Freitag, 31. Juli 2015

Westfalenlob auf der "wissensoffensive 2015" in Hagen

Von Ralf Keuper

Am 10.08.2015 findet in Hagen der Mittelstandskongress "wissensoffensive" statt. 

Aus der Einladung: 
Die wissensoffensive 2015 versammelt zum wiederholten Mal innovative Entscheider aus Wirtschaft und Politik, um sich in thematischen Foren über „jede Menge“ auszutauschen: BIG DATA, Personal 4.0, Employer Branding, Cloud Computing, Wirtschaft 4.0, eKnowledge Solutions u.v.m.
Eine ganze Palette von Themen, die unter dem Oberbegriff Wirtschaft 4.0 zusammengefasst werden können. Die digitale Transformation der Wirtschaft, d.h. die wachsende Bedeutung, welche die Kommunikation von Maschinen, Autos und anderen technischen Objekten untereinander, z.B. mittels Sensoren, hat, macht gerade vor Südwestfalen als einer der größten Industrieregionen Deutschlands nicht Halt. Insofern kann es keinen besseren Ort als Hagen geben, um die Herausforderungen für die mittelständischen Unternehmen zu diskutieren. 

Zum Ende der Veranstaltung findet eine Podiumsdiskussion, an der auch ich teilnehme, unter dem Arbeitstitel "Westfalenlob" statt. Dabei handelt es sich um eine Reverenz an diesen Blog, vor allem aber auch an dessen "Spiritus Rector", Werner Rolevinck, der sich bereits im ausgehenden 15. Jahrhundert veranlasst sah, die vielen Vorzüge Westfalens ins rechte Licht zu rücken. 

Vor dieser Aufgabe stehen wir auch heute: Es reicht nicht, die vielen verborgenen Qualitäten der Region hinter vorgehaltener Hand, mit westfälischen Understatement, weiter zu erzählen, sondern bewusst auf die Stärken der Region hinzuweisen, ohne dabei zu übertreiben. Keine andere Region Westfalens ist dafür prädestinierter als Südwestfalen. Eine attraktive Wirtschaftsregion mit hohem Freizeitwert, einem reichhaltigen kulturellen Angebot, einer bewegten Geschichte und mit Universitäten, Fachhochschulen und weiteren Forschungseinrichtungen gesegnet, die auf Arbeitnehmer, Unternehmer und Kulturschaffende von außerhalb eine hohe Anziehungskraft ausüben kann, so sie denn will. 

Kurzum: Zeit, Westfalenlob vom analogen in das digitale Zeitalter zu überführen. Werner Rolevinck hätte sicherlich seine Freude daran. 

Weltmarktführer aus Westfalen #1

Von Ralf Keuper

Dass Westfalen Sitz ungewöhnlich vieler Weltmarktführer ist, spricht sich langsam rum, wie in dem Beitrag der Wirtschaftswoche Warum in Ostwestfalen die meisten Weltmarktführer sitzen. Daneben können aber auch Südwestfalen ebenso wie das Ruhrgebiet und das Münsterland mit zahlreichen "Hidden Champions" aufwarten. 

Am 8. September findet der nächste Tag der Weltmarktführer in Meschede statt. In der Meldung von Westfalen heute heisst es dazu:
Südwestfalen gilt mit rund 140 als Welt- oder EU-Marktführer gelisteten Unternehmen als Hochburg der "Hidden Champions". Der "Tag der Weltmarktführer" richtet sich an Unternehmer, Geschäftsführer und Entscheider aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen und findet in der Fachhochschule Meschede statt.
In der nächsten Zeit werden ich immer wieder auf die westfälischen Weltmarktführer zurückkommen und bei der Gelegenheit einige vorstellen. Aber auch andere Unternehmen, die vielleicht keine Weltmarktführer sind, in ihrem Bereich aber zur Spitze zählen, sollen hier vorkommen.

Den Anfang machen heute:
  • Busch & Müller - Weltmarktführer im Bereich Fahrradbeleuchtung 
  • Wilesco - weltweit größter Hersteller von Modelldampfmaschinen
  • Steinhauer & Lück - Einziger Hersteller von Bundesverdienstkreuzen 
  • Benkert Group - 18 Prozent Weltmarktanteil bei Zigarettenmundstückpapieren
  • Konrad Reitz Ventilatoren - weltweit führender Hersteller hochwertiger Industrieventilatoren
  • T+A elektroakustik - führender Hersteller hochwertiger Hifi-Anlagen
  • Sollich KG: weltweit führender Hersteller von Maschinen für die Süßwarenindustrie 
  • Union Knopf - weltweit größter Hersteller von Knöpfen
  • L.B. Bohle - führender Maschinen- und Anlagenbauer für die pharmazeutische Industrie
  • JÖST: international führendes Unternehmen in der Schwingungstechnik
  • Veka AG: Weltmarktführer für Kunststoffprofile
  • Ardex: Weltmarktführer im Bereich hochwertiger bauchemischer Spezialbaustoffe 
  • Wilo: Weltmarktführer für Pumpen und Pumpensysteme in der Gebäudetechnik

Sonntag, 26. Juli 2015

90 Jahre Flughafen Dortmund

Von Ralf Keuper

Im April diesen Jahres feierte der Dortmunder Flughafen seinen 90. Geburtstag. Schon im ersten Jahr starteten in Dortmund mehr Linienflüge als in Düsseldorf. 1927/1928 verzeichnete der Dortmunder Flughafen bereits 4.300 Starts und Landungen. 

Ebenfalls im Jahr 1925 wurde die Luftverkehr Aktiengesellschaft Westfalen (Welu) gegründet. Bereits im Jahr 1926 wurde, da die finanziellen Belastungen ungeahnte Ausmaße annahmen, von Stadt und Landkreis Dortmund, dem Staat Preußen, dem Provinzialverband Westfalen, der IHK sowie einigen Unternehmen die Flughafen Dortmund GmbH ins Leben gerufen. 

In diesem Jahr will der Flughafen mehr als 2 Millionen Fluggäste begrüßen. 

Weitere Informationen / Quellen:



Samstag, 25. Juli 2015

Nur das Wissen um die Leistung der Vergangenheit kann vor dem falschen Hochmut bewahren (Wilhelm Winkelmann)

In diesen Jahren, da Technik und Industrie mehr als je das Geschehen des Tages bestimmen und für die Zukunft wohl noch beherrschender werden, als wir es jetzt schon erdenken können, mag es gut sein, sich jener Zeiten zu erinnern, in denen Maschine und Industrie noch nicht regierten sondern der Einzelne mit seiner Hände Werk, das ist das Handwerk, all jene Dinge schuf, die im täglichen Leben gebraucht wurden. 
Je mehr mit den heranwachsenden Generationen anscheinend auch das Wissen darüber verschwindet, dass es wirklich einmal Jahrhunderte und Jahrtausende gegeben hat, in denen nicht nur alles Nützliche und Notwendige, sondern auch alles Große und Erhabene von der Hand des Menschen unmittelbar geschaffen und gestaltet wurde, um so notwendiger mag es sein, auf dies ganz Andere vergangener Zeit hinzuweisen. 
Denn nur so lässt sich die Gegenwart recht verstehen. Nur dies Wissen um die Leistung der Vergangenheit kann vor dem falschen Hochmut bewahren, als sei nur der gegenwärtige Tag mit seinen Erscheinungen das Höchste und als sei die Geschichte der Menschheit nur gleichbedeutend mit technischem Fortschritt und neuen technischen Errungenschaften.
Denn gemessen an dem, was die Menschheit im Innersten seit Jahrtausenden bewegt, was ihr Glück und ihre Freude ausmacht, ihre täglichen Sorgen sowohl als dem Bemühen um den Sinn des Lebens, den Jahrtausende alten Gesprächen um die beste Gestaltung der menschlichen Gemeinschaft, eben in diesen menschlichen Bereichen ist, soweit wir alte Überlieferungen verfolgen können, nur wenig Fortschritt und wenig Entwicklung, sondern nur das immer gleiche Bemühen geblieben.  

Man kann daraus ersehen, so berechtigt auch immer der Stolz auf neue technische Leistungen sein mag, wie wenig im Grunde all dies Äußerliche doch für den Menschen selbst bedeutet.  
Wenig aber auch, wenn wir bedenken, auf wieviel Schultern und Generationen dieses täglich Neue schon ruht. Denn nur dadurch, dass jede Generation oder vergangenen Jahrtausende das bereits Bekannte sicher in die Zukunft überlieferte oder ihre neue Erfindung hinzufügte, sind wir heute in der Lage weiter zu bauen. 
Wilhelm Winkelmann, Der Schmied von Beckum, in: Beiträge zur Frühgeschichte Westfalens 

Donnerstag, 23. Juli 2015

Flugplatz Oerlinghausen - größter Segelflugplatz der Welt

Von Ralf Keuper

Der Segelflugplatz Oerlinghausen im Kreis Lippe ist in gewisser Weise ein Flugplatz der Superlative - er gehört nämlich zu den zwei größten seiner Art weltweit. 


Mittwoch, 22. Juli 2015

Landlust hebt sich vom negativen Trend in den Printmedien ab

Von Ralf Keuper

Als eine von zwei Publikationen hat es die im Landwirtschaftlichen Verlag in Münster herausgegebene Zeitschrift Landlust geschafft, dem negativen Branchentrend zu trotzen, wie es u.a. in Schrumpfender Verkauf bei führenden Medien heisst. Im zweiten Quartal wurden 15.922 Exemplare mehr verkauft als noch ein Jahr zuvor. 

Damit setzt sich die Erfolgsgeschichte von Landlust fort. Mit einer verkauften Auflage von über einer Million Exemplare ist Landlust wohl die größte Erfolgsgeschichte im deutschen Zeitschriftenmarkt der letzten Jahre - und das aus einem auf Landwirtschaft spezialisierten Verlagshaus aus der "Provinz" ;-) 

Die Zeiten des rasanten Wachstums scheinen jedoch auch hier vorbei zu sein.

Weitere Informationen:

Westfälische Verleger und Verlage

Sonntag, 19. Juli 2015

Die Geschichte des Flughafens Gütersloh

Von Ralf Keuper

Die Geschichte des Gütersloher Flughafens beginnt offiziell im Jahr 1935. Die damalige Wehrmacht errichtete auf dem Gelände zwischen Gütersloh, Herzebrock und Harsewinkel-Marienfeld einen Militärflugplatz, auf dem bis zum Ende des 2. Weltkrieges deutsche Jagdflugzeuge stationiert waren. 

Danach übernahm die Royal Air Force (RAF) den Flughafen, der der größte Militärflughafen der Briten im Ausland war. Legendär waren die Senkrechtstarter und der Besuch der Red Arrows. Daneben wurde der Flughafen zeitweise auch zivil genutzt, u.a. von Bertelsmann.

Wie Klaus Kemper in seiner Biografie über Heinz Nixdorf schreibt, soll der Paderborner Computerpionier zumindest zeitweise, die Ansiedlung des Regionalflughafens für Ostwestfalen in Gütersloh präferiert haben.  

Auch große Passagiermaschinen (Tristar) konnten in Gütersloh starten und landen, wie ich selbst während eines mehrwöchigen beruflichen Aufenthalts dort sehen konnte. Hin und wieder kam auch mal ein Mitglied der königlichen Familie auf einer Stippvisite vorbei, wie ich ebenfalls beobachten konnte. Der Flughafen selbst ist eine "Stadt in der Stadt" - fragt sich nur welcher? Gütersloh oder Harsewinkel? So klar, wie man in Gütersloh meint, ist die Sachlage nicht. Allerdings haben die Stadträte von Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz ihre Anträge auf Rücküberstattung von rund 230 der insgesamt 340 Hektar Fläche ausgesetzt

Da die Briten den Flughafen, der seit einigen Jahren nicht mehr als Militärflugplatz genutzt wird, im kommenden Jahr räumen werden, ist die Diskussion über die weitere Nutzung seit einiger Zeit im vollen Gang. 

Diskutiert wird die Nutzung als interkommunales Gewerbegebiet sowie die Einrichtung einer Umweltschutzzone

Samstag, 18. Juli 2015

Westfalen News #16

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Automobilmanager aus Westfalen

Von Ralf Keuper

Der Faszinationskraft des Automobils hat sich auch Westfalen nicht entziehen können und wollen, worauf auf diesem Blog bereits in dem Beitrag Westfälische Automarken eingegangen wurde. 

Ein großer Automobilhersteller hat, abgesehen von dem Opel-Werk in Bochum, in Westfalen jedoch keine Wurzeln geschlagen. Ganz anders verhält es sich dagegen im Bereich der Automobilzulieferer. 

Dennoch haben Westfalen einigen Anteil an der Verbreitung wie auch Vermarktung des Automobils in Deutschland und das gleich von seinen Anfängen an, wie das Beispiel von Wilhelm Lorenz aus Geseke zeigt, der den Autokonstrukteur Gottlieb Daimler kennen lernte und in dessen junges Unternehmen, heute würde man wohl Start up sagen, investierte. Lorenz war nach Daimler der größte Aktionär der Daimler-Motoren-Gesellschaft.

Ein weiterer Westfale, der den Aufstieg der Daimler Benz AG als größer Aktionär nach dem 2. Weltkrieg maßgeblich beeinflusst hat, war der umstrittene Friedrich Flick

Eine wichtige Schlüsselstellung hatte nach dem Tod Friedrich Flicks die Mercedes Aktiengesellschaft Holding:
Die Mercedes Aktiengesellschaft Holding (bei Gründung: Mercedes-Automobil Holding AG) war eine im Jahr 1975 gegründete Zwischenholding zur Übernahme eines Aktienpakets von 25,23 % an der Daimler-Benz AG von Friedrich Karl Flick. Die Gesellschaft wurde bereits nach 18 Jahren durch Verschmelzung auf die Daimler Benz AG im Jahr 1993 wieder aufgelöst.
Der erste Generaldirektor der Volkswagen AG nach dem 2. Weltkrieg und damit Vorgänger des legendären Heinrich Nordhoff war Hermann Münch aus Iserlohn. 

Weitere bekannte Automobilmanager der Nachkriegszeit aus Westfalen sind Jürgen Hubbert, Joachim Milberg, Franz-Josef Kortüm und als die wohl schillerndste Figur Wendelin Wiedeking

Weitere:

Hellmuth Butenuth

Montag, 13. Juli 2015

Die Likörfabrik J. Bansi und die "Bielefelder Tropfen"

Von Ralf Keuper

Der Weg von der Konditorei zur Likörfabrik Bansi war ein weiter. Seinen Anfang nahm er in der Person von Johann Fortunat Bansi, der 1792 im schweizerischen Silvaplanta geboren wurde. Da es zu der Zeit in der Schweiz nicht genügend Arbeit für alle jungen Menschen gab, beschloss Fortunat Bansi, wie viele Schweizer jener Zeit, u.a. auch sein Bruder, sein Glück in Deutschland zu versuchen. Nach verschiedenen Stationen ließ er sich im Jahr 1813 endgültig in Bielefeld als Konditor nieder. Im Jahr 1816 übernahm er die Konditorei seines Bruders Lucas. 
Initialzündung für den Einstieg Bansis, der ständig auf der Suche nach neuen Geschäftsideen war,  in die Likör-Herstellung war eine Begegnung im Jahr 1822:
Da betrat 1822 ein Reisender in Sachen Liköre die Bielefelder Konditorei. Bansi testete dessen Proben und informierte sich über den Wirkungskreis des Reisenden und faßte den Entschluß, diesen zu seinem Geschäft passenden Fabrikationszweig selbst aufzunehmen, wiewohl sich Bansi eingestand, weder Kenntnisse in der Herstellung von Likören noch im kaufmännischen Bereich zu besitzen. Im Frühjahr 1823 unternahm er seine erste nicht sehr erfolgreiche Geschäftsreise nach Herford, die zweite folgte im Herbst des Jahres. Sie führte ihn per Pferd nach Wiedenbrück und Rheda, wo er seinen Vanillelikör absetzte. Das heimische Geschäft betrieb er inzwischen mit einem Lehrling, wobei die Arbeitskapazität der beiden bald überschritten wurde. Bansi entschloß sich, einen Reisenden zu engagieren. Der erste Reisende der Firma Bansi war der aus Horn stammende Wilhelm Lender, der bereits im November 1825 verstarb. Die Bilanz der Jahre 1823 bis 1826 erbrachte einen Gewinn von 3000 Reichstalern. Die in den folgenden Jahren sich weiter ausdehnende Likörfabrikation und Unannehmlichkeiten mit dem Konditoreigehilfen veranlaßten Johann Fortunat Bansi, die Konditorei am 16. Mai 1841 an seinen Neffen Jacob L'Orsa zu verkaufen. 
Im Lauf der Jahre nahm Fortunat Bansi seine Söhne Gottfried und Heinrich in das Geschäft auf. Im Jahr 1867 endlich zählt Fortunat Bansi zu den vermögendsten Kaufleuten Bielefelds:
1867 war das Geschäft so expandiert, daß Johann Fortunat Bansi bereits zu den zehn größten Steuerzahlern Bielefelds zählte. 1870 wurde der Handlung J. Bansi die polizeiliche Erlaubnis erteilt, im Haus 467/8 "den Weinhandel mit geistigen Getränken zu betreiben", verboten blieb zu diesem Zeitpunkt der Verkauf "zum Genusse auf der Stelle", also der Alkoholausschank.
Das mit Abstand bekannteste Produkt aus dem Hause Bansi waren die "Bielefelder Tropfen". 
Ein Produkt, das wie kein anderes der Bansi-Erzeugnisse für sich warb, waren die Bielefelder Tropfen. Eine Ansicht Bielefelds mit der Sparrenburg schmückt neben Ausstellungsmedaillen das Etikett der Fläschchen. Das bis heute geheimgehaltene Rezept der Bielefelder Tropfen, eines hochkonzentrierten Kräuterdestillates, entwickelte Johann Fortunat Bansi 1833. Noch um 1890 führte das Unternehmen sie als "Cholerabitter-Extract oder (Bielefelder Tropfen)" in Preislisten auf. Die Herstellung oblag in der Regel den Familienmitgliedern, allerdings produzierten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auch Destillateure die Tropfen in einem eigens dazu vorgesehenen Raum in dem Firmengebäude in der Friedrichstraße. Die Tropfen dienten als Durststiller, als Desinfektionsmittel und als Magenmittel - je nach Art des Einnehmens.
An die unter Fortunat Bansi eingeleitete Expansion des Geschäfts konnten seine Nachkommen nicht mehr in derselben Weise anschließen. Dennoch konnte der Betrieb offiziell bis zum Jahre 1968 fortgeführt werden. 
Das Haus in der Friedrichstraße erwarb die Fahrradhandlung Steinkrüger und Bekker. Rezepte und der Handelsname "J. Bansi", der noch zwei Jahre weiter geführt wurde, wurden an die Firma König in Steinhagen verkauft, die sich später mit der Firma Schlichte zusammenschloß. Bansi ist schließlich 1968 aus dem Handelsregister gelöscht worden. Dennoch konnte König & Schlichte, nachdem sie die Sektkellerei Schloß Böehingen in der Pfalz aufgekauft hatte, dieser den Namen "J. Bansi" zur Verfügung stellen. Der Sektvertrieb wurde 1987 mit allen Untermarken und Markennamen an die Firma Faber-Sekt veräußert. Faber verkaufte bis vor wenigen Jahren unter dem Vertriebsnamen "J. Bansi" Sekt, der sich in manchen Geschäften Süddeutschlands noch 1995 im Regal finden ließ. Allerdings ist in der Firma nichts über die Herkunft und die einstige Bedeutung des Namens "J. Bansi" bekannt.

Samstag, 11. Juli 2015

Westfälische Landmaschinenhersteller

Von Ralf Keuper

Die Einführung der ersten Landmaschinen sorgte in der Landwirtschaft für Arbeitserleichterung sowie Produktionsmengen und Ertragssteigerungen, die bis dahin undenkbar waren. Lange galt die Einführung industrieller Verfahren in der Landwirtschaft als utopisch. In Deutschland war es August Claas, der mit der Herstellung des ersten fahrbaren Mähdreschers für eine Sensation sorgte. Die Claas-Gruppe ist heute der größte Landmaschinenhersteller Europas. 
Aber auch sonst haben zahlreiche Unternehmer aus Westfalen mit ihren Landmaschinen Maßstäbe gesetzt. Die meisten Betriebe begannen als Schmiede. Erst mit zunehmendem Geschäftsumfang wurden moderne Produktionsverfahren eingeführt. Noch bis in die 1970er Jahre hinein hieß es hier und da, dass selbst Claas im Grunde genommen nur eine große Schmiede sei. 

Ähnlich wie im Automobilbau, mussten die meisten Hersteller erkennen, dass sie auf Dauer nur unter hohem Kapitalaufwand auf dem internationalen Markt bestehen konnten. Nur wenige Unternehmen, wie Claas, konnten diesen Weg einschlagen. Dennoch haben es einige geschafft, sich in ihrem Bereich zu behaupten, wie Köckerling, Kuxmann oder Geringhoff. Andere haben sich als Zulieferer,  auch für andere Branchen, spezialisiert. Die meisten jedoch haben den Betrieb irgendwann eingestellt. 

Ein prominenter Hersteller mit westfälischen Wurzeln war Schlüter-Traktoren aus München, deren Gründer, Anton Schlüter, aus Brilon stammte. 

Ein - zu Unrecht -  fast vollständig in Vergessenheit geratener Pionier der Landmaschinenindustrie ist Friedrich Ottomeyer, über dessen Unternehmen es auf Wikipedia heisst:
Bekannt ist das Unternehmen vor allem als Hersteller und Betreiber von Dampfpflügen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die von Ottomeyer zur Moorkultivierung entwickelten Tiefpflüge vom Typ Mammut sind die größten Pflüge der Welt, und die dazugehörigen, von Ottomeyer verstärkten Pfluglokomotiven sind die leistungsfähigsten jemals gebauten selbstfahrenden Lokomobilen aller Zeiten.
Hier nun eine Liste der Westfälischen Landmaschinenhersteller. Als Quelle fungierte dabei vor allem die ausgesprochen informative Seite Historische Landmaschinen von A bis Z - Geschichte der Landtechnik von Klaus Dreyer.
Noch als Landmaschinenhersteller aktive Unternehmen aus Westfalen:

Donnerstag, 9. Juli 2015

Bevölkerungsprognose der Bertelsmann-Stiftung hinterlässt - nicht nur in Dortmund - einige Fragen

Von Ralf Keuper 

Mit ihrer neuesten Studie zur Bevölkerungsentwicklung hat die Bertelsmann-Stiftung in einigen Redaktionsstuben für Verwirrung und Nachdenken gesorgt, wie z.B. bei den Ruhrnachrichten. Während die meisten Redaktionen im Land die Zahlen unwidersprochen übernehmen und wiedergeben, hat sich Oliver Volmerich in dem Beitrag Rätsel um Bevölkerungsentwicklung in Dortmund einfach mal die letzten Zahlen der Bevölkerungsentwicklung des Landesamtes für Statistik für Dortmund vorgenommen und dabei eine Lücke oder sagen wir, unterschiedliche Methoden und Interpretationen festgestellt: 
Rätselhaft ist vor diesem Hintergrund, warum für 2015 eine Bevölkerungszahl von 571.510 genannt wird - entgegen dem tatsächlich positiven Trend der vergangenen Jahre 530 Menschen weniger als 2012. Nach Auskunft der Stiftung beruht diese Zahl auf einer Prognose, weil für 2015 (logischerweise) noch keine amtlichen Zahlen vorliegen. ... Wie die Experten des Landes gehen auch die Statistiker der Stadt davon aus, dass Dortmund in absehbarer Zeit wieder mehr als 600.000 Einwohner hat. ... Die Prognose der Bertelsmann-Stiftung geht von einem geringeren Effekt der Zuwanderung nach Dortmund aus. Dort blickt man vor allem auf die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung, also auf die Tatsache, dass mehr Menschen sterben als geboren werden.Warum allerdings der amtlich festgestellte Zuwachs der letzten Jahre nicht in die Prognose eingeflossen sind, bleibt unklar.
Auf diesem Blog habe ich auf das Phänomen, nicht nur was die Zahlen für Dortmund angeht, in dem Beitrag Kreative Statistik: Bevölkerung in Westfalen sinkt bis 2040 um knapp fünf Prozent aufmerksam gemacht. 

Statt Zahlen der diversen Institute und Stiftungen einfach nur abzudrucken und dann Kommentare dazu verfassen, welche die Richtigkeit bzw. Objektivität als gegeben hinnehmen, sollten sich die Zeitungen etwas Zeit für das kritische Hinterfragen nehmen, wie es Oliver Volmerich am Beispiel von Dortmund gemacht hat. Dafür braucht man keine besonders tief reichenden Statistik-Kenntnisse. Die Tatsache, dass die Zeitungen derzeit einen Vertrauensverlust von nie dagewesenem Ausmaß erleben, ist auch darauf zurückzuführen, dass diese kritische Distanz verloren gegangen ist. 

Als Wiederaufbereitungsanlage für PR-Meldungen benötigen wir keinen Journalismus mehr, zumindest keinen, für den Geld zu verlangen sich rechtfertigen ließe. 

Weitere Informationen:

Keine Großstadt in NRW wächst so schnell wie Bielefeld

Mittwoch, 8. Juli 2015

Die Geburtsstunde des WDR schlug in Münster

Von Ralf Keuper

Für uns gehören der WDR und Köln in etwa so zusammen wie Oetker und Bielefeld, so als wäre der WDR in einen Urknall in Köln entstanden und seitdem, ähnlich wie der Dom, aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Dabei schlug die Geburtsstunde des WDR bzw. seines Vorläufers, der Westdeutschen Funkstunde AG, am 10.10.1924 in Münster, woran der WDR in seinem Beitrag Meilensteine - WDR-Geburtsstunde 1924: Westdeutsche Funkstunde erinnert. 

Die "Traumfabrik" stand in unmittelbarer Nähe des Dortmunder Ems-Kanals. 

Weiterhin heisst es in dem Beitrag:
Schon ein Jahr später, 1925, kamen Sendestellen in Wuppertal und Dortmund hinzu. Mittlerweile wuchs die Hörerschaft auf 80.000 Radiofans in Westfalen und im Rheinland an. Viele hörten "schwarz", in den besetzten Gebieten war der Empfang der Sendungen zudem streng verboten. Nachdem die Allierten aus der Gegend um Köln abzogen, wechselte die Westdeutsche Funkstunde AG an den Rhein und wurde zur Westdeutschen Rundfunk Aktiengesellschaft. Die Sendestelle Münster wurde auf Anordnung des Reichspropagandaministeriums 1933 geschlossen, aus Kostengründen und weil die Nazis den Funk zentralisieren wollten.
Weitere Informationen:

Westdeutsche Funkstunde AG (WEFAG)



Samstag, 4. Juli 2015

Westfalen News #15

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Film -und Kinoland Westfalen

Von Ralf Keuper

Der Film zählt zur sog. Massenkultur. Die Filmindustrie in Hollywood und anderswo unterliegt in etwa denselben Produktionsprinzipien, wie sie in der Automobil- oder Konsumgüterbranche gelten. Für den Konsum wurden eigens große Filmtheater, Kinos, errichtet. In den letzten Jahren hat sich die Mediennutzung, weniger der Medienkonsum, grundlegend gewandelt. Sogenannte Streaming-Dienste wie Netflix setzen den Filmstudios massiv zu. Daneben steigen die großen Internetkonzerne wie Amazon, Apple, Alibaba und Tencent selbst in das Filmgeschäft ein. 

In Westfalen hielt das Kino, wie in den anderen Regionen Deutschlands auch, über die sog. Wanderkinos Einzug. Auf dem Portal Westfälische Geschichte heisst es dazu:
In Westfalen scheint die Massenkultur keine Besonderheiten entwickelt zu haben. Im Bereich des Films erfolgte nach dem Auftreten der ersten Wanderkinos seit der Mitte der 1890er Jahre die Gründung fester Kinos nach der Jahrhundertwende. Ihre Zahl, Größe und Ausstattung nahmen zu Beginn der 1920er Jahren noch einmal zu, um dann bis zum Beginn der 1950er Jahre zu stagnieren, seit Beginn der 1960er Jahre dann zurückzugehen. Gemessen an der Bevölkerung wich im Jahre 1935 die Zahl der Kinoplätze in der Provinz Westfalen mit 24 pro 1 000 Einwohner nur leicht vom reichsdeutschen Durchschnitt (27 Plätze) ab. Das Publikum dürfte anfangs entsprechend der Wirkungsstätten der frühen Filmvorführungen - Kirmessen und Varietes - eher aus den Unterschichten gekommen sein, erweiterte sich aber bald mit dem Übergang zu den festen, gut ausgestatteten Kinos sowie der "Veredlung" und Verlängerung der Filme auch auf die Mittel- und Oberschichten.
Gewiss - nicht alle Filme wollen die Massen ansprechen. Bis heute ragen aus der Vielzahl der Produktionen Filme mit hohem ästhetischen und politisch-aufklärerischen Anspruch heraus. 

Zu den anspruchsvollsten Kinobesuchern Deutschlands zählen die Einwohner von Münster. Besonders informativ ist die Seite Kinos in Münster
Großen Zuspruch bei den Fernseh-Zuschauern finden der Tatort aus Münster sowie die ebenfalls in Münster spielende Krimi-Serie Wilsberg. Mittlerweile gibt es auch einen Tatort Dortmund

Daneben finden in NRW zahlreiche Filmfestivals statt. Überregional bekannt sind das Filmfestvial Münster sowie das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund. Auf letztgenanntem Festival wird der RWE-Filmpreis vergeben. Hervorzuheben sind ebenfalls das Open Air Kino im Schloss Strünkede (Herne) und Der Dortmunder Filmtag. Weiterhin gibt es in Westfalen einige Filmclubs, wie den Dortmunder, den Münsteraner, den Paderborner, den Bielefelder und den Soester. Weitere Informationen finden sich auf der Seite des Bundesverbands Deutscher Filmautoren Nordrhein-Westfalen - Region Westfalen

In Bielefeld residiert in Erinnerung an den großen Sohn der Stadt die Friedrich Murnau-Gesellschaft 

Einer der Erneuerer der Kinolandschaft Deutschlands war Heinz Riech aus Freckenhorst (Stadt Warendorf), der die Schachtelkinos einführte. Zum Zeitpunkt seines Todes war Riech mit seiner Ufa der größte Kinobetreiber Europas (453 Kinos in Deutschland). 

Riech erwarb im Jahr 1971 von Bertelsmann die Ufa-Theater AG. Bertelsmann kaufte im Jahr 1964 sämtliche Aktien der Universum Film AG. Noch immer richtet Bertelsmann jedes Jahr die Ufa - Filmnächte in Berlin aus. 

Die Schachtelkinos sind heute weitestgehend den Multiplex-Kinos gewichen; auch in Westfalen, worüber man sich in dem Beitrag Mulitplex-Kinos in Westfalen informieren kann. 

Von überregionaler Bedeutung ist das Grimme-Institut in Marl, das jährlich den Grimme-Preis verleiht. 

Weitere Informationen:

Westfälische Filmregisseure