Sonntag, 31. Januar 2016

Frederick Delius: Ein englischer Komponist aus Bielefeld

Von Ralf Keuper

Ein bekannter wie auch gefeierter Komponist seiner Zeit war der aus der Bielefelder Textilfabrikanten-Familie Delius stammende Frederick Delius, der hin und und wieder auch "englischer Komponist aus Bielefeld" genannt wird. Von großem Einfluss auf seinen künstlerischen Werdegang war die Begegnung mit und die Förderung durch Edvard Grieg. Delius stand mit zahlreichen bedeutenden Künstlerin in engem Kontakt, wie mit Edvard Munch, Paul Gauguin und August Strindberg. Ein weiterer Künstler, mit dem Delius Kontakt pflegte, war der Komponist Béla Bartók, worüber Gottfried Kruse in Frederick Delius und Béla Bartók. Spuren eine künstlerischen Freundschaft in Der Minden Ravensberger 1988 berichtet: 
Delius und Bartók lernten sich 1910 in Zürich auf dem Tonkünstlerfest des "Allgemeinen Deutschen Musikvereins" kennen .. . Die menschliche Begegnung mit Delius hinterließ bei Bartók einen tiefen Eindruck. An eine befreundete Pianistin schreibt er am 31. Mai 1910 aus Zürich: "Für uns ist das schönste Ereignis des Festes, dass wir Delius kennen lernen konnten." ...
Dieser Brief Bartóks ist insofern bemerkenswert, als Bartók sonst in seinem Wesen als äußerst zurückhaltend geschildert wird. 
Besonders schön ist seine Komposition Walk to the Paradise Garden.



Samstag, 30. Januar 2016

Weidmüller gibt ein diffuses Bild ab

Von Ralf Keuper

Weidmüller aus Detmold zählt zu den Vorzeigeunternehmen in Ostwestfalen-Lippe. Wann immer die Rede von den Möglichkeiten der Elektronischen Verbindungstechnik im Zusammenhang mit it's owl ist, fällt der Name Weidmüller fast schon automatisch. 
Die Außendarstellung des Unternehmens dagegen gab in der Vergangenheit häufig Anlass zur Kritik. Der Reputation des Unternehmens kaum zuträglich war der unfreundliche Übernahmeversucht des Familienunternehmens  R. Stahl. Deutschlandradio Kultur sprach in dem Zusammenhang vom entzauberten Mythos Familienunternehmen

In das widersprüchliche Bild fügen sich zwei aktuelle Meldungen nahtlos ein. So verkündete das Unternehmen, einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag am Hauptsitz Detmold investieren zu wollen. Geplant ist ein Bürogebäude, das ganz der Industrie 4.0 gewidmet ist. Auf der anderen Seite, fast zeitgleich, kommt die Meldung, dass Weidmüller den Abbau von 121 Stellen in Detmold plant, was auf Seiten der Gewerkschaften und der Belegschaft auf Unverständnis stösst. Die LZ schreibt dazu:
Seit Jahren werde die Verlagerung ins Ausland als alternativlose Strategie verkauft, heißt es auf dem Flugblatt. Doch das Ergebnis sei, dass Weidmüller an Wettbewerbsfähigkeit verliere, Umsatz- und Ertrag nicht zufriedenstellend seien. Die IG Metall kritisierte weiter, dass die Wettbewerber im Markt erfolgreicher agierten, bei Weidmüller hingegen das Produktportfolio nicht mehr marktgerecht sei und die Produktionsanlagen nicht mehr Stand der Technik.
Die Unternehmensleitung verteidigt ihre Entscheidung als alternativlos und weist bei der Gelegenheit auf die Investitionsvorhaben am Standort Detmold hin. 

Auffallend ist, dass vergleichbare Meldungen von den anderen Unternehmen der elektronischen Verbindungstechnik in Ostwestfalen-Lippe, wie Wago, Phoenix Contact, Harting und Beckhoff, kaum zu beobachten sind. Im Gegenteil: Dort hat man in den letzten Jahren mit dem Umsatz auch die Anzahl der Beschäftigten z.T. signifikant erhöht. 

Weitere Informationen:

Klemmen-Valley Ostwestfalen-Lippe

Weidmüller verpasst Zielmarke trotz gestiegenem Umsatz

Weidmüller verzichtet auf Kündigungen

Schulze Borgholzhausen: Erste westfälische Leb- und Honigkuchenfabrik

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1830 gründete Johann Heinrich Schulze die "Erste westfälische Leb- und Honigkuchenfabrik", die noch heute in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) besteht und seit einigen Jahren als Von Ravensberg firmiert. Die NOZ schreibt in Lebkuchen aus Borgholzhausen seit 1746
Den Grundstein dafür (für die Bezeichnung Borgholzhausens als Lebkuchenstadt) legt 1830 Johann Heinrich Schulze, indem er die Firma Heinrich Schulze gründet. Der Vertrieb findet zunächst auf regionalen Jahrmärkten mit der traditionellen Kiepe statt. Die Lebkuchenbäckerei mit immer neuen Rezepten wird im Laufe der Jahre zur Spezialität des Firmengründers. 1870 fängt Carl Knaust als Geselle im Schulze’schen Betrieb an. Nach fünfjährigem Aufenthalt in Amerika heiratet Knaust Alma Schulze, die Erbin des Schulze’schen Betriebs, und baut in den folgenden Jahren den Backstubenbetrieb zur Fabrik aus. Damit ist der Grundstein für die erste westfälische Leb- und Honigkuchenbäckerei gelegt. 


Weitere Informationen:

Lebkuchen mit Sparpotenzial

Freitag, 29. Januar 2016

Zum Rat von Ministerpräsidentin Kraft: In Westfalen noch enger kooperieren ...

Von Ralf Keuper

Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, gibt in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten den Rat, die Regionen in Westfalen sollten noch enger kooperieren. Hintergrund ist der Landesentwicklungsplan, der für Nordrhein-Westfalen zwei Metropolregionen, Rheinland und Ruhrgebiet, vorsieht. Ostwestfalen-Lippe, das Münsterland und Südwestfalen gehen dabei leer aus und werden, so die Kritiker, auf den Rang von Randregionen reduziert, was eine erhebliche Benachteiligung bei öffentlichen und privaten Investitionen mit sich bringen würde. Die Diskussion war auf diesem Blog bereits ein Thema, und zwar in:
Ihrem Rat schickt die Ministerpräsidentin die Bemerkung voraus:
Die Zusammenarbeit der Kommunen im Ruhrgebiet und auch im Rheinland ist besonders weit entwickelt.
Tatsächlich? Da muss an einigen, darunter auch ich, einiges vorbei gegangen sein. Denn, ist der Mangel an Kooperationsbereitschaft im Ruhrgebiet nicht Anlass gewesen, das hoch umstrittene Ruhrparlament ins Leben zu rufen? Und ist es nicht so, dass Bundestragspräsident Lammert im Ruhrgebiet noch deutliche Defizite bei der Zusammenarbeit moniert? Ins gleiche Horn stösst Wolfgang Bosbach in einem Interview:
Die einzelnen Städte des Reviers sind zu eigenständig, als dass sie bereit wären, zentrale Kompetenzen abzugeben an eine Supermetropole Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet ist auch so das Zentrum NRWs. Aber ich brauche keine Fünf-Millionen-Metropole, um die Stärke des Reviers abzubilden, sondern gute Kooperation beispielsweise in der Gebietsentwicklung und eine größere Geschlossenheit. Die wird aber nicht unbedingt durch große Einheiten hergestellt.
Im Rheinland besteht die alte Rivalität zwischen Köln und Düssseldorf nach wie vor, wenngleich es in der Vergangenheit an Versuchen nicht gefehlt hat, hier für mehr Geschlossenheit zu sorgen. Köln ist bestrebt, zusammen mit Bonn, den Speckgürtel Köln international zu propagieren.  In dem Beitrag Der Speckgürtel von Köln präsentiert attraktive Immobilienprojekte auf der EXPO REAL 2015 in München heisst es zum Schluss: 
Auch die Zusammenarbeit der Regionalplanungsregionen Köln und Düsseldorf soll intensiviert werden. Später sollen weitere Themen folgen.
Scheinbar besteht auch im Rheinland noch "Optimierungspotenzial" ;-)

Sicherlich kann, darf und muss die Kooperation der Regionen in Westfalen enger werden, was ja das Ziel der neu gebildeten Steuerungsgruppe Westfalen ist. Nur die Beispiele, welche die Ministerpräsidentin heranzieht, sind nicht wirklich als Vorbild geeignet. 

Netter Versuch ... 

Wilhelm Haarmann: Der Herr der Düfte

Von Ralf Keuper

Bei Wilhelm Haarmann handelt es sich um einen heute weitestgehend in Vergessenheit geraten Unternehmer. Dabei zählte er zu Lebzeiten zum Kreis der vermögendsten Unternehmer Deutschlands. Seinen Reichtum und geschäftlichen Erfolg verdankte Haarmann dem eigenen Forscherdrang; im Jahr 1874 gelang ihm die erste Synthese von Vanillin. 

In dem Beitrag Die Orchidee und ihre synthetische Kopie heisst es dazu näher: 
Der deutsche Chemiker Wilhelm Haarmann entdeckte 1874 ein Verfahren, mit dem er aus Koniferen, immergrünen Nadelbäumen, den Stoff Coniferin gewann, und daraus wiederum durch eine Zuckerspaltung Vanillin. 
Um seine Erfindung verwerten zu können, gründete Haarmann zusammen mit Ferdinand Tiemann 1875 in Holzminden Haarmann's Vanillinfabrik - die weltweit erste Riechstofffabrik. Einige Jahre später entwickelten Karl Reimer und Ferdinand Tiemann das Isoeugenol-Verfahren, auch Reimer-Tiemann-Reaktion genannt, mit dessen Hilfe Vanillin deutlich kostengünstiger hergestellt werden konnte. Der industriellen Produktion des Duftstoffes Vanillin stand damit nichts mehr im Weg. 
Als Karl Reimer 1876 in das Unternehmen eintrat, firmierte die Gesellschaft fortan als Haarmann & Reimer. Der Name bestand bis zum Jahr 2003. 

Wilhelm Haarmann lebte über Jahrzehnte in Höxter, wo er auch verstarb. Die Villa, die er sich im Jahr 1891 erbauen ließ, war für damalige Verhältnisse sehr herrschaftlich. Sie steht noch heute und wird als Wohnhaus und Architekturbüro genutzt. Mehr dazu erfährt man in Villa Haarmann Höxter. Wegen seiner Verdienste für die Stadt Höxter wurde Wilhelm Haarmann zum Ehrenbürger ernannt. 

Um Wilhelm Haarmann dem Vergessen zu entreißen, hielt Björn Bernhard Kuhse die Lebensgeschichte des Unternehmers, Chemikers und Mäzens in dem Wissenschaftsroman Der Herr der Düfte fest, worüber das Westfalen Blatt in Ehrenbürger und Riechstoffpionier: Erster Roman über Wilhelm Haarmann erschienen berichtete. 

Montag, 25. Januar 2016

SC Paderborn 07 komplett von der Rolle

Von Ralf Keuper

Dass der SC Paderborn 07 in dieser Saison ausreichend Anlass zur Sorge gibt, war auf diesem Blog in SC Paderborn 07 von der Rolle bereits ein Thema. Mittlerweile scheint der Verein komplett von der Rolle zu sein, oder jedenfalls einige Spieler. Vorläufiger Höhepunkt sind die jüngsten Ereignisse, die sich im Trainingslager des SC zugetragen haben, und die immerhin für bundesweites Aufsehen gesorgt haben, nicht jedoch zur Freude der Anhänger. Exemplarisch dafür ist der Beitrag Andreas Allesfahrer-Blog: Den Ernst der Lage nicht erkannt

Nun jedoch tauchen Berichte auf, die der Darstellung widersprechen, ein Spieler des SC hätte eine Frau sexuell belästigt, worüber u.a. die Süddeutsche Zeitung in Der seltsame Vorfall im Paderborner Trainingslager berichtet. Das macht es jedoch nicht wirklich besser. Unbestritten ist, dass im Trainingslager Defizite zum Vorschein gekommen sind, die man bei einer Profi-Mannschaft so nicht vermuten würde. 

SCP-Präsident Finke wird mit der Aussage zitiert:
Das ist die bescheidenste Gesamtsituation, die ich seit meiner Laufbahn bei diesem Verein erlebe.
Mehr braucht man dazu derzeit wohl nicht sagen. Es kann eigentlich nur noch besser werden ...  

Mit dem Café Kleimann wird eine weitere Institution in Münster verschwinden

Von Ralf Keuper

Das ist wahrlich ein Schock: Ende März diesen Jahres wird das bekannte Café Kleimann an Münsters Prinzipalmarkt schließen, wie u.a. die Westfälischen Nachrichten berichten. Damit verschwindet eine weitere Institution in Münster, nachdem bereits vor einigen Jahren das legendäre Café Schucan seine Türen für immer schloss. 

Als Gründe geben die Eigentümer ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld an, wie die WN schreiben: 
Offene Cafés, Coffee to go, Außengastronomie, Kaffeestände auf dem Markt. Das zwackte dem Traditionshaus in dritter Generation Kundschaft weg. Unter den Bögen konnte er nur wenige Tischchen stellen. „Und dann haben wir dort noch Schatten.“ All die Kunden, die ihm sagten, es sei doch voll im Geschäft, fragt Bernd Kleimann zurück: „Wann seid ihr denn da?“ Samstags, an Markttagen, ja, da geht‘s. Aber sonst, vor allem im Sommer bleiben die Kaffeetrinker der Stadt anderswo.
Das sehen einige Stammkunden etwas anders, wie ich aus persönlichen Gesprächen weiß. Dort verortet man die Ursache auch beim Management. Ein Blick ins benachbarte Osnabrück zeigt jedenfalls, dass inhabergeführte Cafés wie Jilg und Läer,  noch dazu in einer bevorzugten Lage, auch in dem aktuellen Marktumfeld bestehen können.

So oder so: Die Café - Tradition in Münster ist bald um eine Attraktion ärmer. Tröstlich, dass es noch Grotemeyer gibt. 

Weitere Informationen:

Das Ende der Kaffeehauskultur in Münster?

Sonntag, 24. Januar 2016

Die Geschichte der Anker-Werke

Von Ralf Keuper

Das Produktspektrum der Anker-Werke war Ausdruck der aufstrebenden Bielefelder Industrie des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts - es reichte von Nähmaschinen, über Fahrräder bis hin zu Registrierkassen. Letztere begründeten den Erfolg des Unternehmens, der sich darin äußerte, dass die Anker-Werke im Jahr 1976, dem Jahr des Niedergangs, der weltweit zweitgrößte Hersteller von Registrierkassen, nach NCR, waren. Die Belegschaft der Anker-Werke betrug zur Blütezeit des Unternehmens 8.000 Mitarbeiter. 

In den 1970er Jahren begann der Abstieg des Unternehmens, der 1976 zum Konkurs führte. Die Tageszeitung Die Zeit hielt angesichts zahlreicher fehlgeschlagener Rettungsversuche fest: Anker wird gefleddert. Nach Ansicht von Branchenkennern hatte das Unternehmen die Entwicklung hin zu elektronischen Kassensystemen, wie sie von IBM und Nixdorf angeboten wurden, verschlafen. 
Zum Untergang trugen, wie so oft, auch andere Faktoren bei, wie Der Spiegel in einem kritischen Beitrag über die Arbeit der Aufsichtsräte aus dem Kreis der damals führenden Banken bemerkte. Im Zentrum standen der Aufsichtsratschef von Anker und damalige Dresdner Bank - Vorstand Werner Krueger und das Familienoberhaupt Heinz zur Nieden. 
Auch Anker-Aufsichtsrat Werner Krueger will noch frühzeitig auf akute Gefahren für die Firma aufmerksam gemacht haben. Aber nicht einmal seine Forderung nach einem Sondergutachten hätten die drei Familienmitglieder im sechsköpfigen Rat unterstützen wollen. Krueger resignierend: "Selbst die beiden Arbeitnehmer-Vertreter erklärten, so etwas gäbe nur unnötigen Trouble, sie arbeiteten jeden Tag mit Herrn zur Nieden zusammen." Heinz zur Nieden, 69, unumschränkt herrschender Clan-Führer und Motor der Anker-Expansion nach dem Kriege, wollte sich nicht einmal reinreden lassen, als es bereits höchste Zeit war. Gegen das Votum Kruegers ließ der Anker-Patriarch noch vor drei Jahren acht Prozent Dividende aus der Substanz ausschütten. Erst als der langmütige Bankenaufseher ultimativ mit seinem Rücktritt drohte, trat der alte Anker-Boß zurück.

Noch mehr Mühe kostete es Krueger, den Söhnen den Einzug in die Firmenführung zu verwehren. Zwar konnten sie allesamt exzellente Beurteilungen vorlegen, doch nur von hauseigenen Ausbildern. Krueger: "Ich möchte den Abteilungsleiter sehen, der Harakiri betreibt und den Söhnen der Inhaber schlechte Noten schreibt."

Dagegen versäumte es Krueger. beizeiten die Schwachstellen im Unternehmen durch unabhängige Gutachter lokalisieren zu lassen -- vor allem die vernachlässigte Entwicklung elektronischer Anlagen. Erst als nichts mehr zu retten war, ließen sich die Bielefelder von den Beraterfirmen Kienbaum und Diebold ihre technologische Lücke bescheinigen.
Das Geschäft mit Kassensystemen teilten sich danach NCR, IBM, Diebold und Nixdorf auf. Deren Freude sollte jedoch nicht ewig währen. IBM ist bereits aus dem Geschäft mit elektronischen Kassensystemen und Geldautomaten ausgestiegen und die verbliebenen Hersteller NCR, Diebold und Wincor Nixdorf kämpfen um ihr Überleben. Ebenso wie bei Anker hat man auch dort den Trend, d.h. die fortschreitende Digitalisierung und die veränderte Mediennutzung der Kunden, zu lange ignoriert. An die Stelle der Kassen treten Smartphones, selbst das Bargeld befindet sich auf dem Rückzug. Insofern wiederholen sich bestimmte Muster in der Wirtschaftsgeschichte mit erstaunlicher Regelmäßigkeit. 

Weitere Informationen:

Aus Bielefeld in die Welt: 125 Jahre Anker-Werke

Samstag, 23. Januar 2016

Die Feuerwehr in Westfalen

Von Ralf Keuper

Die Feuerwehr ist in Westfalen fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens - und das schon seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1835 wurde in Kierspe-Neuenhaus im Märkischen Kreis die erste Feuerwehr gegründet; genauer gesagt: es ist die erste von Deutschen gegründete. Die erste Feuerwehr in Deutschland wurde nämlich zur Zeit Napoleons von den Franzosen im Jahr 1811 in Saarlouis ins Leben gerufen. 
Wie aus dem Beitrag Doppel-Jubiläum bei der Feuerwehr Kierspe hervorgeht, wurde bereits im Jahr 1781 in Beckinghausen, heute Ortsteil von Lünen, eine "Brand Sprütze" stationiert. Heute gibt es in jeder Gemeinde und Stadt Westfalens eine Feuerwehr - entweder eine freiwillige oder eine Berufsfeuerwehr. Große Unternehmen wie Miele, Claas oder Bertelsmann (Mohn Media) haben eine eigene Feuerwehr, ebenso wie die Flughäfen Münster, Paderborn und Dortmund. Einen guten Überblick über die Feuerwehrgeschichte in Nordrhein-Westfalen gibt der WDR - Dokumentationsfilm Als die Feuerwehr noch im Käfer kam



In Münster ist das Institut der Feuerwehr Nordrhein Westfalen (IdF NRW) angesiedelt. 


Wer sich für die Geschichte der Feuerwehr in Westfalen interessiert, sollte zu dem Buch Der Westfälische Feuerwehrverband 1891 - 1934 greifen, die Seite Geschichte der Feuerwehr NRW besuchen und/oder eines der Feuerwehrmuseen besuchen, wie in:
Mit dem Brandschutz beschäftigen sich in Westfalen mehrere Unternehmen, wie Europas führender Hersteller von Feuerlöschern,  Gloria, die Hersteller von Brandschutztüren, wie HörmannTeckentrup und DMW Schwarze sowie Miele im Bereich der Aufbereitung von Schutzbekleidung

Weitere Informationen:


Dienstag, 19. Januar 2016

Westfalen News #24

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Samstag, 16. Januar 2016

Alfred Colsman - Pionier der deutschen Luftfahrt

Von Ralf Keuper

Bei Alfred Colsman handelt es sich um eine außergewöhnliche (Unternehmer-) Persönlichkeit. Auf ihn geht u.a. die Gründung der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF) und der Dornier-Metallbauten GmbH zurück. Aus letzterer ging unter Claude Dornier der spätere Dornier-Konzern hervor. Ferner gilt Colsman als Architekt des Zeppelin-Konzerns und Vater der industriellen Entwicklung Friedrichshafens. Daneben gründete er die erste Fluggesellschaft der Welt: die Deutsche Luftschiffahrts Aktiengesellschaft (DELAG). Studienreisen führten ihn auch in die USA, wo er sich einen Eindruck von der Massenfertigung verschaffen wollte. So besuchte er die Ford-Werke und lernte dabei Henry Ford persönlich kennen. Außerdem knüpfte er geschäftliche Kontakte mit der Goodyear-Corporation. Rudolf Kaefer schreibt dazu in Alfred Colsman: Ein ungewöhnlicher Unternehmer 1873-1955
Erste Eindrücke der taylorisierten Massenproduktion gewann er beim Autohersteller Henry Ford und bei der Reifenfabrik Goodyear. Deren Schattenseiten erkannte er sofort. Die Handgriffe waren stark spezialisiert und reduziert, die Arbeit extrem atomisiert und durch das Fließband so beschleunigt, dass nur junge kräftige Männer beschäftigt werden konnten, weil Arbeiter älter als 40 Jahre dem schnellen Arbeitstempo körperlich nicht mehr gewachsen waren. Ford war überzeugt, dass seine Methode der Massenfertigung auf alle Produktionsbereiche übertragbar sei. Colsman blieb jedoch so nüchtern, um zu erkennen, dass sich Luftschiffe und Flugzeuge nicht am Fließband montieren lassen. Die Zahl der Einzelteile war viel höher als bei den einfachen Fordwagen und verlangte individuelle Präzisionsarbeit, welche die zu Handlangern verkümmerten Fließbandarbeiter nicht zu leisten vermochten.
Seinen Lebensabend verbrachte Alfred Colsman in seiner Heimatstadt Werdohl. Seine Interessen waren weit gespannt. Neben der Literatur und der Natur zählte dazu auch die Heimatforschung. So ist Colsman der Verfasser einer Heimatkunde Werdohls. Die Motivation hierzu entspringt dabei keineswegs plumper Heimat-Tümelei:
Ungewöhnlich war schließlich auch seine Weitsicht, die ihn als Unternehmer und politisch denkenden Menschen auszeichnete. Fragt man sich, woher er diese nahm, dann findet man eine Erklärung in seiner intensiven Hinwendung zur Vergangenheit und besonders zur Heimatgeschichte. Er begründet diese Bemühen unter anderem mit der Erkenntnis, dass junge Menschen keine Ahnung haben, wie ungemein primitiv und arm die Menschen in der vorindustriellen Gesellschaft leben mussten und ihnen damit jeder Maßstab fehlt zur Bewertung der Gegenwart und dass der Rückblick in die Vergangenheit die Welt jenen reicher erscheinen lässt, welche auch die Schatten der Vorzeit auf ihr wandeln sehen.
Bis dato wohl einer der am meisten unterschätzten Unternehmer des 20. Jahrhunderts.

Weitere Informationen:

Westfälische Flugpioniere

Freitag, 15. Januar 2016

Die Geschichte des Speditionswesens in Versmold

Von Ralf Keuper

Die Stadt Versmold im Kreis Gütersloh ist vor allem wegen ihrer Fleischindustrie überregional bekannt. Hin und wieder wird die Stadt auch als "Fettfleck Westfalens" tituliert, wie in einem Beitrag von Deutschland Radio Kultur.  
Daneben ist Versmold eine Geburtsstätte des westfälischen Speditionswesens. Dazu trug neben der bereits erwähnten Fleisch-  auch die Textilindustrie bei. Im 18. Jahrhundert betrieb die Familie Delius, die heute noch in Bielefeld tätig ist, von Versmold aus über ihre Kontore in Hamburg, Bremen, Amsterdam und Russland einen schwunghaften Textilhandel weit über die Grenzen Westfalens hinaus. Als eine Art Werbegeschenk legten die Textilhändler ihren Leinenwaren Speck, Schinken und Rohwurst bei. In dem bereits erwähnten Beitrag von Deutschland Radio Kultur heisst es dazu: 
Auf diese Weise wurden westfälische Wurstwaren in ganz Europa schon im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Marke. 
Mit der Zeit begann sich das Speditionswesen langsam von der Wurst und den Fleischwaren zu emanzipieren und erst eigentlich selbständig zu werden. 

In seinem Beitrag Frachtraum für Produzenten. Das Speditionsgewerbe in der Stadt Versmold, erschienen im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh 1988, zeichnet Heiko Johanning die Entwicklung des Transportwesens in der Stadt nach. Erst die Motorisierung, so Johanning, ermöglichte den Transport leicht verderblicher Ware über weite Strecken in kurzer Zeit. Den Beginn machte im Jahr 1924 Heinrich Lohmann mit der Gründung einer Spedition. Johanning schreibt dazu:
Lohmann richtete zunächst eine regelmäßige Lastkraftwagen-Verbindung nach Dortmund ein, um die geschäftlichen Verbindungen der heimischen Fleischwarenindustrie mit der Großstadt und dem ganzen Ruhrgebiet nicht abreißen zu lassen. Bereits 1927/28 fuhr er - zunächst noch auf Vollgummireifen - auch die regelmäßige Tour nach Berlin. Bei Kriegsausbruch 1939 liefen für die Firma schon 25 Wagen, die Zahl der Beschäftigen betrug 65. 
Aus der sog. "Lohmann-Schule" ging mit Paul Wrobbel ein weiterer Pionier des Versmolder Speditionswesens hervor. Einen guten Einblick in die Geschichte des Fuhrunternehmens gibt der Beitrag Berlin-Spezialist: Die Spedition Wrobbel aus Versmold

Einige Jahre nach Wrobbel gründeten die Gebrüder Kurt und Rudolf Nagel ein Transportunternehmen. Die Brüder trennten sich später. Kurt, genannt "Jumbo", Nagel war von beiden der geschäftlich erfolgreichere. Sein Unternehmen entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer beachtlichen Größe. Ein weiterer, vielleicht der wichtigste Schub in der Unternehmensgeschichte setzte unter Kurt Nagel Jun. ein, unter dessen Leitung das Unternehmen zu einem der führenden Transportunternehmen Europas mit heute über 11.000 Mitarbeitern und 1,6 Mrd. Euro Umsatz heranwuchs. Im Bereich der temperaturgeführten Lebensmittellogistik ist die Nagel-Group Marktführer. Damit besteht noch immer eine Verbindung zu den Anfängen des Versmolder Speditionswesens. 
Im Jahr 2007 nahm Nagel in Borgholzhausen bei Bielefeld sein Logistikzentrum in Betrieb. 

Nördlich von München baut die Nagel-Gruppe in diesem Jahr für 48 Millionen Euro ein neues Logistikzentrum

Weitere Informationen:

Logistikland Westfalen

Samstag, 9. Januar 2016

Klaus Töpfer: Schlesier in Ostwestfalen

In dem Filminterview Klaus Töpfer: Schlesier in Ostwestfalen spricht der Ehrenbürger von Höxter und ehemalige Bundesumweltminister über seine Beziehung zu seiner Heimatstadt. 

Neues aus der westfälischen Startup-Szene #3

Von Ralf Keuper

Es hat sich in den letzten Wochen wiederum einiges getan in der westfälischen Startup-Szene. 

Wie Gründerszene berichtet, will Greenergetic aus Bielefeld die Solarbranche digitalisieren. Zum Geschäftsmodell heisst es: 
Das Bielefelder Unternehmen hat ein Internetportal entwickelt, auf dem Privat- und Geschäftskunden Fotovoltaikanlagen nach ihren individuellen Ansprüchen planen und kaufen können.
RapidMiner aus Dortmund, nach eigener Aussage "the leading predictive analytics platform", konnte eine weitere Finanzierungsrunde über 16 Mio. Dollar abschließen. 

Im Münster ist mit Perspective Daily eine Kampagne für ein neuartiges Nachrichtenportal gestartet, wie Westfalen heute meldet

Montag, 4. Januar 2016

FC Gütersloh: Der zweite Niedergang?

Von Ralf Keuper

Es ist kaum zu glauben, dass der FC Gütersloh in den späten 1990er Jahren kurz davor war, in die 1. Fussballbundesliga aufzusteigen. Als Bertelsmann und Miele ihre Bereitschaft signalisierten, den Verein finanziell zu unterstützen, schien eigentlich nichts mehr unmöglich. Bald darauf kam es jedoch zum rasanten Abstieg, in dessen Folge sich die Sponsoren zurückzogen und der Verein aufgelöst wurde. Die Dramatik der Ereignisse schildert eindrücklich der Beitrag „Uns fehlt der Glaube, dass die Dinge nachhaltig besser werden“

Die Nachfolge trat der FC Gütersloh 2000 an, der nun selber in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Schon bald könnte sich der neue FC Gütersloh aus der Oberliga verabschieden. Bis auf weiteres will der FC den Spielbetrieb fortsetzen. Nach Ansicht von Wolfgang Temme handelt es sich dabei nur um eine Galgenfrist

Das Heidewaldstadion wird von der Stadt lediglich vor dem Verfall bewahrt. Die Tageszeitung Die Glocke zitiert die Stadt-Sprecherin Susanne Zimmermann mit den Worten: 
Die Durchführung der beschlossenen baulichen Anpassungsmaßnahmen sichert den Bestand des Stadions und steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der aktuellen Situation des FC Gütersloh.

Sonntag, 3. Januar 2016

Die Geschichte der Westfalenbank

Von Ralf Keuper

Die Westfalenbank mit Sitz in Bochum war über Jahrzehnte Hausbank vieler bedeutender Unternehmen im Ruhrgebiet. Gegründet wurde die Bank im Jahr 1921 von mehreren Industrieunternehmen mit dem Ziel, die Abhängigkeit der heimischen Unternehmen von den Berliner Großbanken zu verringern - ein Plan, der lange Zeit aufging. 

In ihren guten Jahren war die Westfalenbank die größte filiallose Bank im Bundesgebiet und überdies höchst profitabel, wie die ZEIT im Jahr 1958 bei der Bewertung der Bilanz für das Geschäftsjahr 1957 anerkennend feststellte
Es besteht aber kein Zweifel, daß es sich bei der Westfalenbank um ein sehr ertragskräftiges Institut handelt, das wieder einmal eine sehr liquide Bilanz ausweist. Das Bochumer Haus ist die größte filiallose Bank im Bundesgebiet. Sie unterhält zu vielen großen Gesellschaften des Reviers ausgezeichnete Geschäftsbeziehungen, die sich vorwiegend auf die kurzfristige Finanzierung erstrecken dürften.
Schon in 1960er Jahren änderte sich das Bild. Mit der Kohlekrise begann auch der Stern der Westfalenbank zu sinken. Ins Gerade kam die Bank im Jahr 1972 im Zusammenhang mit dem IOS-Skandal
Es folgten mehrere Eigentümerwechsel, wie von Wintershall zur Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, von dort zur Falke-Bank und danach wieder zurück zur HypoVereinsbank, Nachfolgeinstitut der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Zuletzt firmierte das Institut als Crown Westfalenbank AG.  2010 wurde die Bank aufgelöst. 
Die Stationen des Niedergangs der Bank bis zum Jahr 2006 beschreibt u.a. Caspar Dohmen in Beerdigung auf Raten

Erst gestern widmete die WAZ dem Institut in Westfalenbank war ein echtes Bochumer Gewächs einen Beitrag.