. Während sich in anderen Landesteilen Deutschlands das Bier großen Zuspruchs erfreute, hielt man in Westfalen dem hochprozentigen Schnaps die Treue - sehr zur Sorge der Kirchenoberen, die den Gläubigen den Umstieg auf das Bier nahe legten:
Priester und Pastoren ermahnten die Gemeinden, vom Branntwein abzulassen und lieber Bier zu trinken. Etwa 1840 übernahmen die Brauereien auch die beliebte bayerische, untergärige Brau-Methode, um den Reiz des Bieres für die Westfalen zu erhöhen. Der Umschwung gelang …
Danach feierte das Bier in Westfalen ungeahnte Erfolge, in deren Folge Westfalen die Bierregion Nr. in Europa wurde, wie die aktuelle Ausstellung. Vom Korn zum Bier. Der erstaunliche Aufstieg Westfalens zur Brauregion Nr. 1 zeigt. 

Dennoch haben sich in Westfalen bis heute zahlreiche Kornbrennereien behaupten können, wenngleich ihre Zahl in den letzten Jahrzehnten insgesamt deutlich gesunken ist. Die meisten haben sich als Manufaktur positioniert - mit Erfolg, wovon die folgenden Beispiele Zeugnis geben (in alphabetischer Reihenfolge):
In Saerbeck kann man sich im dortigen Kornbrennerei-Museum über Geschichte und die Herstellungsverfahren des münsterländer Korns informieren. Im Sauerland kann man das in Sundern in der Alten Kornbrennerei

Denkmalwürdig sind inzwischen die Alte Brennerei Hille und die Brennerei Elmendorf.  

Weitere Informationen:

Kleine Kornbrennereien stehen vor dem Aus

Samstag, 27. Juni 2015

Die Geschichte der Post in Westfalen

Von Ralf Keuper

Die Rolle des Postwesens für den gesellschaftlichen Fortschritt wird meistens unterschätzt. Dabei kann man mit einigem Recht davon sprechen, dass die Informationsgesellschaft ohne die Post Utopie wäre. Der Wirtschaftshistoriker Alfred Chandler räumte dem Postwesen in seinem Buch A Nation Transformed by Information eine Schlüsselrolle für den Aufstieg der USA zur führenden Wirtschaftsnation der Welt ein. 

Auch in Westfalen übernahm die Post eine wichtige Funktion für die Beschleunigung des gesellschaftlichen Wandels. Wie anders, als mit der Post, war es sonst möglich, über weite Strecken zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben? Maßgeblichen Einfluss auf die deutsche Postgeschichte hatte das Postwesen im Königreich Westphalen, das wiederum ganz unter dem Einfluss Napoleons und seines Bruders Jérôme, als dem König von Westphalen, stand:
Die kurze Zeit des Bestehens des Königreichs Westphalen war für die Entwicklung der Post in Deutschland von großer Bedeutung. Napoleon holte Fachleute in seine besetzten Gebiete, um seine Vorstellungen eines modernen Postwesens zu verwirklichen. In Deutschland hatte sich die Post, anders als in Frankreich, nicht als einheitliches Ganzes entwickeln können. Die Interessen der deutschen Landesherren, der Könige, Herzöge und Kurfürsten, die auf ihre Posthoheit pochten, hatten dazu geführt, dass die von den Thurn und Taxis betriebene Kaiserliche Reichspost am Ende des 18. Jahrhunderts die Kontrolle über viele Gebiete verlor. ...
Als Entfernung war der kürzeste Weg zu berechnen. Dabei galt es einen Weg innerhalb des Königreichs zu finden, um die Transitkosten durch ein fremdes Postgebiet zu vermeiden. Alle Briefe und Pakete wurden in einem Journal und aus diesen in Postkarten eingetragen. Auf diesen Postkarten war die Anzahl der Briefe und die entsprechenden Adressen eingetragen und wurden den Bestimmungspostanstalten zur Kontrolle mit zugesandt. 
Es ist nicht ohne Ironie, dass zum Königreich Westphalen und damit auch zu dessen Postwesen nur wenige westfälische Städte und Gemeinden (Bistum Paderborn, Minden-Ravensberg, Grafschaft Rietberg-Kaunitz und Corvey) gehörten. 

Aber auch sonst kann die Postgeschichte Westfalens mit einigen Meilensteinen aufwarten, wovon u.a. die Beiträge zur Geschichte der Post in Westfalen einen Eindruck vermitteln. 

Die erste regelmäßig verkehrende Wagenpost Westfalens wurde im Jahr 1663 von dem Postmeister Ellinghaus aus Lippstadt eingeführt, der dafür die kurfürstliche Erlaubnis erhielt. Sie verkehrte regelmäßig auf den Strecken Minden über Herford, Bielefeld, Lippstadt, Hamm, Lünen bis in niederrheinische Wesel und Kleve
Ein weiterer bekannter Postmeister in Lippstadt war der Postmeister Pöppelmann. Auf ihn geht die Gründung der ersten richtigen Zeitung in Westfalen, der Lippstädtischen Zeitung, zurück. 

Im Jahr 1832 wurde die Post-Charte von Westfalen nach den neuesten Post-Bestimmungen und den besten Hülfsquellen veröffentlicht.  

In etwa zur selben Zeit wie in Lippstadt nahm das Postwesen in Münster seinen Anfang:
Erst Anfang des 17. Jahrhundert wurde in Münster eine ständige Porstverbindung eingerichtet. Zur Vorbereitung der Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück wurde 1643 ein Posthaus der Thurn und Taxisschen Reichspost in Münster eröffnet. 1669 wurde außerdem die fürstbischöfliche Landespost als Wagenpost für Pakete eingerichtet, so dass drei verschiedene Posten gleichzeitig in Münster abgingen.
Einer der bedeutendsten Postmänner Westfalens wie auch Deutschlands war Franz Michael Florenz von Lilien, der in den Diensten des Hauses Thurn und Taxis stand, welches das Postwesen Deutschlands bzw. des Deutschen Reiches entscheidend geprägt hat.
In jungen Jahren trat von Lilien in den Dienst derer von Thurn und Taxis, zunächst als Hofpage. Mit etwa vierzig Jahren war er Berater des Fürsten und nahm dessen Interessen am kaiserlichen Hof in Wien wahr. Die Entwicklung der Kaiserlichen Post des Reiches wurde maßgeblich durch seine Vorschläge beeinflusst; 1755 war er an der Einführung der Postwagen verantwortlich beteiligt. Er gilt als einer der wichtigsten Postmänner des 18. Jahrhunderts. 1747 wurde er für seine Verdienste von Kaiser Franz I. in den erblichen Reichsfreiherrnstand erhoben.
Intensiv mit der Postgeschichte Westfalens beschäftigt hat sich der ehemalige Postdirektor Heinz Neumann. Im Jahr 2014 überließ er seine umfangreiche Sammlung zur Postgeschichte Westfalens und Münsters dem Stadtarchiv Münster

Einen virtuellen Besuch ist auch die Postgeschichte von Steinfurt wert. 

Neben Münster war für einige Jahrzehnte auch Minden Sitz einer Oberpostdirektion. 

In Iserlohn kann man sein Wissen im Museum für Handwerk und Postgeschichte erweitern bzw. vertiefen: 
Die postgeschichtliche Sammlung führt den Besuchern in 6 Räumen die Geschichte des Post- und Fernmeldewesens und deren Begleiterscheinungen vor Augen. An ausgesuchten Beispielen wird gezeigt, wie die Entwicklung der Post ihren Gang nahm und heute durch Automation und Telekommunikation verändert wird. Eine voll funktionierende historische Telefonvermittlungsanlage gibt dem Besucher einen lebendigen Einblick in die Welt des Telefonierens.

Das moderne Postleitzahlensystem verdanken wir dem aus Oerlinghausen stammenden Carl Bobe

Weitere:

Johann Wilhelm Arndts

Engelbert Arndts

Freitag, 26. Juni 2015

Mein Westfalenland (Die Landeier)

Von Ralf Keuper

Die Gruppe Die Landeier aus Harsewinkel haben mit Mein Westfalenland eine Hymne auf unsere Region verfasst.

Hier zu hören ab Min. 3.12 . 


Westfälischer Heimatbund feiert seinen 100. Geburtstag

Von Ralf Keuper

Der Westfälische Heimatbund begeht morgen (Samstag) seinen 100. Geburtstag. Gegründet wurde der Verein im Jahr 1915 u.a. auf Betreiben von Engelbert von Kerckerinck zur Borg. Im Internet kann man sich den Entwurf zur Gründung eines Westfälischen Heimatbundes aus dem Jahr 1915 in der Ausgabe 3/2004 der Heimatpflege Westfalen auf Seite 5 bzw. 7 anschauen. 

Zur Zielsetzung des Vereins heisst es auf der Homepage:
Er wurde 1915 für das Gebiet der damaligen Provinz Westfalen gegründet. Heute umfasst sein Tätigkeitsbereich den Landesteil Westfalen von Nordrhein-Westfalen. Menschen und Landschaften, Kultur, Sprache und Bauwerke machen Westfalen unverwechselbar - zur Heimat für alle, die hier leben und sich wohlfühlen. 
Der Westfälische Heimatbund will diese Heimat bewahren und "in den Menschen, die in diesem Raum leben oder sich ihm zugehörig fühlen" will er das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wecken und vertiefen (§ 2 der Satzung). Dazu bündelt er ehrenamtliche Aktivitäten der Heimatpflege aus allen Regionen Westfalens unter einem gemeinsamen westfälischem Dach".
Der Westfälische Heimatbund gibt eine Vielzahl von Publikationen heraus, darunter das Jahrbuch WestfalenHeimatpflege in Westfalen und Westfälische Kunststätten. Daneben existiert noch der WHB-Shop, in dem sich jeder Westfale mit den nötigen Utensilien, die seine Heimatliebe bekunden, ausstatten kann. 

Trotz des feierlichen Anlasses liegt ein leichter Schatten über dem Ereignis. Wie das Landwirtschaftliche Wochenblatt in Was ist los beim Heimatbund? schreibt, ist der "Westfälische Heimatbund .. nach Wochenblatt-Recherchen seit 2014 nicht mehr Mitglied im bundesweiten Dachverband der Heimatpflege, dem „Bund Heimat und Umwelt“ (BHU)."

Weiter heisst es:
Westfalen bildet damit eine Lücke im BHU-Netzwerk mit seinen 19 Verbänden aus Heimatpflege, Denkmalschutz und Kultur, die derzeit 500.000 Mitglieder umfassen. Fragen der Finanzierung sowie thematische und offenbar auch persönliche Differenzen sollen zur Austrittsentscheidung beigetragen haben, die bislang öffentlich nicht bekannt geworden ist. Str.
Vielleicht wissen wir ja bald mehr.  

Weitere Informationen:

Westfälischer Heimatbund feiert doppelt

Westfalen als Geburtsstätte des Windsurfens in Deutschland

Von Ralf Keuper 

Westfalen als Geburtsstätte des Windsurfens? Das ist in der Tat ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Und doch haben die Pioniere des Windsurfens in Deutschland, die Charchulla Zwillinge, die in der internationalen Szene auch als Surftwins bekannt sind, Mitte der 1970er Jahre am Möhnesee ihre ersten Versuche mit selbst gebauten Surfbrettern durchgeführt. Die Begeisterung von Manfred Charchulla für den Surfsport führte u.a. dazu, dass in Lippstadt im Jahr 1975 der Windsurfing Club Westfalia Lippstadt e.V. gegründet wurde, dessen erster Vorsitzender Manfred Charchulla war. Wie es auf der Vereinsseite heisst, war "der WCW Lippstadt der erste Surfclub, der beim Seglerverband NRW sowie beim Deutschen Seglerverband als Verbandsmitglied aufgenommen wurde". 

Auf der Ostseeinsel Fehmarn gründeten die Brüder die erste Surf-Schule Deutschlands. Dort sind sie noch immer aktiv. 


Dienstag, 23. Juni 2015

Verl - Paradebeispiel ostwestfälischer Wirtschaftskraft

Von Ralf Keuper

Die Vielfalt und Dynamik der ostwestfälischen Wirtschaft scheint im "Mainstream" angekommen zu sein. Zur Veranschaulichung bietet sich der Blick auf ein Paradebeispiel ostwestfälischer Wirtschaftskraft - die Stadt Verl im Kreis Gütersloh - an. Die Wirtschaftsstruktur dieser 25.000 Einwohner-Stadt enthält eigentlich alles, wofür die Wirtschaft Ostwestfalens als Ganzes steht. Von der Möbelindustrie, über Elektrotechnik, Aluminium, Landmaschinen, Dienstleistung bis hin zur Lebensmittelbranche.
  • Möbel: Nobilia - Europas größter Hersteller von Küchenmöbeln - ca. 2.650 Mitarbeiter und annähernd 1 Mrd. Euro Jahresumsatz
  • Elektrotechnik: Beckhoff Automation, 2.800 Mitarbeiter ca. 510 Mio. Euro Jahresumsatz
  • Aluminium: heroal, ca. 800 Mitarbeiter und 120 Mio. Euro Jahresumsatz. Alulux, ca 300 Mitarbeiter, Graute 
  • Metallverarbeitung: Teckentrup (Türen, Tore, Garagen), ca. 900 Mitarbeiter, 140 Mio. Euro Jahresumsatz
  • Landmaschinen: Köckerling, ca. 160 Mitarbeiter 
  • Fleischverarbeitung: August Strothlücke, ca. 250 Mitarbeiter. Kleinemas, ca. 250 Mitarbeiter
  • Dienstleistung: BFS finance GmbH, ca 400 Mitarbeiter am Standort
Und das war noch nicht alles.

Weitere Informationen:

Ministerpräsidentin in Verl zu Gast


Warum in Ostwestfalen die meisten Weltmarktführer sitzen

Von Ralf Keuper

Die Wirtschaftswoche erläutert in dem Beitrag Warum in Ostwestfalen die meisten Weltmarktführer sitzen die in der deutschen Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte wirtschaftliche Dynamik und Vielfalt der Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe. 

Die Anzahl von Unternehmen mit Milliardenumsätzen und/oder einer führenden Position auf dem Weltmarkt, ist, so schreibt die Wirtschaftswoche, für eine eher ländliche Region nicht nur in Deutschland ohne Beispiel; ein Punkt, auf den in diesem Blog bereits mehrfach hingewiesen wurde, wie in Die Wirtschaft in Ostwestfalen Lippe - Von Ahlers bis Zwiebelzwerg.

Bereits vor einiger Zeit versuchte der Economist dem Phänomen in Greetings from Bielefeld - What Germany offers the world auf den Grund zu gehen. 

Gerade heute, am 23.06.2015, findet in Bielefeld der Tag der Weltmarktführer in Ostwestfalen-Lippe statt. 

Weitere Informationen:

Kennen Sie diese zehn Weltmarktführer aus Ostwestfalen?

Samstag, 20. Juni 2015

WESTFALE by Westphalica (Song)

Von Ralf Keuper

Die Gruppe WESTPHALICA sieht sich nach eigener Aussage als musikalischer Botschafter westfälischer Lebenskultur. Dabei präsentieren sie altes und neues Liedgut, überlieferte und neue Texte im eigenständigen Sound. Ein Beispiel dafür ist das Lied "WESTFALE"

Vom Wurstkönig zum Bio-Pionier - Karl Ludwig Schweisfurth (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper

Karl Ludwig Schweisfurth machte Herta zum größten fleischverarbeitenden Unternehmen Europas, indem er "Chicago" nach Herten holte, d.h. die Fließbandproduktion in die Wurstherstellung einführte. Im Jahr 1984 verkaufte er sein Unternehmen an den Lebensmittelkonzern Nestlé, um mit den Hermannsdorfer Landwerkstätten eine neue Karriere als Pionier der ökologischen Lebensmittelherstellung zu beginnen. 

Über seine Wandlung vom Saulus zum Paulus gibt Schweisfurth in dem Film Vom Wurstkönig zum Bio-Pionier - Karl Ludwig Schweisfurth Auskunft. 

Weitere Informationen:

Westfalen News #14

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Donnerstag, 18. Juni 2015

Heinz Nixdorf: Der Computerkönig aus Paderborn (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper

Die Filmdokumentation Heinz Nixdorf: Der Computerkönig aus Paderborn zeigt den sagenhaften Aufstieg von Heinz Nixdorf zu dem führenden deutschen Unternehmer seiner Zeit. Wie kein anderer hat er das Gesicht der Stadt und Region Paderborn verändert. Als seine größte unternehmerische Leistung gilt, dass er den Computer in die Büros gebracht hat. 


Der Film lässt bei aller Bewunderung auch kritische Stimmen zu Wort kommen. Zum Schluss, auf der legendären CeBit 1986 in Hannover, wurde schlagartig klar, dass Nixdorf dabei war, den Trend zu verpassen, der von IBM und Apple mit den PCs gesetzt wurde und Jahre später u.a. den Niedergang der Nixdorf Computer AG beschleunigte. 

Das Nachfolgeunternehmen Wincor Nixdorf befindet sich derzeit ebenfalls in stürmischer See. Es ist fraglich, ob Wincor Nixdorf seine Eigenständigkeit noch lange wird erhalten können. 

Mittwoch, 17. Juni 2015

Cappenberger Barbarossakopf

Von Ralf Keuper

Der Cappenberger Barbarossakopf ist ein Werk von hoher kunsthistorischer Bedeutung. Er gilt als die erste Porträtdarstellung der abendländischen Kunst seit der Zeit der Karolinger. 


Zur Entstehungsgeschichte heisst es bei Wikipedia:
Otto von Cappenberg weilte im Herzogtum Schwaben, als der älteste Sohn des Herzogs Friedrich II., der spätere Kaiser Friedrich I. Barbarossa, geboren wurde. Otto wurde deshalb die Ehre zuteil, dessen Taufpate sein zu dürfen. Als Erinnerung an dieses Ereignis ließ der Kaiser später den Barbarossakopf anfertigen und machte ihn und die Taufschale seinem Taufpaten zum Geschenk, möglicherweise Ostern 1156, das Friedrich in Münster feierte.
Der Barbarossakopf beschäftigt die Forschung bis in unsere Zeit. Im Jahr 2010 wurden die in der Statue befindlichen Devotionalien geröntgt. Über das Ergebnis berichtete der Spiegel:
Bei dieser Röntgendurchleuchtung kamen Skeletttrümmer zum Vorschein, manche kaum fünf Millimeter groß. "In den Bündeln liegen vor allem Fuß- und Zehenglieder sowie winzige Gesichtsknochen", erklärt Fink.
Heute befindet sich der Barbarossakopf im Kirchenschatz der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Evangelist in Cappenberg bei Lünen. 

Sonntag, 14. Juni 2015

"Stuhlmacher. Ein Haus - ein Name - Erinnerungen" von Bernd Haunfelder

Von Ralf Keuper

Wie kein anderes Haus ist Stuhlmacher in Münster über die Jahrzehnte zum Inbegriff westfälischer Gastlichkeit geworden. In seinem Buch Stuhlmacher. Ein Haus - ein Name - Erinnerungen lässt Bernd Haunfelder die Geschichte dieses traditionsreichen Gasthauses in Texten und Bildern Revue passieren. 

Bereits der Klappentext gibt einen Vorgeschmack:
Was wäre Münster ohne seine Gaststätten. Noch immer gilt, wer nie bei "Stuhlmacher" Bier trank, war in Münster nie Student. "Stuhlmacher" ist eben nicht nur eine "Kneipe", in der man hin und wieder vorbeischaut. "Stuhlmacher" ist der Inbegriff münsterscher Gastronomie-Kultur, für viele Stammtische eine Institution, für manche Gäste sogar eine zweite Heimat. Wer im Innern Platz nimmt, der spürt, dass dieses Haus Geschichte atmet, ein Stück gastronomischer Stadtgeschichte, und das in bemerkenswerter Vitalität und Unnachahmlichkeit. Der Autor erzählt anhand von reichhaltigem Bildmaterial die lebhafte Geschichte des berühmten Gasthauses nach, lässt Prominente zu Wort kommen und präsentiert Anekdoten rund um Bier und Geselligkeit. 
Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen; würde das Buch nicht mit weiteren wichtigen "Details" aufwarten. An Stuhlmacher muss Gerhard Nebel gedacht haben, als er in seiner kleinen Schrift Liebe auf den ersten Blick - Ein Besuch in Münster die Vorzüge münsterscher Gastlichkeit portraitierte

Die Geschichte des Hauses Stuhlmacher beginnt im Jahr 1890, als der damalige Besitzer, Gastwirt Bernhard Gunnemann, sein Haus an Louis Stuhlmacher aus Lippstadt veräußerte. Unter Louis Stuhlmacher, der bereits 1912 im Alter von 56 Jahren verstarb, wurde das Haus bereits eine angesagte Adresse in Münsters, wie man heute sagen würde, gastronomischer Szene. Seine Witwe Anna, über Jahrzehnte die gute Seele des Familienbetriebs und in Anekdoten und sogar einem Gemälde der Nachwelt überliefert, heiratete im Jahr 1914 Julius Feldhaus, mit dem zusammen sie den Gastbetrieb fortführte. 
Viel Wert legte das Ehepaar, und insbesondere Anna Feldhaus, auf die Inneneinrichtung. Lange vor dem Aufkommen der sog. Erlebnis-Gastronomie verstand sie es, das Haus mit einem "Flair" auszustatten, das seinesgleichen suchte. Ihr Eifer bzw. Geschick trug ihr den Beinamen "Brillanten Anna" oder "Königin von Saba" ein. Innenarchitektonische Meilensteine setzte das Paar mit dem Pilsener-, dem Wiedertäufer- und dem Lambertus-Zimmer. Bei der Gelegenheit schufen sie einen eigenen Stil münsterländischer Gaststätten-Architektur.

An der Ausgestaltung der Innenräume waren namhafte Münsteraner Künstler beteiligt, wie Bernard Bröker, der das Bild Die Lambertusfeier schuf, oder Theo Junglas, von dem Fahnenschlag am Guten Montag, Alte Stadtwache und Send stammten. Anton Kirschbaum schmiedete drei Deckenleuchter; ebenso Paul Mersmann, der den Lambertusleuchter schuf. Ein weiterer Künstler, der zum unverwechselbaren Stuhlmacher-Stil beitrug, war der Maler Fritz Grotemeyer mit seinem Bild Dämmerschoppen bei Stuhlmacher

Da die Ehe von Julius und Anna Feldhaus kinderlos blieb, beschloss das Paar, ihren Neffen Franz, der zu dem Zeitpunkt in Bettinghausen im Kreis Soest lebte, zu adoptieren. 

Der tiefste Einschnitt in der Geschichte des Hauses Stuhlmacher war, wie für viele andere Familienbetriebe auch, die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg. Wegen ihrer, für den Geschmack der damaligen Machthaber, zu bürgerlichen Gesinnung, musste die Familie Stuhlmacher den Betrieb abgeben. Im Bombenhagel des zweiten Weltkrieges ging das Haus Stuhlmacher, wie der gesamte Prinzipalmarkt, buchstäblich unter. Am 22. Oktober 1948 öffnete das Haus erneut seine Türen. Seit dieser Zeit lenkte Franz Feldhaus die Geschicke des Familienbetriebes. Jedoch blieb der komplette Wiederaufbau bis in die 1980er Jahre unvollendet. Entgegen dem Wunsch der Familie Feldhaus, die die Fassade des Hauses mit Ziegeln und Sandsteinelementen in seinen ursprünglichen, aus dem Jahr 1868 stammenden Zustand, bringen wollte, lehnte die Stadtverwaltung das Vorhaben mit dem Verweis auf die Ortssatzung ab, die nur Sandstein bzw. sandsteinfarbenen Putz gestattete. 

Am 10. Juni 1990 feierte das Haus Stuhlmacher sein 100jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass reiste mit dem Vorstand des langjährigen Geschäftspartners Hacker-Pschorr aus München auch ein Oktoberfest-Viererzug an. 

Zum Jubliäum gaben sich auch zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft und Politik die Ehre, darunter der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer, der eine launige Rede hielt. Auch sonst war bzw. ist das Haus Stuhlmacher beliebter, diskreter Treffpunkt führender Persönlichkeiten aus dem gesellschaftlichen Leben, weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Diesen Status teilte Stuhlmacher über Jahrzehnte mit einer weiteren Institution der Münsteraner Gastronomie, dem Haus Schucan, das gleich gegenüber lag. In seinem Vorwort kann Wolfgang Weikert sein tiefes Bedauern über den Verlust des Hauses Schucan nicht verbergen:
Nach der höchst bedauerlichen Schließung des legendären Schucan bietet sich nunmehr nur noch bei "Stuhls" die Gelegenheit, die besondere Atmosphäre Münsters zu genießen. ... So erhebe ich, nicht ganz selbstlos, mein frisches "Hacker Pschorr" und sage "Prost", auf dass uns niemand den Hahn abdrehe und das Trauma der Schucan-Schließung sich hier nicht wiederhole.

Samstag, 13. Juni 2015

Das Ehrenbuch der Westfalen - Die Westfalen im Weltkrieg

Von Ralf Keuper

In Gedenken an die westfälischen Soldaten, die im 1. Weltkrieg gekämpft haben, erschien im Jahr 1931 Das Ehrenbuch der Westfalen

Auf dem Internet-Portal "Westfälische Geschichte" kann man einige Auszüge daraus herunterladen:
Die Einleitung des Kapitels Der Westfale als Soldat zeigt in seiner Verklärung die Stimmung zu Beginn der 1930er Jahre, von der wohl nicht nur ein Oberstleutnant a.D. , wie der Verfasser des Ehrenbuchs, Wilhelm Müller-Loebnitz, beherrscht war. 
Die Westfalen und Rheinländer sind die Nachfahren der beiden kriegerisch am stärksten veranlagten und am erfolgreichsten Stämme, aus denen im Laufe der Jahrtausende das deutsche Volk zusammengewachsen ist, der Franken und der Sachsen. An der Schwelle der deutschen Geschichte steht die Großtat Hermanns des Cheruskers, der auf westfälischem Boden mit seinem Volksbaufgebot das erste Kriegsheer jener Zeit bis zur Vernichtung schlug und der deutschen Freiheit erstmals eine Gasse bahnte. 
Im Kapitel Kriegsausbruch und Mobilmachung ist von der Friedensliebe Kaiser Wilhelms I. die Rede. Die vermeintliche Friedensliebe des Kaisers und der militärischen Führung hat im letzten Jahr die Gemüter erneut bewegt. Anlass war das Buch Die Schlafwandler des australischen Historikers Christopher Clark, in dem dieser den Nachweis zu erbringen glaubte, dass an dem Ausbruch des 1. Weltkrieges die maßgebenden Nationen mehr oder weniger den gleichen Anteil hätten. Der Widerspruch bliebt nicht aus. Tenor war, dass Deutschland am Ausbruch des 1. Weltkrieges zwar nicht die Alleinschuld, wohl aber die Hauptschuld trägt. 

Das Ehrenbuch bildet demnach einen deutlichen Kontrast zu den Beschreibungen, des aus Osnabrück stammenden Erich-Maria Remarque in seinem Buch Im Westen nichts Neues

Weitere wichtige Informationen liefert das bereits angesprochene Portal des LWL auf der Seite Westfalen im Ersten Weltkrieg.

Erwähnens- und sehenswert auch der Film An der „Heimatfront" – Westfalen und Lippe im Ersten Weltkrieg


Freitag, 5. Juni 2015

Westfalen News #13

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Donnerstag, 4. Juni 2015

Das Täuferreich von Münster

Von Ralf Keuper 

Die Wiedertäufer bzw. das Täuferreich von Münster zählen, je nach Sichtweise, zu den dunkelsten Kapiteln der Münsteraner Stadtgeschichte. Als Vorlage für Filme haben die Wiedertäufer in den letzten Jahren Konjunktur. Am bekanntesten dürfte der Fernsehfilm König der letzten Tage, mit Christoph Waltz in der Hauptrolle, sein. 


In der Krimiserie Wilsberg erlebten die Wiedertäufer in der gleichnamigen Folge ebenfalls ein Comeback. 


An die Zeit der Wiedertäufer erinnern noch heute die Wiedertäufer-Käfige an der Lamberti-Kirche. 

Friedrich Dürrenmatt setzte den Wiedertäufern mit seinem Drama Die Wiedertäufer ein literarisches Denkmal. 

Heinrich Aldegrever verewigte den Anführer der Wiedertäufer, Jan van Leiden, in einem Kupferstich

Es gibt sogar ein Wiedertäufer-Musical


Mal sehen, was als Nächstes kommt ... ;-)