Samstag, 20. August 2016

Bilderbuch Deutschland - Rund um den Biggesee

Flughäfen und Flugplätze in Westfalen

Von Ralf Keuper

Lange Zeit war Westfalen ein weißer Fleck in den Flugverkehrsplänen. Und das, obwohl die Flughafen Dortmund GmbH eine der ersten ihrer Art in Deutschland und Dortmund ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war: In den 1920er Jahren gingen über Dortmund mehr Linienflüge als über Essen oder Düsseldorf. 
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Westfalen große Verkehrsflughäfen mit internationaler Anbindung, wie in Münster, Dortmund und Paderborn. 
Sören Gerkensmeyer hält dazu in Flugplätze in Westfalen – eine neue Wettbewerbssituation? fest:
In Westfalen existieren derzeit vier Verkehrsflughäfen, zwei Militärflughäfen sowie mehrere kleine Verkehrslandeplätze. Die Airports Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt besitzen den Status eines Internationalen Verkehrsflughafens, während der Flughafen Siegerland als Regionaler Verkehrsflughafen gilt. Im bundesweiten Vergleich weist diese Region eine für ihre Größenordnung hohe Dichte an Start- und Landeplätzen des zivilen Luftverkehrs auf. Was für die Passagiere eine gute Erreichbarkeit und stetige Auswahlmöglichkeit garantiert, stellt die Flughafenunternehmen jedoch in einen direkten Wettbewerb zueinander.
Das Schaubild Flughäfen und -plätze in Nordrhein-Westfalen weist für Westfalen einen Internationalen Flughafen (Münster-Osnabrück) und drei Regionalflughäfen (Dortmund, Paderborn-Lippstadt, Siegerland) aus. Daneben bestehen noch zahlreiche Verkehrslandeplätze, wie Bielefeld-Bleiwäsche: 
Er liegt rund 7 Kilometer südlich der Bielefelder Innenstadt im Stadtbezirk Senne und wird von der Flughafen Bielefeld GmbH betrieben. Gesellschafter sind unter anderem die Stadt Bielefeld, die IHK Bielefeld und 14 Unternehmen aus der Region. Der Flugplatz verfügt über eine knapp 1300 Meter lange, befeuerte und asphaltierte Start- und Landebahn und wird vor allem von regionalen Unternehmen, Privatpersonen und örtlichen Luftsportvereinen benutzt (Quelle: Wikipedia) 
Ein weiterer Flugplatz mit vergleichsweise hohem Verkehrsaufkommen ist der Flugplatz Arnsberg-Menden:
Der Flugplatz entstand 1970 zunächst als Verkehrslandeplatz für den Kreis Arnsberg. Nach der kommunalen Gebietsreform von 1975 ging er in den Besitz desHochsauerlandkreis über. Dieser betrieb ihn bis in das Jahr 2000 hinein. Danach übernahm eine Gruppe von 13 Gesellschaftern der regionalen Wirtschaft von 2001 bis 2006 den Betrieb. 2006 schieden elf Gesellschafter aus, übrig blieben lediglich die Firmen OBO Bettermann und Lobbe aus Iserlohn. Im April 2012 stieg Lobbe aus dem Gesellschaftervertrag aus, somit ist OBO Bettermann der nunmehr alleinige Gesellschafter. Der Flugplatzgesellschaft Arnsberg-Menden mbH gehören sowohl das Gelände als auch die technische und bauliche Infrastruktur. ..
Mittlerweile hat die Start- und Landebahn eine Länge von 920 Metern. Im Dezember 2013 wurde von der Bezirksregierung Münster die weitere Verlängerung der Landebahn auf 1180 Meter genehmigt (Quelle: Wikipedia). 
Oerlinghausen ist Heimat des größten Segelfugplatzes der Welt. Ein weiterer bekannter Segelflugplatz ist der in Paderborn-Haxterberg: 
Der Flugplatz Paderborn-Haxterberg besteht seit 1973 und wird von der Luftsportgemeinschaft Paderborn e. V. betrieben, die ihn überwiegend in Eigenleistung aufbaute, nachdem der bis dato genutzte Flugplatz Paderborn-Mönkeloh im Zuge der Erweiterung des dortigen Industriegebietes aufgegeben werden musste. Er hat eine 700 m lange Asphaltpiste, mit einer Unterflur-Befeuerung, die Mitte April 2007 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Die Segelflugbahn ist 1100 m lang; sie erstreckt sich somit über die gesamte Länge des Geländes. 
Der Flugplatz war 1981 Austragungsort der Segelflug-Weltmeisterschaften im Streckenflug und 1988 solcher der Segelkunstflug-Weltmeisterschaft (Quelle: Wikipedia)
Für zivile Zwecke wurde für einige Jahre der Militärflughafen der Briten in Gütersloh genutzt, worüber der Beitrag Flugplatz: Bertelsmann und Miele heben ab berichtet. 

Auf heftige Kritik in Dortmund und Paderborn stieß vor wenigen Wochen der neue Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen:
Der Grund: Dortmund wird ebenso wie die Flughäfen Weeze und Paderborn/Lippstadt lediglich als "regionalbedeutsam" eingestuft. Düsseldorf, Köln/Bonn und Münster/Osnabrück sollen hingegen den Status "landesbedeutsam" erhalten (in: Flughafen Dortmund erneuert Kritik an Landesentwicklungsplan)

Freitag, 19. August 2016

Verlassene Orte in Westfalen

Von Ralf Keuper 

Das Phänomen verlassener Orte ist auch Westfalen anzutreffen. Beispielhaft dafür sind das Motor Technica Museum Bad Oeynhausen, die stillgelegte Brandt Zwiebackfabrik in Hagen, Brinkhaus in Warendorf und ein Autohaus in Dortmund. 







Samstag, 13. August 2016

Bielefeld. Starker Standort - starke Wirtschaft.

Westfalen News #36

Von Ralf Keuper

Wiederum eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Freitag, 12. August 2016

Geschichte der Luftfahrt im Ruhrgebiet

Von Ralf Keuper

Das Ruhrgebiet spielt in der Geschichte der deutschen Luftfahrt eine entscheidende Rolle. Der älteste Flugplatz des Ruhrgebiets und der drittälteste in Deutschland war der Flugplatz Holten in der Nähe von Oberhausen: 
Auf dem Flugplatz Holten machten viele Flugpioniere aus der Region auf dem Terrain ihre ersten Flugversuche. Das Markenzeichen des Platzes war der 8,9 Meter hohe „Holtener Abflugturm“ bzw. die „Holtener Startrampe“, welche über eigens hierzu ausgegebene Zwanzig-Mark-Aktien finanziert wurde.[6] Die am 23. Mai 1910 eingeweihte, 20 Meter lange Rampe konnte bei Bedarf auf einer ringförmigen Zementbahn in den Wind gedreht werden, um optimale Startbedingungen zu erreichen. Ein bekannter Gleitflieger über dem Holtener Bruch war der Sterkrader Fördermaschinist Bergmann. Auf dem ersten Flugtag 1911 stellte der Flieger Bruno Werntgenbei einem Stundenflug über Holten mit 80 Metern einen Höhenrekord auf (Quelle Wikipedia
Weitere wichtige Flugplätze aus der Anfangszeit der Fliegerei im Ruhrgebiet waren der Flugplatz Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen und der Flughafen Dortmund. 

Über den Flugplatz Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen heisst es bei Wikipedia:
Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit am 25. Mai 1912 auf Pachtland des alten Gutes Nienhausen eröffnet, entwickelte sich dieser Flugplatz zu einem Schwerpunkt der frühen Luftfahrtentwicklung im Ruhrgebiet. Zahlreiche Flugveranstaltungen, unterstützt durch die Industrie und Wirtschaft, verhalfen diesem Flugplatz zur damaligen Berühmtheit. Es befanden sich drei Flugschulen auf dem Terrain. Dazu kamen die ebenfalls 1912 gegründeten Kondor-Flugzeugwerke, welche neben einigen Eigenkonstruktionen während des Ersten Weltkrieges auch Militärflugzeuge in Lizenz fertigten. 
Am 16 April 1926 wird die Flughafen Dortmund GmbH gegründet. Schnell entwickelte sich Dortmund zum wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkt im Westen Deutschlands:
Als Grundkapital dienen 835.000 Reichsmark. Gesellschafter sind: Deutsches Reich, Preußischer Staat, Provinzialverband Westfalen, Stadt- und Landkreis Dortmund, Industrie- und Handelskammer sowie einige Firmen. Nach dem Zusammenschluss von Aero Lloyd und Junkers Luftverkehrs AG im Januar 1926 zur Deutschen Lufthansa AG starten und landen täglich zwölf Maschinen der jungen, aufstrebenden Gesellschaft in der Westfalenmetropole. Dortmund etabliert sich im innerdeutschen Luftverkehr neben Köln. Es gehen mehr Linienflüge über Dortmund als über Düsseldorf und Essen (Quelle: Eine Reise durch die Geschichte des Flughafens Dortmund)
Ein Jahr früher wurde in Essen die Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet A.G. (LURAG) gegründet, die später Teil der Deutschen Luft Hansa wurde. 

Weitere Informationen:

Westfälische Flugpioniere

Alfred Colsman - Pionier der deutschen Luftfahrt

Sehnsuchtsort Dorf - Schreckgespenst Stadt?


Weitere Informationen:


Mittwoch, 10. August 2016

Neues aus der westfälischen Startup-Szene #6

Von Ralf Keuper

Es hat sich in den letzten Wochen und Monaten wiederum einiges getan in der westfälischen Startup-Szene. 

In einem Interview erklärte Heiner Buitkamp von der Wirtschaftsförderung Paderborn, warum Paderborn seiner Ansicht nach ideal für Startups ist. 

In der westfälischen Startup-Hochburg Witten wollen drei Studenten mit Caregaroo den Markt für Kinderbetreuung aufmischen

Im Juli fand in Essen die größte Startup-Konferenz im Ruhrgebiet statt - RuhrSummit. 

Am 14. und 15. September präsentieren sich die drei westfälischen Startups Weihnachtsbaumland, Zmyle und  Konato auf der dmexco, der Leitmesse der digitalen Wirtschaft in Köln, wie Westfalen heute berichtete

Mittlerweile hat in Bielefeld die Founders Foundation der Bertelsmann Stiftung ihre Arbeit aufgenommen. 

Wie steht es um die Wirtschaft in NRW?

Von Ralf Keuper 

Obwohl das Land Nordrhein-Westfalen in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag begeht, will in der Öffentlichkeit bzw. in den Medien keine rechte Feierlaune aufkommen. Grund dafür ist vor allem der unbefriedigende Zustand der Wirtschaft in NRW. In den letzten Jahren tauchten immer wieder Berichte auf, die sich kritisch mit den verschiedenen Kennzahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung in NRW beschäftigten. Momentan kommt es nach meinem Eindruck zu einer Häufung. 

Bremsklotz NRW

Stellvertretend für viele brachte die Welt vor einigen Tagen in dem Beitrag Nordrhein-Westfalen ist Deutschlands Bremsklotz ihre Kritik zum Ausdruck. Darin bezichtigt der Autor das Land NRW, ganz Deutschland mit in die Tiefe zu ziehen. Für viele Kritiker, wie die Forscher vom Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsforschungsinstitut (RWI),  sind die aktuellen Probleme nicht allein auf den Strukturwandel, für den insbesondere das Ruhrgebiet steht, verantwortlich, sondern hausgemacht: 
Doch das, sagen Fachleute, ist nicht einmal die halbe Wahrheit. "Die aus der Vergangenheit tradierten Industriestrukturen allein können wohl kaum als alleinige Erklärung für diese schlechten Entwicklungen herangezogen werden", heißt es beim RWI. Vor allem in den vergangenen Jahren habe sich die Talfahrt beschleunigt. "Für das Nullwachstum im Lande sind vor allem hausgemachte Fehler und Probleme verantwortlich", wirft Axel Martens, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe, der Landesregierung vor.
Ein schlechtes Zeugnis stellen die Forscher vom RWI  der Forschungspolitik der Landesregierung aus: 
Bei der Forschungsförderung verzettele sich das Land, hält Paul Welfens der Politik vor. Die benachbarten Niederlande, etwa gleich groß wie NRW, pflegten eine auf neun Sektoren fokussierte, weltmarktorientierte Innovationspolitik, während die Düsseldorfer Landesregierung mit 16 als "Cluster" geförderten Sektoren wenig effizient breit streue. Dazu kommen Verwaltungsmängel. Als die Bundesregierung im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro für Fernstraßenprojekte lockermachte, landeten nur 128 Millionen davon in NRW. Die Landesbehörden hatten schlicht zu wenig baureife Projekte ausgearbeitet. Den Löwenanteil sahnte Bayern mit 621 Millionen Euro ab.
Was die Förderung von Straßenprojekten betrifft, hat NRW wieder Boden gut gemacht. So erhält NRW den Löwenanteil der Ausgaben des Bundes für den Bau von Straßen, Schienen und Wasserwegen

Weitere Ursachenanalyse betreibt der Beitrag Warum die Wirtschaft in NRW so schwach ist. Auch darin kommt das RWI zu Wort:
Die Investitionsquote in NRW ist Analysen des RWI zufolge im Vergleich mit anderen Bundesländern gering. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung seien in Bayern fast doppelt so hoch wie in NRW, in Baden-Württemberg fast drei Mal so hoch. Auch IW-Experte Kempermann bemängelt: „Vielerorts in NRW fehlt es an Innovationskraft. Darauf weisen schwache Werte bei Themen wie Forschung und Entwicklung und Patentanmeldungen hin.“
Problemfall Ruhrgebiet 

Für die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in NRW wird von fast allen Kommentatoren das Ruhrgebiet verantwortlich gemacht. Der Strukturwandel verläuft zu schleppend, das Kirchturmdenken, gepaart mit einer Anspruchshaltung, die über die Jahrzehnte - auch von der Politik - gefördert bzw. aus machtpolitischem Kalkül genutzt wurde - hat zu einer, wie u.a. Bundestagspräsident Lammert bemerkt, Lebenslüge geführt. Die Dortmunder Wissenschaftlerin Juli Sattler setzte mit der Feststellung Dem Revier geht's schlecht? Nicht im Vergleich mit Detroit noch eins drauf. Von einer Lebenslüge des Landes NRW handelt das Streitgespräch zwischen dem Politologen Rainer Bovermann (SPD) und dem Historiker Frank Uekötter
Bovermann sagt darin mit Blick auf die verschiedenen Phasen der Landespolitik der letzten Jahrzehnte:
Ich würde noch eine weitere Zeit abgrenzen. Die Ära Johannes Rau von 1978 bis 1998. Für Sozialdemokraten eine heile Welt, in der das Landesbewusstsein unter dem Motto "Wir in NRW" doch stärker wurde. Gleichzeitig meinte man, die Krise von Kohle und Stahl im Ruhrgebiet durch politische Planung und Steuerung irgendwie gestalten zu können. Seit etwa 2005 sehe ich eine neue Phase der Landesgeschichte, ein Umbruch mit neuen Problemen in der Wirtschafts- und Integrationspolitik.
Frank Uekötter spricht die Lebenslüge des Landes NRW direkt an, die sich aus einem Glauben an Großprojekte herleitete: 
Es gibt eine Lebenslüge des Landes Nordrhein-Westfalen. Das war der Irrglaube, dass NRW ohne Steinkohle der ökonomische Niedergang droht. Und dieser Glaube an Großprojekte endete leider nicht mit der Steinkohle. Vor allem die Ministerpräsidenten Clement und Steinbrück haben das bei anderen Themen wie Metrorapid von Köln nach Dortmund oder Emscherumbau fortgesetzt. 
Die Wirtschaftswoche zitiert in Strukturwandel. Licht und Schatten im Ruhrgebiet den Wirtschaftsforscher Michael Bahrke:
Startprobleme beim technologischen Wandel, zu viel Kirchturmdenken und Selbstbefassung und eine gewisse Versorgungsmentalität und Konzentration auf die großen industriellen Arbeitgeber – das werfen Kritiker wie der Wirtschaftsforscher Michael Bahrke vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der Region bis heute vor. Das Ruhrgebiet verpasse bisher die große Chance, die inzwischen zahlreichen Hochschulen der Region, Forschungseinrichtungen und die vielen jungen Leute in der 5,3 Millionen-Einwohner-Region miteinander zu vernetzen, sagt er.
Weitere Beiträge über die Situation im Ruhrgebiet:
Krise der Stromkonzerne trifft das Ruhrgebiet besonders hart

Nicht alle Probleme kann man jedoch den Verantwortlichen im Ruhrgebiet bzw. der Kommunalpolitik anlasten, wie am Beispiel der Krise der Stromkonzerne deutlich wird, wodurch die Gewerbesteuereinnahmen sinken und, wie im Fall von Essen, sogar einen erheblichen Wertberichtigungsbedarf auf den Aktienanteil an RWE zur Folge hat. 

Lichtblicke im Ruhrgebiet

Dennoch gibt es auch Positives aus dem Ruhrgebiet zu berichten. So stellte die Welt, die dem Land bzw. der Landesregierung von NRW ansonsten ausgesprochen kritisch gegenüber steht, vor gut einem Jahr fest, dass  das Ruhrgebiet sein Schmuddel-Image ablege. Auf Rekord- bzw. Wachstumskurs befindet sich der Logistikmarkt im Ruhrgebiet. In Bochum plant die Post auf dem ehemaligen Opel-Gelände ein Paketzentrum

Die Peripherie schneidet deutlich besser ab als das Zentrum 

In NRW haben wir es, im Vergleich mit den anderen Bundesländern, mit der einmaligen Situation zu tun, dass die Peripherie deutlich besser abschneidet als das Zentrum, wenn wir das Ruhrgebiet als das Zentrum des Landes betrachten, was nicht nur geografisch den Tatsachen entspricht, sondern auch von der Bevölkerungszahl her durchaus Sinn ergibt. Den "Randregionen" wie Südwestfalen, Ostwestfalen und dem Münsterland, aber auch der "Rheinschiene" scheint es nicht schlecht bekommen zu sein, nicht im selben Umfang mit Fördergeldern und Subventionen bedacht worden zu sein, wie das Ruhrgebiet. Die Landesregierung zeigt sich davon jedoch weitgehend unbeeindruckt, wie der Metropolen-Ansatz zeigt
Das Zentrum-Peripherie Phänomen wurde übrigens von Niklas Luhmann in seiner Zentrum/Peripherie-Differenzierung thematisiert. Eine These daraus lautet:
Distanz vom Zentrum zählt als Nachteil aber nur, solange man nicht von Interaktion auf Kommunikation umsteigen kann.
Egon Friedell sprach von der Schöpferischen Peripherie

Die Kraft der Peripherie reicht jedoch nicht aus, um das Zentrum anheben zu können - das ist im vorliegenden Fall das Dilemma. 

NRW trotz allem noch Spitze

Trotz der genannten Defizite kann NRW mit einigen Pluspunkten aufwarten. So wurde NRW vor einigen Monaten zur European Region of the Future 2016/2017 gekürt. Und auch bei den ausländischen Direktinvestitionen liegt NRW in Deutschland seit Jahren einsam an der Spitze. So schlecht kann der Standort demnach nicht sein.
Weitere Pluspunkte in NRW sind das ausgesprochen dichte Netz an Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, das in dieser Ausprägung in Deutschland einmalig ist. Das führt allerdings auch zu der Frage, warum davon so wenig in der "realen" Wirtschaft ankommt. Weiterhin hervorzuheben ist die, alles in allem, gute Verkehrsinfrastruktur mit den großen Flughäfen Düsseldorf, und Köln/Bonn sowie den Regionalflughäfen Münster, Dortmund und Paderborn. 

NRW kann deutlich mehr

Festzuhalten bleibt, dass das Land NRW derzeit weit unter seinem Potenzial verweilt.

Weitere Informationen / Update

Umsätze der westfälischen Industrie stabil

Samstag, 6. August 2016

Nachnutzung des Flughafens Gütersloh

Von Ralf Keuper

Im November diesen Jahres wird der Flughafen Gütersloh offiziell von den Briten an die Bundesanstalt für Immobilien (BImA) übergeben. Damit endet eine Epoche, die im Jahr 1945 begann, als die britischen Besatzer den Flughafen, der unter dem NS-Regime gebaut und bis zum Ende des Krieges für militärische Zwecke genutzt wurde, in Besitz nahmen. Seit einigen Jahren schon sind auf dem Gelände keine Flugzeuge oder Hubschrauber mehr stationiert. 

Seit 1990, als bekannt wurde, dass die Briten den Militärflughafen aufgeben würden, ist die Diskussion um die weitere, zivile Nutzung des Flughafens im Gang. Einen guten Überblick verschafft der Beitrag Der Flugplatz Gütersloh Chancen und Probleme bei der Umwidmung eines ehemaligen Militärflughafens

Dort heisst es u.a: 
Ideen aus früheren Jahren (1973/1985), den Militärflughafen nach dem Abzug der Briten in einen Zivilflugplatz umzuwidmen und als weiteren westfälischen Regionalflughafen zu etablieren, ließ man nach Bekanntgabe, daß das Gelände von der britischen Army weitergenutzt würde, schnell fallen und konzentrierte sich seitens der Befürworter auf eine zivile Mitnutzung des NATO-Flugplatzes.
Das Thema Zivilflugplatz ist eigentlich schon seit 1993 vom Tisch, als der damalige Landesverkehrsminister Kniola relativ deutlich Stellung bezog: 
Anläßlich der Einweihung der neuen Paderborner Abflughalle im Dezember 1993 bekräftigte Kniola in seiner Festansprache, daß Paderborn/Lippstadt der Flughafen der Region sei, und erteilte damit dem Gelände in Gütersloh als Regionalflughafen - ohne es dirket anzusprechen - eine klare Absage.
Mehr als eine zivile Mitnutzung war mit der NRW-Landesregierung nicht zu machen. Die Stadt Gütersloh gab den Bürgern die Gelegenheit, sich aktiv an der Diskussion um die künftige Nutzung des Flughafengeländes zu beteiligen. Die Auftaktveranstaltung Bürgebeteiligung Konversion Flugplatz Gütersloh fand am 18. September 2012 im Gütersloher Rathaus statt. Großen Zuspruch fand, wie aus der Dokumentation der Bürgerbeteiligung "Konversion Flugplatz Gütersloh" 2012 hervorgeht, die Idee eines Luftfahrt Museums bzw. eines Museumsbereichs zum Flughafen mit Geschichte. Bei der Frage der gewerblichen Nachnutzung schnitt die Alternative Zivilflughafen mit begrenzter Nutzung relativ schlecht ab. Keinen bzw. kaum Zuspruch fand die Alternative Nutzung als Zivilflughafen ohne Begrenzungen

Am 4. Juli war die Nachnutzung des Flughafens ein Thema im Hauptausschuss. Die Sitzungsunterlagen enthalten das Integrierte Handlungskonzept für die Konversion Flugplatz "Princess Royals Barracks"

Darin sprechen die Autoren die Empfehlung aus: 
Nach dem endgültigen Abzug der Streitkräfte und dem anschließenden Entwidmungsverfahren ist die Änderung des Regionalplans für das Flugplatzareal schnellstmöglich zu beantragen. Die Änderung der Flächennutzungspläne und die Aufstellung der Bebauungspläne sollten möglichst in Parallelverfahren erfolgen, um die Verfahrensdauer zu verkürzen. Wir empfehlen die Aufstellung von zwei Bebauungsplänen für das Industrie- und Gewerbegebiet Parsevalstraße (ein Verfahren Stadt Gütersloh, ein Verfahren Stadt Harsewinkel) und zwei Bebauungsplänen für das nördliche Flugplatzareal, welche die Industrie- und Gewerbeflächen sowie die Photovoltaik-Flächen umfassen, da nach dem aktuellen Erneuerbare-Energien-Gesetz eine Förderung von Freiflächenphotovoltaik nur bei Vorliegen eines Bebauungsplanes möglich ist. Bei Bedarf können für das Industrie- und Gewerbegebiet Flugplatz mehrere Bebauungspläne für die Abschnitte Ost (Initialbereich), Mitte und West aufgestellt werden. Die Entwicklungsabschnitte können grundsätzlich auch parallel umgesetzt werden. Um eine personelle und finanzielle Überforderung der Projektbeteiligten zu vermeiden, sollten nicht mehr als zwei Entwicklungsabschnitte gleichzeitig umgesetzt werden.
Das ist noch einiges zu tun ;-)

Weitere Informationen:

Flugplatzgelände Gütersloh

Gewerbepark Flugplatz Gütersloh befürwortet

Nationalpark Senne-Eggegebirge (Film)

Familie Brenninkmeijer geht an die Öffentlichkeit

Von Ralf Keuper

Die ansonsten äußerst verschwiegene Familie Brenninkmeijer hat aus Anlass der Veröffentlichung des Buches C&A – ein Familienunternehmen in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien, in dem die Verstrickung der Familie und des Unternehmens C&A während des NS-Regimes kritisch beleuchtet wird, den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. In einem Interview mit der ZEIT äußert sich der aktuelle "Clan-Chef" Maurice Brenninkmeijer jedoch nicht nur zu diesem Thema, sondern gibt einen kleinen Einblick in die Struktur und Kultur des Familienunternehmens. 

Darin geht Maurice Brenninkmeijer auch auf das besondere Verhältnis der weitverzweigten Familie zu dem Ursprungsort der Familie, Mettingen im Kreis Steinfurt, ein. Zwar verstehen sich die Brenninkmeijers als Niederländer, dennoch reiße der Kontakt zu den Anfängen nicht ab:
Unsere westfälischen Wurzeln sind aber ebenfalls bedeutsam, und deshalb ist Mettingen für uns so wichtig. Die erdverbundene Kultur von Westfalen gehört zur unserer Familienidentität. Das wollen wir wirklich bewahren.
Weitere Informationen:

Brenninkmeyer-Dynastie vor dem Zerfall?

Die Tödden aus dem nördlichen Münsterland

Modekette C&A: Schutzgelder für Nazi-Grössen

Freitag, 5. August 2016

Geheimnis Schloss Münster (Dokumentationsfilm)

Von Ralf Keuper

Die Geschichte des Münsteraner Schlosses ist voller Geheimnisse, oder besser: Kuriositäten. Ursprünglich als repräsentativer Bau für den Fürstbischof geplant, war das Schloss zu keinem Zeitpunkt Herberge einer höfischen Gesellschaft oder Lebensmittelpunkt eines Herrschers.
Als es fertiggestellt war, entsprach es schon nicht mehr dem Zeitgeist, so dass es lange Zeit leer stand. Die Fürstbischöfe zogen andere Gebäude in der Stadt als dauerhaften Wohnsitz vor. 


Unter der Herrschaft Preußens wurde der Schlosspark, der bis dahin ein englischer Landschaftsgarten war, in einen botanischen Garten umgewandelt. Lange Zeit war das Schloss Verwaltungssitz  der Preußischen Provinz Westfalen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Schloss zur Kulisse für Militärparaden und Massenveranstaltungen wie dem Sent.

Der Schlossplatz ist einer der größten Stadtpläzte Europas, weshalb er während der NS-Zeit gerne für Aufmärsche genutzt wurde. Daneben diente das Schloss dem NS-Gauleiter von Westfalen-Nord als Verwaltungssitz. 
Nach dem 2. Weltkrieg wollten die britischen Besatzer das Schloss abreißen, was jedoch - glücklicherweise - verhindert werden konnte.  Auf Anraten eines Denkmalpflegers entschloss sich das Land Nordrhein-Westfalen, das Schloss für die Univerwaltung zu nutzen. Diese Funktion erfüllt es bis heute. 

Was mir in dem Film fehlt, ist die Beschäftigung mit dem Bau des Schlosses und seiner Architektur. Der eigentliche Architekt war kein Geringerer als Johann Conrad Schlaun, der auch "Architekt des westfälischen Barock" genannt wird. 

In Münster. Ein Portrait in Bildern heisst es:
Das Schloss ist ein reifes Spätwerk von Johann Conrad Schlaun und gilt als Hauptschöpfung des norddeutschen Barocks, 1767 begonnen, als sich die liebenswerte Kunst des Barocks bereits dem Ende zuneigte, nach Schlauns Tod von Wilhelm Ferdinand Lipper baulich im Stil des Klassizismus fortgeführt. Schlaun hatte das Schloss als Zentrum einer groß angelegten fürstbischöflichen Residenz konzipiert, von der nur Teile realisiert wurden. Das Schloss steht auf einer ehemaligen Zitadelle, die Fürstbischof Christof Bernard von Galen ("Bombenbernd") 1661 gegen die von ihm unterworfene Stadt errichten ließ. Davor ließ er freies Schussfeld brechen, den späteren Neuplatz und sei 1928 Hindenburgplatz (Anmerkung: Mittlerweile Schlossplatz).. Das wieder aufgebaute Schloss ist seit 1954 Sitz der Universität.