Samstag, 29. Oktober 2016

Westfalen News #39

Von Ralf Keuper

Wiederum eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Samstag, 8. Oktober 2016

Verein für Westfälische Kirchengeschichte

Der Verein hat sich die wissenschaftliche Erforschung der westfälischen Kirchengeschichte zur Aufgabe gemacht. Er will das Interesse an kirchlicher Vergangenheit in allen Kreisen der Gesellschaft anregen und vertiefen. 
Für das kirchliche Leben der Gegenwart ist es eine wichtige Voraussetzung, über die lokale und regionale Geschichte, die Land und Leute geprägt hat, im Bilde zu sein. Dazu will der Verein beitragen. 
Insbesondere sieht es der Verein als seine Aufgabe an, Hinweise zur Erforschung wichtiger Sachgebiete und Themen zu geben und beratend bei der Bearbeitung zur Seite zu stehen. Quelle: Homepage
Weitere Informationen: 

Warum steht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe wirtschaftlich so schlecht da?

Von Ralf Keuper

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sorgt, was die Finanzlage angeht, seit Jahren für negative Meldungen. So auch in diesem Jahr. Für das Jahr 2017 rechnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit einen Jahresfehlbetrag von 228 Millionen Euro. Um diese Lücke schließen zu können, ist die Erhöhung des Umlagensatzes geplant. Das wiederum ruft bei den betroffenen Kommunen alles andere als Begeisterung hervor. 
Damit könnte man das Kapitel schließen, wäre da nicht der direkte Vergleich mit dem Landschaftsverband Rheinland, worüber der Beitrag Reiches Rheinland, armes Westfalen: Riss quer durchs Revier berichtet. Anders als in Westfalen-Lippe, rechnet der Landschaftsverband Rheinland für das nächste Jahr "nur" mit einem Fehlbetrag von 15,3 Millionen Euro. Eine Erhöhung des Umlagensatzes schließt der Landschaftsverband Rheinland schon jetzt aus.

Wie kommt es, dass der LVR wirtschaftlich so viel besser da steht als der LWL?  In einer Grafik des erwähnten Beitrags werden die Landschaftsverbände mit ihren Kennzahlen gegenübergestellt:


Der LVR hat 2.000 Mitarbeiter mehr als der LWL, müsste demnach höhere Personalkosten haben. Die Zahl der Förderschulen ist ebenfalls höher als in Westfalen. Lediglich bei den Kliniken ist die Zahl in Westfalen deutlich höher als im Rheinland. Der LVR verfügt über einen deutlich höheren Etat als der LWL. Die Differenz beträgt immerhin 500 Millionen Euro. 
Klingt einigermaßen plausibel bzw. ausgewogen - warum also arbeitet der LWL chronisch defizitär? Der LWL gibt als Grund das allgemein höhere Steueraufkommen der LVR-Kommunen an. Reicht das wirklich als Begründung? Ist das Steueraufkommen der LVR-Kommunen tatsächlich so viel höher, dass der Fehlbetrag im Rheinland im nächsten Jahr um ca. 200 Mio. Euro geringer ausfällt als in Westfalen-Lippe? Ist das plausiblel u.a. mit Blick auf die Finanzlage der NRW-Städte (2013)
Laut Zeitungsbericht seien Hauptursachen für das Defizit im kommenden Jahr Sondereffekte in der Sozialgesetzgebung des Bundes wie das Bundesteilhabegesetz sowie höhere Ausgaben bei Sozial- und Erziehungsdiensten. Aber gilt das nicht auch für den Landschaftsverband Rheinland?

Es muss noch andere Ursachen geben. 

Samstag, 1. Oktober 2016

Glaubte Friedrich Spee an Hexen?

Friedrich Spee war ein Kind seiner Zeit. Für ihn war es - entgegen allen anachronistischen Verzerrungen unserer Tage - kein Widerspruch, an die Vernunft der Zeitgenossen zu appellieren und gleichzeitig an die Existenz von Hexen zu glauben. Der populäre Mythos, Spees Vernunftverständnis sei der Ausfluss einer aufklärerischen Rationalität, kann in ihrer Pauschalität nicht aufrecht erhalten werden. Daher stellt sich die Frage, was an Spees Werk bemerkenswert bleibt, wenn die wegweisende Radikalität seiner Kritik so stark zu relativieren ist? Die Antwort liegt einerseits in seiner Person und andererseits in dem Aufbau seiner Cautio Criminalis. ...

Zu seiner Cautio Criminalis: Friedrich Spee ist an vielen Stellen seines Buches nicht originär, sondern nutzt Argumente, die teilweise schon von seinen Vorgängern verwendet worden sind. Allerdings liegt das Spezifikum seiner Schrift in der gewählten Ich-Form. Dank ihres Gebrauchs kann der Leser sich mit dem Geschriebenen identifizieren, d.h. sich in die Situation einer angeblichen Hexe hineinversetzen, ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit, sogar die Schmerzen der Folter nachempfinden. Der Rezipient wird förmlich gezwungen, sich selbst zu fragen, ob er die gleichen Qualen ertragen könnte oder doch dem physischen und psychischen Druck der Tortur nachgäbe, dem Inquisitor beliebige Namen angeblicher Teufelsbündnerinnen nennen und sich selbst als Hexe bezichtigen würde. Die Darstellungsform ist das Einmalige an der Cautio Criminalis, weil sie eine Identifikation mit den Opfern ermöglicht und gleichzeitig die Funktion des Gewissens übernimmt, das den Leser an das Gebot der Nächstenliebe erinnert. 

Vor allem dieser moralische Impetus, verbunden mit einer humanistischen Ernsthaftigkeit ist dafür verantwortlich, dass die Persönlichkeit Friedrich Spees nach wie vor beeindruckt und sein Hauptwerk Cautio Criminalis, seit Leibniz über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu einer kritischen Auseinandersetzung einlädt. 
Quelle: Glaubte Friedrich Spee an Hexen? Einige kritische Gedanken zur Cautio Criminalis von Sarah Masiak, in: Paderborner Historische Mitteilungen, Jg. 24, 2011

Weitere Informationen / Verwandte Beiträge:

Hexenwahn im Mittelalter (Filmdokumentation)

Friedrich Spee, Anton Praetorius, Peter Hagendorf, Hermann Cottmann und der Hexenwahn in Westfalen

Hexenwahn in Lemgo (Film)

Westfalen News #38

Von Ralf Keuper

Wiederum eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind: