Sonntag, 27. September 2015

Weltmarktführer aus Westfalen #9

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie Weltmarktführer und Hidden Champions aus Westfalen, heute mit
  • technotrans: Weltmarktführer bei Anwendungen im Rahmen der Kernkompetenz Flüssigkeiten-Technologie
  • emsa: Marktführer bei Haushaltswaren
  • Boesner Europäischer Marktführer für professionelle Künstlermaterialien
  • J.D. Neuhaus: Weltweiter Technologieführer im Segment pneumatischer und hydraulischer Hebezeuge
  • Brabus Größter unabhängiger Tuningbetrieb der Welt
  • SEEPEX: Weltweit führender Spezialist im Bereich der Fördertechnologie mit Exzenterschneckenpumpen, Maceratoren und Steuerungssystemen
  • Vesuvius: Weltweiter Marktführer bei Produkten und Lösungen zur Verbesserung der Leistung von Giessereien
  • dSpaceWeltweit führender Anbieter von Werkzeugen für die Entwicklung und den Test mechatronischer Regelungssysteme
  • BurgbadWeltmarktführer im Bereich individuelle Badmöbel-Lösungen hochwertiger Segmente
  • KostalEuropaweiter Marktführer für komplexe Lenksäulenmodule

Samstag, 26. September 2015

Was ist Westfalen? #21

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Otto von Bismarck, entnommen seiner Rede an die Westfalen:
Meine Herren, ich bin dieser Zeit - ich kann beinahe sagen - aus allen deutschen Gauen hoch geehrt worden durch Begrüßungen und Anerkennungen, und wenn Sie mir dieselben aus Ihrer engeren Heimat bringen, so können Sie sagen, dass sich in Westfalen der Mikrokosmos der deutschen Welt wiederholt, in kleinerem Maßstabe und in zum Teil tieferer Färbung wie in anderen Teilen der deutschen Heimat. ... Schon von unserer frühesten Geschichte her spielt das Westfalenland eine hervorragende Rolle. Ich bin überzeugt, dass Hermann der Cherusker in westfälischem Dialekt gesprochen hat. Ich wüsste nicht, woraus man schließen könnte, dass er damals anders gelautet hat wie heut in Paderborn und dem Teutoburger Walde ... fast alle unsere germanisierten wendischen Länder, meine Heimat Brandenburg, in erster Linie Mecklenburg, weiter hinaus Pommern, sind durch westfälische Pioniere germanisiert worden - so weit heute die plattdeutsche Sprache reicht, sie ist von Westfalen ausgegangen und bis nach den baltischen Provinzen nach Russland hin; in Livland, in Estland war die herrschende Klasse der Bürger und des Adels noch hauptsächlich westfälischen und plattdeutschen Ursprungs, und ich selbst habe in Estland gefunden, dass der Deutsche dort nicht Deutscher, sondern Sachse, "Sachsenherr" genannt wurde, was also doch in der uralten Beziehung des Sachsentums in Westfalen hindeutet. Ich habe stets gefunden, dass der Westfale sich immer als solcher bekennt, während ich dasselbe von anderen deutschen Stämmen nicht sagen kann. ... Westfalen ist ein Land, auf das Anwendung findet, was ich auf einer Reise in Schweden in einem Liede gefunden habe, was die Schweden von ihrem Lande sagen: "Im Land sitzt Eisen, und auf dem Land wohnen Männer", und das ist für Westfalen zutreffend: "ganze Männer". 

Montag, 21. September 2015

Weltmarktführer aus Westfalen #8

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie Weltmarktführer und Hidden Champions aus Westfalen, heute mit
  • MedSkin Solutions Dr. Suwelack: Mit ihren Produkten Weltmarktführer bei der Behandlung von Brandopfern
  • Tece GmbH: Führender Hersteller und Anbieter von Haustechniksystemen
  • Gustav Wolf: Führender Anbieter von hochwertigen Stahldrähten, Stahlcord und Stahlseilen
  • Qass: Weltmarktführer auf dem Gebiet der Risserkennung beim Biegerichten von Getriebewellen
  • Comprion: Worldwide leading leading manufacturer of test equipment for Terminal testing, Smart Card testing and Monitoring for contact-based and contactless devices
  • Berghoff: Weltmarktführend im Bereich der mechanischen Bearbeitung von Werkstücken für die metallverarbeitende Industrie
  • Albert Turk GmbH & Co. KG: Weltmarktführer im Bereich der Gießereiwerkzeuge
  • SKS metaplastScheffer-Klute GmbH: EU-Marktführer von Kunststoff-Radschützern und führender Anbieter von Fahrradzubehör
  • THIELE GmbH & Co. KG: Weltmarktführer für Ketten und Kettensysteme in Steinkohle-Förderanlagen
  • Schroth Safety Products GmbH: Weltmarktführer für Sicherheitsgurte in der Luftfahrt, im Motorsport und bei militärischen Bodenfahrzeugen

Sonntag, 20. September 2015

Johannes Gigas - der erste Kartograf Westfalens

Von Raf Keuper

Johannes Gigas, so jedenfalls Hans Kleinn in seiner Studie Johannes Gigas (Riese), der erste westfälische Kartograph und sein Kartenwerk, verschaffte der Kartographie in Westfalen Geltung. Bis dahin war die Kartographie in Westfalen eine weisse Fläche. Dabei war Gigas mehr als "nur" Kartograph. Daneben war er u.a. Leibarzt des Kurfürsten Ferdinand I. von Bayern und ein bekannter Mathematiker und Physiker seiner Zeit. Im Grunde genommen also ein Universalgelehrter, wie sie zu jener Zeit noch auftraten. 

Obwohl Gigas heute vor allem als Kartograf bekannt ist, war seine Schaffensphase in dieser Disziplin nur von relativ kurzer Dauer. Diese Zeitspanne jedoch reichte aus, um die Kartographie, nicht nur Westfalens, nachhaltig zu prägen, wie Kleinn feststellt:
Betrachtet man das kartographische Schaffen in Westfalen im 17. und 18. Jahrhundert, so erkennt man, dass der Name Gigas einen hohen Stellenwert besaß. Geht man aus von den von ihm veröffentlichten Karten, so bleibt eigentlich nur eine sehr kurze Zeit, die man als Höhepunkt in der Gigas-Kartographie ansetzen kann, nämlich die Zeit von 1616 bis etwa 1624. Setzen wir voraus, dass er sich vor dem Druck der Schaukarte bereits mit der Kartenaufnahme befasst hat, dann kann die Zeitspanne um etwa 10 Jahre zurückverlegt werden. .. In diesen wenigen Jahren hat die westfälische Kartographie jedoch einen wesentlichen Fortschritt erfahren, der neidlos von den großen Kartenmachern der Zeit anerkannt wurde. Neben den niederländischen Excudoren sind es in der Folgezeit die deutschen, französischen und auch italienischen Kartographen, die gern auf die Arbeiten eines Johannes Gigas zurückgegriffen haben. Das untermauert unsere Behauptung, dass Johannes Riese, der als Gigas bekannt wurde, nicht nur der erste westfälische Kartograph gewesen ist, sondern dass seine Arbeiten die ersten wirklich exakten und somit für Emendatoren verwendbare Darstellungen gewesen sind (in: Westfälische Forschungen, 31. Band 1981)
Als Hauptwerk von Gigas gilt gemeinhin der sog. Kölner Atlas, der erste "wirkliche" Atlas Nordrhein-Westfalens. Ein für seine Zeit innovatives "Projekt", insofern, als Gigas als Erster eine Karte für einen begrenzten Raum erstellte, die zudem sehr genau war, wie Werner Bergmann in einem Vortrag betont. 


Weitere wichtige Karten aus der Hand von Gigas sind die Schaukarte vom Bistum Münster, die "Pauluskarte" vom Bistum Münster und die Karte des Fürstbistums Paderborn 

Ein weiterer wichtiger Kartograf aus Westfalen, der zeitlich sogar noch deutlich vor Gigas gewirkt hat, ist Tilemann Stella, der die älteste Karte von Mecklenburg erstellt hat. Allerdings hat Stella sich als Kartograf nicht mit Westfalen beschäftigt. Sein großes Ziel, sein Traum war eine große, detaillierte Deutschlandkarte. 

Eine weitere bekannte Karte Westfalens ist die Westfalenlandkarte von 1579

Weitere Informationen:

"Was ist Westfalen?" #20

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Tönne Vormann, entnommen seinem Text Die Eigenart des Westfalen.
Ein namhafter Politiker der Reichsgründungszeit hat einmal das Westfalenland einen Mikrokosmos Deutschlands genannt - ich jedoch möchte mehr vom Münsterland als einem solchen von Westfalen sprechen; weil die bäuerliche, nahrungsträchtige Ebene meiner Heimat für Westfalen das eigentliche "Lebensleit" war. Hinzu kommt die fliegende und laufende Beseelung der Natur an vielfältigem wilden Getier mit seiner Bekämpfung und Bejagung von alten Zeiten her; mit dem Schutz der von Dornen verbrämten Wallhecke gegen Wolf und Wildschwein. Hier wuchs das Gespür des Westfalen wie der Instinkt des naturverbundenen Tieres; das ganz einfach mit seiner Formwerdung gewachsen und in jedem Menschen meines Heimatlandes mit der Geburt wieder geweckt wird. 
Der Westfale aus der Eichenwiege und vom offenen Herdfeurer hinter Wallhecken kennt aus seiner starken Stille heraus nicht den schlagenden Witz des wandelfrohen Rheinländers; sein Lachen kommt von der gemut erzählten Mitteilung des Mutterlandes, vom "Döneken" her; die nie direkt, sondern zwischen den Geschehnissen aus einer synthetischen Weisheit heraus humorvoll leuchtet - wie der anhaltende Brand aus den knorrigen Knuben der Wallhecke auf dem Herdfeuer (in: Westfalen unter sich über sich, hrsg. von Rainer Schepper)

Samstag, 19. September 2015

Westfalen News #20

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Freitag, 18. September 2015

Der Hohe Dom zu Paderborn (Kurzfilm)

Von Ralf Keuper

Erst in dieser Woche feierte der Hohe Dom zu Paderborn sein 1000jähriges Jubliäum. Am 15. September 1015 wurde der neue Dom von Bischof Meinwerk eingeweiht. 

Der ausgesprochen sehenswerte Film Der Hohe Dom zu Paderborn schildert die bewegte Geschichte dieses nicht für Westfalen so wichtigen sakralen Bauwerks.


Von Gertrud von Le Fort stammt der Satz: 
Der Dom in Münster ist der mächtigste, der Dom in Paderborn der prächtigste und der in Minden der andächtigste.
Die Aufzählung wäre unvollständig ohne den St. Patrokli Dom in Soest.  

Donnerstag, 17. September 2015

Der weltberühmte „Herr Alexander“. Der Zauberkünstler Alexander Heimbürger aus Münster

Von Ralf Keuper

Er war eine - auch an heutigen Maßstäben gemessen - internationale Berühmtheit: der Zauberkünstler Alexander Heimbürger aus Münster. Unsterblich wurde Heimbürger nicht zuletzt durch Herman Melville, der ihn in seinem Hauptwerk Moby Dick als "Herrn Alexander" verewigte. Seine erfolgreichste Zeit erlebte Heimbüger in Nord-und Südamerika. Der damalige amerikanische Präsident James Polk ließ sich von ihm im Weißen Haus "verzaubern". 
Als der brasilianische Kaiser Dom Pedro II. de Alcantara im Jahr 1897 auf seiner Reise durch Deutschland in Münster Halt machte, tat er das vor allem deshalb, um Heimbürger einen Besuch abzustatten. 

Alexander Heimbürger - ein Abenteurer, der in Münster einen ruhigen Lebensabend verbrachte. 

Weitere Informationen:

Open Data in Westfalen - Fehlanzeige?

Von Ralf Keuper

An den Einsatz von Open Data, d.h. die freie Verfügbar- und Nutzbarkeit von – meist öffentlichen – Daten, haben sich mittlerweile hohe Erwartungen geheftet. Vorreiter auf diesem Gebiet sind die USA und Großbritannien. Deutschland liegt hier, wie so oft, wenn es um technologische Neuerungen geht, im Mittelfeld. Zugegeben: Eine Strategie, die sich bislang weitgehend bewährt hat ;-)

Einen guten Überblick über die Möglichkeiten, die Open Data bietet, liefert The Open Data EconomyUnlocking Economic Value byOpening Government and Public Data

In Westfalen bzw. NRW sind Open Data - Initiativen noch rar gesät. Hervorzuheben ist sicherlich das Portal Open.NRW. Der Eindruck mag täuschen: Westfälische Städte und Institutionen sind darin nur schwach bis gar nicht vertreten. Eigentlich sind es nur die Städte Köln und Bonn, die auftauchen oder aber Daten der Landesregierung. Hier besteht also sowohl in Westfalen wie im Rheinland durchaus noch Potenzial ;-)

Bonn hat übrigens eine eigene Seite: Offene Daten: Bonn

Beispiele aus Westfalen:
In Bielefeld dagegen hadert man noch mit dem technologischen Fortschritt. Die selbsternannte IT-Stadt Paderborn überlässt das Feld privaten Initiativen. Insofern überrascht es nicht, dass der Paderborner Internetauftritt bestenfalls als mittelmäßig zu bezeichnen ist. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier deutlich auseinander.

Update

Die Stadt Paderborn hat zwischenzeitlich, oder ich habe zuvor es übersehen, ein Open Data Portal. Allerdings handelt es sich wohl nur um eine Seite bzw. Oberfläche. Sucht man nach Begriffen wie "Einwohner" kommt die Meldung zurück, dass keine Daten vorliegen. Insofern bestätigt sich der Eindruck. 

Auch Westfalens größte Stadt und IT-Hochburg Dortmund besticht durch Abwesenheit. Münster hat wenigstens ein Geodatenmanagement. Im Februar fand in Münster der Open Data Day 2015 stat

Insgesamt fällt der Befund der Kommunen in Westfalen ernüchternd aus. Da ist noch Potenzial ... 

Das Ruhrgebiet glänzt mit der Seite OpenRuhr. Weiter erwähnenswert sind die Seiten Offene Kommunen.NRW und d-NRW, letzteres ein Projekt aus dem Bereich Open Government.

Als vorbildlich in Deutschland gilt das Hamburger Bürger Portal Open Data, das auch für NRW interessant ist. 

Lobens- und erwähnenswert sind auch einige Initiativen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, der sich nach eigener Aussage auf dem Weg vom Archivar zum Informationsdienstleister befindet. Beispiele:
Alles in allem: Da geht noch mehr! 

Weitere Informationen:



Mittwoch, 16. September 2015

SC Paderborn 07 von der Rolle

Von Ralf Keuper

Was ist nur auf einmal mit dem SCP 07 los? In den vergangenen Jahren hat die Vereinsführung hier so ziemlich alles richtig gemacht, Krönung war sicherlich der Aufstieg in die 1. Bundesliga mit dem kleinsten Etat aller Clubs, und jetzt auf einmal in der 2. Liga ein Saisonstart, den man nur noch unterirdisch nennen kann. 

Fragt man einen Anhänger, kommt neben einem Achselzucken der Hinweis, dass die Vereinsführung den Neuanfang in der 2. Liga völlig falsch eingeschätzt hat. Zuerst der Wirbel um die Erhöhung der Eintrittspreise, der Abgang eines Leistungsträgers nach dem anderen, der nicht ganz glückliche Abschied von Trainer Breitenreiter mit leichtem Nachtreten, die Verpflichtung eines eher unerfahrenen Trainers und dann noch eine kaum nachvollziehbare Investitionszurückhaltung in Sachen Neueinkauf von Spielern bei voller Kasse - mehr kann man eigentlich nicht falsch machen. 

Über das Thema wird mittlerweile intensiv und zum Teil auch kontrovers diskutiert, wovon mir persönlich die folgenden zwei Beiträge am besten gefallen:

Dienstag, 15. September 2015

Was ist Westfalen? #19

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Ignaz Wessel Freiherr von Landsberg-Velen, entnommen seinem Text Was bedeutet mir Westfalen?
Die Westfalen hatten immer ihren Dickschädel, es lohnt sich auch heute noch, ihn zu haben, auch wenn er nicht immer bequem ist. Das heisst nicht die Zukunft zu verneinen; sie kommt auf uns zu, und wir müssen uns ihr stellen, schließlich gehört sie unseren Kindern. Aber weiss die Jugend noch etwas von abendländischen Werten, wenn wir sie ihr nicht weitergeben? In der Schule hören sie davon herzlich wenig mehr.So wollen wir daran arbeiten, Westfalens Eigenart zu erhalten, denn sie ist es ja gerade, die uns Westfalen lebens- und liebenswert macht und warum wir immer wieder, trotz mancher Verlockung der großen weiten Welt und Sympathie für Freundschaft, Sprache und Kultur anderer Länder, nach Westfalen zurückkehren (in: Westfalen unter sich über sich). 

Als Fußgänger in der Fahrradstadt Münster - ein nicht ganz ungefährliches Abenteuer

Von Ralf Keuper 

Wer sich als Fußgänger durch die Innenstadt von Münster bewegt, geht dabei, ohne es häufig zu wissen, ein nicht unbeträchtliches Risiko ein, vor allem dann, wenn es sich um den ersten Besuch in der Stadt handelt, man die Gefahren also noch nicht kennt. Und die gehen nicht so sehr von PKWs, Bussen oder LKWs aus, sondern von dem Fahrrad. 

Eine Straße zu überqueren, ein spontaner Wechsel der Gehrichtung können zu einer ungewollten Kollision mit einem vorbei rauschenden Fahrradfahrer, zumindest zu einem Schreckerlebnis führen. In dieser Stadt regieren die Fahrradfahrer, was Münster auch den Titel "Fahrradfreundlichste Stadt" eingebracht hat. Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Die Verkehrssituation in Münster steckt nicht nur für Fußgänger, sondern auch für die Fahrradfahrer selbst voller Tücken, wie die Reportage Umsatteln in Münster. Die Schattenseiten einer Fahrradstadt zeigt. Die Fahrradwege sind häufig so schmal ausgelegt, dass nur wenig Platz für Fussgänger oder entgegenkommende Fahrräder bleibt. 

Es ist selten von Vorteil für ein Gemeinwesen, wenn ein Verkehrsmittel anderen gegenüber die Überhand gewinnt; so löblich der Gebrauch des Fortbewegungsmittels Fahrrad auch ist. Viele Wege lassen sich in der Innenstadt ohnehin ganz klassisch erledigen, zu Fuss. 

Wie sagte doch Johann Gottfried Seume:
Es ginge vieles besser, wenn man mehr ginge
Weitere Informationen:

Radfahren: Glückliches Münster? Nicht ganz!

Montag, 14. September 2015

Was ist Westfalen? #18

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Hans Werner Henze und einer Passage aus seiner autobiografischen Schrift Reiselieder mit böhmischen Quinten:
Ich habe das Licht dieses Ostwestfalen in der Musik festhalten wollen. Die Beleuchtung Ostwestfalens ist von einer stillen Melancholie: Nie gab es eine blendende Helligkeit wie beispielsweise bei mir im Latium. Es ist eine ganz andere Art von Licht. Sie erzeugt eine andere Art von Musik, natürlich auch ein andres Denken. ... Das Gefühlt von Ebene, von Prärie, das sich bei längeren Aufenthalt in einem Landstrich wie dem Münsterlande einstellt, die Abwesenheit von Unterbrechungen des Flachen, das Fehlen von Tälern, Höhen und Schluchten hat einen merkwürdigen, aber nicht unangenehmen Eindruck auf mich gemacht. Entweder hört die Ewigkeit dort auf, wo man die letzten Pappel sieht, oder sie fängt dort an: die unendliche Einfalt, sie geht immer so weiter auf die schönste und unauffälligste Art und Weise. ... 

Wir sind tatsächlich ein schwerblütiger Volksschlag, neigen zur Melancholie und zum Pessimismus, sind denkfaul und gutmütig zugleich. Zum Westfalen gehört auch das fast wie das hübsche Holländische sich anhörende Plattdeutsche, das wir als Kinder, die auf dem Lande aufwuchsen, nicht sprechen durften. 

Was ist Westfalen? #17

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Klaus Meyer-Schwickerath und einem Auszug aus seinem Text Ein Bekenntnis für Westfalen
Ich glaube, dass ein ausgeprägtes westfälisches Heimatbewusstsein bei einem "Zugewanderten" nicht selten ist; denn gerade die starke Heimatverbundenheit der Westfalen vermittelt auch dem Hinzuziehenden schneller ein Heimatgefühl, als es sonst üblich ist. Die starke Integrationskraft ruft aber zugleich auch die "zugewanderten Westfalen" zur Verteidigung ihrer Heimat auf. .. So entspringt meine Liebe und mein Heimatgefühl für Westfalen auch der Achtung vor der Wesenart ihrer Bewohner, dem Respekt, mit dem sie ihre Kultur verteidigen und ruft mich zum Zeugnis für dieses Land auf. (in : Westfalen unter sich über sich, hrsg. von Rainer Schepper)

Neues aus der westfälischen Startup-Szene #1

Von Ralf Keuper

In den letzten Wochen hat sich einiges in der westfälischen Startup-Szene getan. So konnte die Szene in Münster mit zwei Exits auf sich aufmerksam machen:
Das Paderborner Startup StudyHelp geht derweil die weitere Expansion an. In Witten, der heimlichen Startup-Hochburg Westfalens, sorgt MateApps für einiges Aufsehen

Das derzeit international erfolgreichste Internet-Startup aus Westfalen, RapidMiner, erläuterte auf seinem Hausblog in The RapidMiner Philosophy is Open at its Core und weiteren Beiträgen seine neue strategische Ausrichtung. 

Weitere Informationen:

"Hans Werner Henze. Rosen und Revolutionen" von Jens Rosteck

Von Ralf Keuper

Es gibt Biografien, die man nicht gelesen haben muss: Das Buch Hans-Werner Henze. Rosen und Revolutionen von Jens Rosteck zählt für mich zu dieser Kategorie. Nicht, dass es schlecht geschrieben wäre: Im Gegenteil. Der Schreibstil des Autors ist von herausragender Qualität, das Erzähltalent beeindruckend. Leider nur hat er das Thema verfehlt. Zwar kann es durchaus von Vorteil sein, der Person, über deren Leben man berichtet, große Sympathie entgegen zu bringen; wenn das jedoch dazu führt, jegliche Distanz zum "Objekt" aufzugeben und der Glorifizierung der Person zu verfallen, dann hat eine Biografie ihr Ziel klar verfehlt. Der Maestro selbst hätte kaum wohlwollender über sich schreiben können. Nur hat Henze in seiner autobiografischen Schrift Reiselieder mit böhmischen Quinten es an Selbstironie nicht fehlen lassen, der seine Schrift ihren hohen literarischen Wert verdankt. 

Wer also vor der Wahl steht, Rostecks Werk oder das aus des Meisters eigener Feder zu lesen, ist mit letzterem gewiss besser bedient - sie ist in jeder Hinsicht origineller ;-) 

Samstag, 12. September 2015

Was ist Westfalen?#16

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Rainer A. Krewerth und einer Textpassage aus seinem Buch Unser Land. Ostmünsterland.

Das kleine Ostmünsterland ist Teil der Münsterschen Bucht, der Westfälischen Bucht, der Westfälischen Tiefebene, der Norddeutschen Tiefebene, eingebunden also in einen umfassenderen Raum, gewissermaßen Puppe in der Puppe. Alle Aufgeregtheiten sind ihm fern, alles Schroffe fehlt, Sensationen finden nur in der Stille statt. Die Ems noch klein, Bever und Hessel gar bald in ihr aufgegangen, keine Berge, nicht einmal Höhenrücken wie in den Beckumer oder den Baumbergen, kein nennenswerter See, keine geologischen Absonderlichkeiten wie etwa kilometerlange Tropfsteinhöhlen - ja, aber was dann?Ein Ländchen, sehr zurückgenommener Bescheidenheit wie sein Fluss, die Ems. Ein Ländchen, so würde es Hermann Löns gesagt haben, >philisterhafter Durchschnittlichkeit< mit überdurchschnittlichem Regenfall. Ein Ländchen schließlich, das sich nicht aufdrängt, sondern mit vordergründigen Reizen geizt, eine bäuerlich-sittsame Schöne mit roten Bäckchen und rissiger Haut, gegerbt von der harten Arbeit in Wind und Wetter.

Freitag, 11. September 2015

Was ist Westfalen? #15

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Gerhard Rödding und seinem Beitrag Skeptisch gegen alle Utopie.
Wahrscheinlich lässt sich das Wesen Westfalens nicht besser als in diesem Spruch zusammenfassen: Furcht braucht der religiöse Mensch nicht zu haben, aber er muss misstrauisch all denen gegenüber sein, die ihm Lobsprüche entgegenbringen. Vor allem kann es nie Ziel seines Tuns sein, das Lob der Menschen einzuheimsen. Wie gegen alle Emotionen empfindet überdies der echte Westfale einen inneren Widerwillen denen gegenüber, die mit Lob und Schönrederei seine Gefühle hervorlocken wollen. O ja, der Westfale hat Gefühle, aber sie sind allein seine Sache. 

In diesem Lande ist man skeptisch gegen alle Utopie. Weltveränderer werden hier nur höchstens zufällig geboren. Man glaubt nicht daran, dass Gottes Schöpfung dergestalt ist, dass der Mensch sie von Grund auf ändern müsste. Mit dieser Grundhaltung kann man wahrscheinlich den Problemen der Zukunft leichter als mit Fortschrittsgläubigkeit begegnen; denn nichts muss heute so kritisch betrachtet werden wie die von Menschen gemachte Welt, die die Ausbeutung und Totalerschließung der Natur zur Voraussetzung hat und die unseren Kindern die Zukunft nimmt. Westfälischer Mentalität entspricht es, die Welt verantwortlich zu verwalten wie der Bauer seinen ererbten Hof, auf der er nur ein Glied in der Kette der Geschlechter ist. Dieses Bewusstsein verleiht ihm Würde und zeigt ihm die Grenze seines individuellen Lebens, führt ihn zu Zurückhaltung und Bescheidenheit, wenn es um ihn selbst geht, und macht in kompromisslos, wenn das Ganze auf de Smpiel steht, - Spuren einer solchen Geisteshaltung finden sich auch im heutigen Westfalen. (in: Westfalen unter sich über sich, hrsg. von Rainer Schepper)

Donnerstag, 10. September 2015

Was ist Westfalen? #14

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Jürgen von der Wense und seinem Tagebuch-Eintrag Westfalen von 1937, entnommen dem Buch Wanderjahre
Wieder das Wesentliche: Eindruck ist ein Gesamter, nicht im Einzelnen. Und so einfach-groß, dass er viel stärker und durchgreifender ist als bei jeder anderen Landschaft; darin Gefühl einer ungeheuren Fülle von Einzelheiten, die nicht ausgedrückt, beschrieben werden kann, aber in Wirklichkeit ist Westfalen nur eine große Einfachheit, ein urstarkes Erlebnis von Linie und Terrasse, darin höchste Primitivität, in der alle feingegliederte Fülle sich einfügt, zusammenklingt, ganz flach geballter Akkord, letzte Reife, Summa, Finale. Ergebnis. Letztes Werk.

Mittwoch, 9. September 2015

Warum verschwand Engern?

Von Ralf Keuper

Eine Frage, die Generationen von Forschern, die sich mit der Westfälischen Geschichte beschäftigten, umtreibt, ist, welche genauen Umstände dazu geführt haben, dass die alte sächsische Region Engern im Mittelalter verschwand. Zuletzt tauchte Engern im Jahr 1815 auf:
Seit dem 12. Jahrhundert kam der Name Engern außer Gebrauch. Fortbestand hatte lediglich die Bezeichnung „Engern“ im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen („Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen“). Mit der Übernahme Westfalens 1815 kam auch die Titulatur „Westfalen und Engern“ an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (Quelle: Wikipedia)
Neben Westfalen und Ostfalen war Engern der dritte sächsische Stamm. 
Die Engern nahmen in Sachsen offenbar eine zentrale Stellung ein. Sie lebten an der Weser, zwischen Ostfalen und Westfalen. In ihrem Gebiet liegt die Stätte der jährlichen Versammlung von Marklo an der Weser. Der Name der Engern (lateinisch „Angarii“) scheint die verkürzte Form des Namens der Angrivarier zu sein, die demnach einen wichtigen Stamm der Sachsen bildeten. (Quelle: ebd.)
Der einzige mir bekannte Beitrag, der sich explizit der Frage des Verschwindens der Bezeichnung Engern zuwendet, ist Der Zerfall Engerns und die Schlacht im Welfesholz (1115) von Joseph Prinz

Die Karte des Stammesherzogtums Sachsen um 1000 zeigt, welche Ausmaße die Region Engern zu diesem Zeitpunkt mit ihren Hauptorten Paderborn, Minden, Bremen, Verden, Hamburg und Meldorf hatte. Ihre Fläche war um einiges größer als die Westfalens und Ostfalens. 

Anfang vom Ende Engerns war für Prinz die Schlacht am Welfesholz im Jahr 1115. Prinz begründet seine Ansicht damit, dass das engrische Bistum Paderborn durch die enge Beziehung zur mächtigsten Familie Westfalens jener Zeit, der des Grafen von Westfalen/Arnsberg, nach der Schlacht endgültig in deren Herrschaftsbereich einging und damit die Trennung zwischen Westfalen und Engern hinfällig wurde:
Schon durch die langandauernde und enge Bindung an die Familie der Grafen von Westfalen/Arnsberg wurde das engrische Bistum Paderborn mehr und mehr an Westfalen herangeführt in dem Maße, wie die ostfälischen Gaue sich mit den ostsächsischen zu einem neuen Sachsen zusammenschlossen. Wenn jetzt 1115 die Dienstmannschaften von Paderborn und Arnsberg durch ein Bündnis zusammengeführt wurden, so war damit, so meinen wir, ein weiterer Schritt auf dem Wege der Integration des Bistums Paderborn in Westfalen getan, man wird sagen dürfen, der entscheidende Schritt! Von jetzt an gehörte die Paderborner Landschaft politisch zu Westfalen. (in: Der Zerfall Engerns und die Schlacht am Welfesholz, aus: Ostwestfälisch-Weserländische Forschungen zur Geschichtlichen Landeskunde. Ausstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Corvey 1966. Kunst und Kultur im Weserraum 800-1600, Band 3)
Das allein erklärt aber noch nicht, weshalb Engerns andere Teile ebenfalls von der Landkarte verschwanden. 

Als einzige Erklärung führt Prinz an:
Engern, dessen führendes Geschlecht, die Billunger, mit Herzog Magnus, einem wenig tatkräftigen Herrn, im Jahre 1106 ausstarb, besaß in dieser kritischen Zeit des ausgehenden 11. und beginnenden 12. Jahrhunderts keinen führenden Kopf von dem Format des Grafen Friedrich von Arnsberg, der es verstanden hätte, die von den Vorfahren ererbte Machtfülle in Raumpolitik umzumünzen (ebd.)
Aber auch Friedrich von Arnsberg wurde sein größter Wunsch, die Vereinigung Westfalens und Engerns zu einer wirkungsmächtigen politischen Einheit, vom Schicksal verwehrt:
Kein Zweifel, Friedrich von Arnsberg war seiner Zeit voraus. Fast wäre es ihm bereits gelungen, was erst 1180 vollzogen wurde: die Vereinigung von Westfalen und Engern zu einer politischen Einheit. Freilich, das 1180 geschaffene Herzogtum Westfalen und Engern war kein Territorialstaat, wie er Friedrich von Arnsberg vorgeschwebt und greifbar vor Augen gestanden hatte (ebd.)
Weitere Informationen:

Zur Frage der sächsischen Stammesprovinzen  

Was ist Westfalen? #13

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Klaus Hellwig.
Westfalen ist in uns, und wir erkennen es, wenn wir uns zufällig in einem fremden Land auf dem Hintergrund einer Umgebung, die nichts von unserer Heimat weiß, treffen und uns sofort gegenseitig als Westfalen identifizieren. Wer könnte sagen woran? Wahrscheinlich sind es Subtilitäten wie etwa ein ähnliches Lebensgefühl, eine bestimmte Art zu räsonnieren, gemeinsame Traumata, eine besondere Art von Humor ...  (in: Westfalen in uns, aus: Westfalen unter sich über sich, hrsg. von Rainer Schepper)

Montag, 7. September 2015

Was ist Westfalen? #12

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Bartholomäus Angelicus, von dem die älteste überlieferte Beschreibung Westfalens De Westvalia stammt. Der Text ist entnommen dem Buch Die Westfalen. Volk, Geschichte, Kultur von Gustav Engel
Westfalen schreibt er, sei eine Provinz Niederdeutschlands (Germania inferioris), im Osten an Sachsen, im Süden an Thüringen und Hessen, im Westen an Köln und dem Rhein, im Norden an Ozean und den Friesen anliegend, von Weser und Rhein begrenzt und werde auch "Alt Sachsen" genannt. Das Land sei reich an Wäldern und Weiden, an Wild, Schweinen, Rindern und Pferden, an Feldfrüchten, Eicheln, Nüssen und Äpfeln, eigne sich aber besser zur Viehzucht als zum Ackerbau. Seine Menschen schätzen die ehrbare Führung der Ehe hoch und hielten sich von jeder Art Unzucht rein, bestraften sie vielmehr streng. Sie seien von "elegantem" Wuchs, groß und schlank, stark und kühn. Das Land verfüge über eine starke und stets kampfbereite Kriegsmacht. Es gebe auch Salzquellen und erzhaltige Berge, sehr feste Burgen und Städte und Ortschaften im Bergland sowohl wie in den Bergen. 

Sonntag, 6. September 2015

Corvey – eine Wirtschaftsgeschichte (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper

Eine sehenswerte und informative Filmdokumentation über die Wirtschaftsgeschichte Corveys, entstanden im Rahmen des Projektkurses Geschichte am König-Wilhelm-Gymnasium Höxter im Schuljahr 2012/2013. Corvey war im Mittelalter eine blühende Stadt mit ausgeprägtem Wirtschaftsleben. In dieser Zeit wirkte der berühmteste Arzt des Hochmittelalters in Deutschland, der Chirurg von der Weser in Corvey. 


Was ist Westfalen? #11

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Heinrich Heine und einem Auszug aus dem 11. Kapitel von Deutschland. Ein Wintermärchen
Ich habe sie immer so liebgehabt,
Die lieben, guten Westfalen,
Ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
Ganz ohne Gleißen und Prahlen.

Samstag, 5. September 2015

Schwelgt das Ruhrgebiet in Selbstmitleid?

Von Ralf Keuper

Seit Jahrzehnten schon kommt aus dem Ruhrgebiet der Hinweis, dass die Region die Hilfe von außen benötige, da sie einen Strukturwandel durchmache, der ohne Beispiel sei. Ihren Anspruch leitet die Region auch daraus ab, dass sie wesentlich zum Aufbau Westdeutschlands nach dem 2. Weltkrieg beigetragen habe. Mittlerweile können immer weniger Außenstehende dieses Anspruchsdenken nachvollziehen. Um so mehr, wenn ständig neue Forderungen nach finanzieller Unterstützung erhoben werden. An Selbstkritik und Ursachenforschung scheint es zwischen Dortmund und Essen hin und wieder zu mangeln. Die Frage, ob nach so langer Zeit nicht auch hausgemachte Probleme an der Dauermisere Schuld sein könnten, stellen sich die Vertreter der Städte in der Region nur sehr selten.
Um so wichtiger, wenn ein so prominenter Einwohner des Ruhrgebiets wie Bundestagspräsident Norbert Lammert Kritik übt, und die Lebenslüge des Ruhrgebiets direkt anspricht, wie in einem Interview kürzlich in der WAZ. So sagt er: 
Wenn ich von der Sondersituation absehe, die wir in den neuen Ländern nach der Wiedervereinigung hatten, dann kann ich in Deutschland keine zweite Region erkennen, die über einen so langen Zeitraum so hohe finanzielle Hilfen vom Bund bekommen hat, um den Strukturwandel zu bewältigen, wie das Ruhrgebiet. Man kann wirklich nicht sagen, das Ruhrgebiet sei zurückgeblieben, weil es hier weniger Förderung gegeben hätte. Das gehört zu den vielen Lebenslügen, die in dieser Region fast kultartig gepflegt werden. Das Revier ist bisher leider nicht willens, sich selbst in eine Verfassung zu bringen, um den Herausforderungen begegnen zu können.
Wie nicht anders zu erwarten, erntete Lammert mit seinem Vorstoss Kritik, wie von dem Regionalforscher Jörg Bogumil. Dem Vorschlag Lammerts, einen Bezirk Ruhr zu bilden, kann Bogumil nur wenig abgewinnen, wie er die WAZ wissen ließ. Damit befindet sich Bogoumil in etwa auf einer Linie mit dem Parteifreund Norbert Lammerts, Wolfgang Bosbach, der in einem Interview, ebenfalls mit der WAZ sagte:
Die einzelnen Städte des Reviers sind zu eigenständig, als dass sie bereit wären, zentrale Kompetenzen abzugeben an eine Supermetropole Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet ist auch so das Zentrum NRWs. Aber ich brauche keine Fünf-Millionen-Metropole, um die Stärke des Reviers abzubilden, sondern gute Kooperation beispielsweise in der Gebietsentwicklung und eine größere Geschlossenheit. Die wird aber nicht unbedingt durch große Einheiten hergestellt.
Einig sind sich eigentlich alle drei, dass das Kirchturmdenken im Ruhrgebiet das größte Hindernis ist, um den Strukturwandel erfolgreich abschließen zu können.  

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Wiglaf Droste - Zen-Buddhismus und Cellulite


Was ist Westfalen? #10

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?" , diesmal mit Augustin Wibbelt.
In den gut siebzig Jahren, die meine lebendige Erinnerung umfasst, hat sich sehr viel geändert im äußeren Ansehen der Heimat, in den Sitten und Gewohnheiten der Bewohner, in der Lebens- und Arbeitsweise, auch in den Anschauungen, in dem herrschenden Geiste und, wie ich meine, sogar in dem Charakter der Leute, obwohl man das Westfalenland und besonders das Münsterland als konservativ zu bezeichnen pflegt und sagt, dass sich anderswo der Wechsel der Zeit noch schneller und eingreifender vollzogen hat, und ich bin nicht willens, als einseitiger Lobredner der "guten alten Zeit" aufzutreten. Vielmehr erkenne ich gerne an, dass manches besser geworden ist; aber ich meine, es sei noch mehr vom Guten und Schönen verschwunden. Mir kommt es vor, als sei das "Deftige", das schlicht Solide und Geruhsame, einer zu unrastigen Betriebsamkeit gewichen, als habe die fromme Einfalt und Gutmütigkeit Schaden gelitten, als sei auch die innere Verbundenheit und die Liebe zu den getreuen Haustieren durch den Geist des Merkantilismus bedenklich geschwächt worden, als sei die bäuerliche Arbeit durch starke Mechanisierung großtenteils entseelt worden, als hätte sich die Maschine viel zu sehr zwischen den Bauer und die Natur gedrängt, und haben begonnen, den naturnahen Stand langsam der Natur zu entfremden (in: Meine Heimat, aus: Typisch Westfälisch, hrsg. von Rainer Schepper)

Weltmarktführer aus Westfalen #7

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie Weltmarktführer und Hidden Champions aus Westfalen, heute mit
  • Kaldewei: Europäischer Marktführer im Bereich emaillierter Badewannen und Duschflächen
  • Wago: Einer der weltweit führenden Hersteller im Bereich Klemmtechnik
  • Phoenix Contact: Einer der weltweit führenden Hersteller elektrischer Verbindungs- und elektronischer Interfacetechnik sowie in der industriellen Automatisierungstechnik
  • Weidmüller: Einer der weltweit führenden Hersteller elektrischer Verbindungs- und elektronischer Interfacetechnik
  • Beckhoff: Einer der weltweit führenden Hersteller in der Automatisierungstechnik
  • Claas: Europas größter Landmaschinenhersteller
  • Kraftverkehr Nagel: Europäischer Marktführer in der temperaturgeführten Logistik
  • Stahlwerke Bochum: Weltkmarktführer bei Shredderhammern
  • febi Bilstein: Weltmarktführer für PKW- und NKW-Ersatzteile im Automotive Aftermarke
  • Bender & Wirth: Weltmarktführer im Bereich der Sockelsysteme für Beleuchtungselektronik

Was ist Westfalen? #9

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Eberhard Viegener
Westfale sein, heisst Weltsinn haben. 

Freitag, 4. September 2015

"Vom Windmühlenflügel zum Turbinenpropeller. Geschichte der Firma Drees & Co. GmbH" von Roman und Wilhelm Mensing

Von Ralf Keuper

In der Wirtschaftsgeschichte sind große Konzerne häufig das bevorzugte Untersuchungsobjekt. Kleine und mittelständische Betrieb gehen dagegen nur allzu oft in der Statistik unter. Von daher ist es lobenswert, dass die Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte das Buch Vom Windmühlenflügel zum Turbinenpropeller. Geschichte der Firma Drees & Co. GmbH in ihre renommierte von Karl-Peter Ellerbrock herausgegebene Reihe Kleine Schriften aufgenommen hat. 

Das Unternehmen existierte von 1894-1987 in Werl. Seine eigentliche Blüte erlebte Drees & Co. in den 1920er Jahren unter Caspar Egon Drees, der im Jahr 1925 im Alter von nur 44 Jahren verstarb. Als vorausschauend und für die weiteren Jahrzehnte richtungsweisend zeigte sich die Entscheidung von Caspar Drees, in den Turbinenbau einzusteigen. 
Weitsichtig war dieser Schritt, weil er frühzeitig eine sich eben erst entwickelnde Tendenz zur Energienutzung mit höheren Wirkungsgraden und der Bändigung von Fallhöhen und Wassermengen kommen sah, die mit dem an seine Grenzen gekommenen Einsatz von Wasserrädern nicht genutzt werden konnten. Und weil mit dieser Produktion Beschäftigung für alle Betriebsteile zu sichern war: Modellbau für die Schreinerei, der Guss von Turbinengehäusen, Krümmern, Laufrädern für die Gießerei, die Bearbeitung der Gussteile für die Dreherei und schließlich die Montage für die Schlosser des Unternehmens. Immerhin knapp über 50 Turbinenaufträge hat Caspar Drees bis in die ersten Monate des Jahres 1925 hereingeholt und ausgeliefert. 
In späteren Jahren kooperierte Drees u.a. mit der im Turbinenbau noch heute weltweit aktiven Voith-Gruppe aus Heidenheim sowie mit Brown Boveri und Siemens. Viele Mitarbeiter fanden bei Voith eine Anstellung. Ein Verkaufsschlager, seiner Zeit jedoch voraus, waren die Kleinkraftwerke, die in Pakistan und Indien während der 1950er auf rege Nachfrage stießen, bis die fallenden Ölpreise diese Form der Energieversorgung unrentabel machten. 
Um die Mitte der 1950er Jahre entwickelte Drees .. ein komplettes Kleinkraftwerk, bei dem Generator, Regler und ein Schalttafel direkt auf einer Spiralturbine aufmontiert und mit einem Gehäuse nach Art einer Litfaßsäule umhüllt waren. Auch die Eisenträger zum Aufsetzen der Anlage auf ein Betonfundament waren Teil der Einheit. So bedurfte es nur der Errichtung eines einfachen Bauwerks, einer Rohrleitung für die Wasserzufuhr und eines Ablaufgrabens unterhalb der Turbine. Die Anlage benötigte keine ständige Überwachung oder gar Bedienung; ein gelegentlicher Blick, vor allem auf die elektrische Installation, reichte im Regelfall aus. 
In den 1960er Jahren setzt der schleichende Niedergang des Unternehmen ein. Die Gründe dafür sind, wie so oft, vielfältiger Natur. Zum einen ließ der Standort des Unternehmens im Ortsinneren kaum noch Raum für Erweiterungen, das Firmengebäude befand sich mittlerweile in einem Wohngebiet, zum anderen war die Liquidität die meiste Zeit angespannt, das Eigenkapital zu gering, um größere Investitionen durchführen zu können, die Aufnahme von langfristigem Fremdkapital wurde erst spät, wie sich herausstellen sollte zu spät, in Erwägung gezogen.

Ein wichtiges und lehrreiches Stück westfälische Wirtschaftsgeschichte. 

Was ist Westfalen? #8

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", diesmal mit Franz Müntefering, entnommen dem Interview „Wir Westfalen sind ganz normal“
Westfalen ist die Obergröße für spezielle Landstriche. Sauerländer sind Westfalen
Die Westfalen sind der Erde am nächsten. Sie sind keine Menschen, die mal himmelhoch jauchzend und mal zu Tode betrübt sind. Sie sind eigentlich ganz normal. Keinesfalls so, wie es Heinrich Heine einmal behauptet hat: langweilig. 
Westfalen ist eine wunderbare Mischung von sehr unterschiedlichen Menschen.

Wir Westfalen sind zwar nicht so leicht mit der Zunge, aber - ich wie­derhole mich da gerne - ganz ­normal.

Donnerstag, 3. September 2015

Was ist Westfalen? #7

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", heute mit Annette von Droste-Hülshoff und ihren Bildern aus Westfalen.
Wenn wir von Westfalen reden, so begreifen wir darunter einen großen, sehr verschiedenen Landstrich, verschieden nicht nur den weit auseinanderliegenden Stammwurzeln seiner Bevölkerung nach, sondern auch in allem, was die Physiognomie des Landes bildet oder wesentlich darauf zurückwirkt, in Klima, Naturform, Erwerbsquellen und, als Folge dessen, in Kultur, Sitten Charakter und selbst Körperbildung seiner Bewohner: daher möchten wohl wenige Teile unseres Deutschlands einer so vielseitigen Beleuchtung bedürfen. ... Das schärfere Auge wird indessen sehr bald von Abstufungen angezogen, die in ihren Endpunkten sich fast zum Kontraste steigern, und bei der noch großenteils erhaltenen Volkstümlichkeit dem Lande ein Interesse zuwenden, was ein vielleicht besserer, aber zerflossener Zustand nicht erregen könnte. – Gebirg und Fläche scheinen auch hier, wie überall, die schärferen Grenzlinien bezeichnen zu wollen; doch haben, was das Volk betrifft, Umstände die gewöhnliche Folgenreihe gestört, und statt aus dem flachen, heidigen Münsterland, durch die hügelige Grafschaft Mark und das Bistum Paderborn, bis in die dem Hochgebirge nahestehenden Bergkegel des Sauerlandes (Herzogtum Westfalen) sich der Natur nachzumetamorphosieren, bildet hier vielmehr der Sauerländer den Übergang vom friedlichen Heidebewohner zum wilden, fast südlich durchglühten Insassen des Teutoburger Waldes. – Doch lassen wir dies beiläufig beiseite und fassen die Landschaft ins Auge, unabhängig von ihren Bewohnern, insofern die Einwirkung derselben (durch Kultur usw.) auf deren äußere Form dies erlaubt. ...

Der Münsterländer ist groß, fleischig, selten von starker Muskelkraft; seine Züge sind weich, oft äußerst lieblich und immer durch einen Ausdruck von Güte gewinnend, aber nicht leicht interessant, da sie immer etwas Weibliches haben und selbst ein alter Mann oft frauenhafter aussieht als eine Paderbornerin in den mittleren Jahren; die helle Haarfarbe ist durchaus vorherrschend; man trifft alte Flachsköpfe, die vor Blondheit nicht haben ergrauen können. Dieses und alles dazu Gehörige – die Hautfarbe blendend weiß und rosig und den Sonnenstrahlen bis ins überreife Alter widerstehend, die lichtblauen Augen ohne kräftigen Ausdruck, das feine Gesicht mit fast lächerlich kleinem Munde, hierzu ein oft sehr anmutiges und immer wohlwollendes Lächeln und schnelles Erröten – stellen die Schönheit beider Geschlechter auf sehr ungleiche Wage, es gibt nämlich fast keinen Mann, den man als solchen wirklich schön nennen könnte, während unter zwanzig Mädchen wenigstens fünfzehn als hübsch auffallen, und zwar in dem etwas faden, aber doch lieblichen Geschmacke der englischen Kupferstiche. – Die weibliche Landestracht ist mehr wohlhäbig als wohlstehend; recht viele Tuchröcke mit dicken Falten, recht schwere Goldhauben und Silberkreuze an schwarzem Samtbande, und bei den Ehefrauen Stirnbinden von möglichst breiter Spitze bezeichnen hier den Grad des Wohlstandes, da selten jemand in den Laden geht, ohne die nötigen blanken Taler in der Hand, und noch seltener durch Putzsucht das richtige Verhältnis zwischen der Kleidung und dem ungeschnittenen Leinen und andern häuslichen Schätzen gestört wird. ...

Der Sauerländer ist ungemein groß und wohlgebaut, vielleicht der größte Menschenschlag in Deutschland, aber von wenig geschmeidigen Formen; kolossale Körperkraft ist bei ihm gewöhnlicher als Behendigkeit anzutreffen. Seine Züge, obwohl etwas breit und verflacht, sind sehr angenehm, und bei vorherrschend lichtbraunem oder blondem Haare haben doch seine langbewimperten blauen Augen alle den Glanz und den dunklen Blick der schwarzen. Seine Physiognomie ist kühn und offen, sein Anstand ungezwungen, so daß man geneigt ist, ihn für ein argloseres Naturkind zu halten als irgendeinen seiner Mitwestfalen; dennoch ist nicht leicht ein Sauerländer ohne einen starken Zusatz von Schlauheit, Verschlossenheit und praktischer Verstandesschärfe, und selbst der sonst Beschränkteste unter ihnen wird gegen den gescheitesten Münsterländer fast immer praktisch im Vorteil stehen. – Er ist sehr entschlossen, stößt sich dann nicht an Kleinigkeiten und scheint eher zum Handel und gutem Fortkommen geboren, als dadurch und dazu herangebildet. Seine Neigungen sind heftig, aber wechselnd, und sowenig er sie jemandes Wunsch zuliebe aufgibt, so leicht entschließt er sich aus eigener Einsicht oder Grille hierzu. – Er ist ein rastloser und zumeist glücklicher Spekulant, vom reichen Fabrikherrn, der mit vieren fährt, bis zum abgerissenen Herumstreicher, der »Kirschen für Lumpen« ausbietet; und hier findet sich der einzige Adel Westfalens, der sich durch Eisenhämmer, Papiermühlen und Salzwerke dem Kaufmannsstande anschließt. – Obwohl der Konfession nach katholisch, ist das Fabrikvolk doch an vielen Orten bis zur Gleichgültigkeit lau und lacht nur zu oft über die Scharen frommer Wallfahrer, die vor seinen Gnadenbildern bestäubt und keuchend ihre Litaneien absingen, und an denen ihm der Klang des Geldes, das sie einführen, bei weitem die verdienstvollste Musik scheint. – Übrigens besitzt der Sauerländer manche anziehende Seite; er ist mutig, besonnen, von scharfem, aber kühlem Verstande; obwohl im allgemeinen berechnend, doch aus Ehrgefühl bedeutender Aufopferung fähig; und selbst der Geringste besitzt einen Anflug ritterlicher Galanterie und einen naiven Humor, der seine Unterhaltung äußerst angenehm für denjenigen macht, dessen Ohren nicht allzu zart sind. ...

Anders ist es im Hochstifte Paderborn, wo der Mensch eine Art wilder Poesie in die sonst ziemlich nüchterne Umgebung bringt und uns in die Abruzzen versetzen würde, wenn wir Phantasie genug hätten, jene Gewitterwolke für ein mächtiges Gebirge, jenen Steinbruch für eine Klippe zu halten. – Nicht groß von Gestalt, hager und sehnig, mit scharfen, schlauen, tiefgebräunten und vor der Zeit von Mühsal und Leidenschaft durchfurchten Zügen, fehlt dem Paderborner nur das brandschwarze Haar zu einem entschieden südlichen Aussehen. – Die Männer sind oft hübsch und immer malerisch, die Frauen haben das Schicksal der Südländerinnen, eine frühe üppige Blüte und ein frühes, zigeunerhaftes Alter. Nirgends gibt es so rauchige Dörfer, so dachlückige Hüttchen als hier, wo ein ungestümes Temperament einen starken Teil der Bevölkerung übereilten Heiraten zuführt, ohne ein anderes Kapital, als vier Arme und ein Dutzend zusammengebettelter und zusammengesuchter Balken, aus denen dann eine Art von Koben zusammengesetzt wird, eben groß genug für die Herdstelle, das Ehebett und allenfalls einen Verschlag, der den stolzen Namen Stube führt, in der Tat aber nur ein ungewöhnlich breiter und hoher Kasten mit einem oder zwei Fensterlöchern ist.