Freitag, 15. Januar 2016

Die Geschichte des Speditionswesens in Versmold

Von Ralf Keuper

Die Stadt Versmold im Kreis Gütersloh ist vor allem wegen ihrer Fleischindustrie überregional bekannt. Hin und wieder wird die Stadt auch als "Fettfleck Westfalens" tituliert, wie in einem Beitrag von Deutschland Radio Kultur.  
Daneben ist Versmold eine Geburtsstätte des westfälischen Speditionswesens. Dazu trug neben der bereits erwähnten Fleisch-  auch die Textilindustrie bei. Im 18. Jahrhundert betrieb die Familie Delius, die heute noch in Bielefeld tätig ist, von Versmold aus über ihre Kontore in Hamburg, Bremen, Amsterdam und Russland einen schwunghaften Textilhandel weit über die Grenzen Westfalens hinaus. Als eine Art Werbegeschenk legten die Textilhändler ihren Leinenwaren Speck, Schinken und Rohwurst bei. In dem bereits erwähnten Beitrag von Deutschland Radio Kultur heisst es dazu: 
Auf diese Weise wurden westfälische Wurstwaren in ganz Europa schon im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Marke. 
Mit der Zeit begann sich das Speditionswesen langsam von der Wurst und den Fleischwaren zu emanzipieren und erst eigentlich selbständig zu werden. 

In seinem Beitrag Frachtraum für Produzenten. Das Speditionsgewerbe in der Stadt Versmold, erschienen im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh 1988, zeichnet Heiko Johanning die Entwicklung des Transportwesens in der Stadt nach. Erst die Motorisierung, so Johanning, ermöglichte den Transport leicht verderblicher Ware über weite Strecken in kurzer Zeit. Den Beginn machte im Jahr 1924 Heinrich Lohmann mit der Gründung einer Spedition. Johanning schreibt dazu:
Lohmann richtete zunächst eine regelmäßige Lastkraftwagen-Verbindung nach Dortmund ein, um die geschäftlichen Verbindungen der heimischen Fleischwarenindustrie mit der Großstadt und dem ganzen Ruhrgebiet nicht abreißen zu lassen. Bereits 1927/28 fuhr er - zunächst noch auf Vollgummireifen - auch die regelmäßige Tour nach Berlin. Bei Kriegsausbruch 1939 liefen für die Firma schon 25 Wagen, die Zahl der Beschäftigen betrug 65. 
Aus der sog. "Lohmann-Schule" ging mit Paul Wrobbel ein weiterer Pionier des Versmolder Speditionswesens hervor. Einen guten Einblick in die Geschichte des Fuhrunternehmens gibt der Beitrag Berlin-Spezialist: Die Spedition Wrobbel aus Versmold

Einige Jahre nach Wrobbel gründeten die Gebrüder Kurt und Rudolf Nagel ein Transportunternehmen. Die Brüder trennten sich später. Kurt, genannt "Jumbo", Nagel war von beiden der geschäftlich erfolgreichere. Sein Unternehmen entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer beachtlichen Größe. Ein weiterer, vielleicht der wichtigste Schub in der Unternehmensgeschichte setzte unter Kurt Nagel Jun. ein, unter dessen Leitung das Unternehmen zu einem der führenden Transportunternehmen Europas mit heute über 11.000 Mitarbeitern und 1,6 Mrd. Euro Umsatz heranwuchs. Im Bereich der temperaturgeführten Lebensmittellogistik ist die Nagel-Group Marktführer. Damit besteht noch immer eine Verbindung zu den Anfängen des Versmolder Speditionswesens. 
Im Jahr 2007 nahm Nagel in Borgholzhausen bei Bielefeld sein Logistikzentrum in Betrieb. 

Nördlich von München baut die Nagel-Gruppe in diesem Jahr für 48 Millionen Euro ein neues Logistikzentrum

Weitere Informationen:

Logistikland Westfalen

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